28. September 2011

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Honigberg in bewegten Tagen

Das erste Begegnungsfest in Honigberg im Sommer 2009 war ein voller Erfolg. Damals beschlossen wir, nach zwei Jahren erneut ein Fest dieser Art zu feiern.
Das zweite Treffen vom 13. und 14. August 2011 zeigte, wie Kuratorin Erika Popescu in ihrer Begrüßung mitteilte, einen Mittelweg, wo beide Seiten an einem Tisch sitzen können, um Brücken zueinander und Brücken in die Zukunft zu schlagen. Einen großen Dank richtete sie dabei an die HOG Honigberg, ohne deren Hilfe der Erhalt und die Bewahrung der kirchlichen Anwesen nicht möglich seien.

Anneliese Madlo, Vorsitzende der HOG Honigberg, stellte das Begegnungsfest unter das Zeichen des 800-jährigen Jubiläums seit der Berufung des Deutschen Ordens ins Burzenland und seit der ersten urkundlichen Erwähnung des Burzenlandes. Sie dankte dem Kirchenchor für den musikalischen Aufwind in der Gemeinde und Christian Chelu für die Gestaltung der Homepage (www.honigberger.com). Erwähnt wurde der Fleiß der vielen Helfer bei der Errichtung des Heimatmuseums in der Kirchenburg, der Renovierung des Pfarrhauses und der aufwändigen Friedhofreparatur. Eine Schweigeminute wurde an dieser Stelle zum Gedenken an die verstorbenen Honigberger eingeschoben.

Madlo berichtete über die Teilnahme von 61 Honigbergern am Trachtenumzug des Heimattages in Dinkelsbühl und lobte das rege kirchliche Geschehen in Honigberg. 100 Honigberger aus dem Ausland und ebenso viele aus dem Ort hatten sich im neu gestalteten Gemeindesaal eingefunden. Mit den geladenen Gästen waren es mehr als 220 Teilnehmer, die diesem Begegnungsfest beiwohnten.

Ingeborg Filipescu, die in der Gemeinde als Lektorin wirkt, richtete warme Worte an die Anwesenden. Bürgermeister Mihai Dişor bedauerte den Weggang vieler sächsischer Leute aus Honigberg. Pfarrer Kurt Boltres begrüßte seiner- seits die Anwesenden und bat, diejenigen nicht zu vergessen, die diesem fröhlichen Wiedersehen aus Alters- oder gesundheitlichen Gründen fernbleiben mussten. Zwischen den Reden waren die Petersberger Blasmusikanten unter der Leitung von Ioan Dobrin zu hören. Der im Herbst letzten Jahres gegründete Honigberger Kirchenchor überraschte die Gäste mit Heimatliedern. Bei Musik und Tanz dauerte das Fest bis in die frühen Morgenstunden. Eine Gaumenfreude stellten selbst gebackene Kuchen und 45 Baumstriezel dar.Kranzniederlegung am Heldendenkmal in der ...Kranzniederlegung am Heldendenkmal in der Honigberger Kirchenburg. Foto: Christian Chelu Für Sonntag wurden alle zum Festgottesdienst um 12.00 Uhr in die evangelische Kirche in Honigberg eingeladen. Den musikalischen Rahmen bildete Organistin Dominica Pepelea mit ihrem Ehegatten Dan sowie der Honigberger Kirchenchor unter der Leitung von Diana Baldea. Die Pre­digt wurde ein einziger Appell für den Frieden im Herzen, im Haus und in der Welt. Seinen krönenden Abschluss fand der Gottesdienst im „Ave Maria“, gesungen von Diana Baldea in Begleitung des Ehepaares Pepelea mit Orgel und Geige.

Zum Abschluss kamen folgende Worte des Pfarrers zur Sprache: „Ich danke allen fleißigen Händen, die so viele Helfer bereitstellten, um diesem Fest einen feierlichen Rahmen zu geben. Ich danke in erster Reihe Erika Popescu für ihre bestimmende Art und ihren selbstlosen Einsatz. Ich danke dem gesamten Presbyterium für die pausenlose Hilfe, den Mitgliedern der Gemeindevertretung und allen Backfrauen, der Chorleiterin Diana Baldea und ihrem Kirchenchor, unserer Organistin Dominica Pepelea und ihrem Ehegatten für das Mitwirken in der musikalischen Gestaltung dieses Festgottesdienstes.

