20. Februar 2019

Druckansicht

Stets präsent – für Familie, Beruf und Gemeinschaft: Peter Handel ist von uns gegangen

Seit dem 13. Februar 2019 können wir nicht mehr in seine stets präsenten, offenen, neugierigen, hellwachen und ebenso freundlichen, herzlichen, gelegentlich verschmitzten Augen blicken. Recht kurz vor Erreichen seines 100. Geburtstages müssen wir von Dipl.-Ing. Peter Handel Abschied nehmen. Wir, seine Familienangehörigen, seine Mitarbeiter, seine Freunde, seine Gemeinschaft, Menschen aus Heltau und seiner Heimat Siebenbürgen, aus seiner zweiten Heimat Weilheim in Oberbayern, Menschen aus der ganzen Welt, werden ihn vermissen, aber sicher nicht vergessen.
Peter Handels Lebensmittelpunkt bildete seine Familie, die er 1948 mit Helga, geb. Ehrmann, gründete. Vier Kinder und fünf Enkelkinder erlebten in Weilheim – sowohl im ersten, 1954 gebauten Haus als auch im zweiten, 1974 errichteten Gebäude mit lichtdurchflutetem Atrium und liebevoll gepflegten Garten – eine glückliche Kindheit und trauern nun um das geliebte Familienoberhaupt.

Die Existenzgrundlage bildete ein 1945 gegründetes Bauingenieursbüro, für das er 1963 ein neues Büro in Weilheim bauen konnte. Beruf und Berufung ergänzten dabei einander. Er übernahm Aufträge für statische Berechnungen, Konstruktionen, Bauleitungen und Tragwerksplanungen von Bauämtern, Landkreisen, Kommunen, Kirchengemeinden, Firmen und Privatleuten, wobei sein Beitrag zur Restaurierung des Deckengewölbes der berühmten Wieskirche besonders wichtig und prestigeträchtig war. Sein Wissen im Holzbauwesens hat er, unter anderem, in einem zwischen 1970 und 1993 dreimal aufgelegten Fachbuch über den Dreieck-Streben-Bau mit geleimten Fachwerkträgern sowie durch Übernahme von Lehraufträgen an der FH München und an der Staatlichen Berufsschule Weilheim weitergegeben. Durch die Verleihung des Holzbaupreises Bayern (1980) und des Deutschen Holzbaupreises (1986) wurden diese Leistungen auch öffentlich gewürdigt. Peter Handel feierte seinen 95. Geburtstag mit ...Peter Handel feierte seinen 95. Geburtstag mit seiner Familie und zahlreichen Freunden in der Tiefstollenhalle in Peißenberg. Foto: privat Obwohl Peter Handel – am 9. August 1920 – in Hermannstadt geboren wurde, kann man ihn mit Fug und Recht als einen waschechten Heltauer bezeichnen. Er wuchs als Kind in diesem Weberstädtchen auf, wo sein Vater, der einer alten Wollweberfamilie des Ortes entstammte, ein Bauunternehmen betrieb, und blieb sein Leben lang Heltau verbunden, obwohl er seit der Gymnasialzeit an der Hermannstädter Brukenthalschule und dem Studium an der Technischen Hochschule in Berlin-Charlottenburg nie mehr dauerhaft dort gelebt hat.

Für Heltau und die Heltauer engagierte er sich unermüdlich schon seit den frühen Nachkriegsjahren. Damals bemühte er sich, in Deutschland verstreut lebende Heltauer zusammenzuführen, später machte er sich um die Gründung der Heimatortsgemeinschaft Heltau e.V. sehr verdient. Umfangreiche genealogische und Quellen-Dokumentationen folgten, die beim Verfassen der