Und ich danke im Besonderen der HOG Honigberg, ihrer Vorsitzenden Anneliese Madlo, Klaus Knorr, Stellvertretender Vorsitzender, und allen heimatverbundenen Honigbergern, die motiviert die lange Reise angetreten haben. Ich muss betonen: Ohne sie hätte ein Fest der Begegnung hier nicht stattfinden können. Auch wenn an diesem Fest unsere Erinnerung weit zurückgedrängt werden soll, in die Zeit der Besiedlung dieses Ortes durch den Deutschen Orden, so bleibt dennoch das Jetzt und Hier im Vordergrund. Denn jetzt heißt es Brücken bauen, jetzt heißt es Probleme bewältigen und jetzt heißt es neue Freundschaften knüpfen und alte wieder beleben. Jetzt wollen wir gemeinsam Erinnerungen auffrischen, Aufgaben lösen und Zukunft bewirken.”

Fünf Bläser aus der HOG Honigberg begleiteten die anschließenden Gedenkfeiern am Heldendenkmal und auf dem Friedhof. In seiner Ansprache am Heldendenkmal sagte Pfarrer Kurt Boltres: „Ob gewollt oder ungewollt, diese Menschenleben sind ohne jeglichen Sinn in fremder Erde gestorben, auch wenn man heute von Kriegsidealen, von Kriegsfolgen oder von Wiedergutmachung spricht. Diese Menschen, deren Namen hier auf Tafeln eingetragen sind, tragen keinerlei Schuld an ihrem Schicksal. Sie tragen auch keinerlei Schuld an dem Leid, das unser Volk später getroffen hat. Sie sind lediglich ein Opfer ihrer Zeit gewesen, wie auch wir ein Opfer unserer Zeit geworden sind. Einer geopferten Generation gedenkt man hier, wie man unser später auch einmal gedenken wird.Die Honigberger Reisegruppe vor der Kirchenburg ...Die Honigberger Reisegruppe vor der Kirchenburg Honigberg kurz vor der Abfahrt nach Deutschland. Foto: Klaus Knorr Jedoch die Erinnerung bleibt, denn sie ist tief vergraben in unserer Seele und bringt gerade jetzt zum Vorschein, was diese Glocke in ihrer Lebenszeit hätte tun müssen. Ihr Wahrzeichen lautete, wie auch zu lesen ist: ,Den Toten läute ich den Frieden.‘ Doch sie war bei ihrem ersten Einläuten noch vor der Weihe 1923 gesprungen und konnte nicht weiter geläutet werden. 50 Jahre blieb sie vergraben, gegenüber dem Westportal der Kirche, bis sie dann einen neuen Ehrenplatz über diesen Gedenktafeln einnehmen konnte.

Jetzt birgt sie unter sich die Namen von 74 Kriegsopfern des Zweiten Weltkrieges und die Namen von weiteren 35 Opfern der Deportation zur Zwangsarbeit in die Kohlengruben des Donbas. Ihrer wollen wir heute gedenken. Früher lebten noch viele Honigberger hier im Ort, die ­gemeinsam das ergangene Leid auf ihren Schultern tragen konnten. Heute sind das nur wenige. Aber die wenigen, gestützt von den Hinzugekommenen, können diese schmerzhaften Erin- nerungen gemeinsam tragen.“

Nach einem kurzen Besuch im kleinen Museum ging man im Zug zum Friedhof. Dort brachte Klaus Knorr von der HOG Honigberg die Bindung zur Sprache, die trotz großer Entfernung zu diesem Ort besteht. Dankbar zeigte er sich für die Pflege des Friedhofs. Die Verantwortung dafür, die Belastung durch die Arbeit und die getane Pflicht für die Verstorbenen trägt zwar die Kirchenleitung. Sie bekommt jedoch volle finanzielle Unterstützung von den heimatverbundenen Honigbergern und der HOG.

Am Nachmittag traf man sich zum gemeinsamen Essen. Gespräche, Ausspannen und Anteilnahme waren der zentrale Punkt dieser Begegnung. Bis zur späten Abendstunde blieb man beisammen. Ein letztes Wort auch denen, die namentlich nicht erwähnt wurden und ihre helfenden Hände zur Verfügung gestellt haben: DANKE!

Pfarrer Kurt Boltres

Schlagwörter: Treffen, HOG, Honigberg

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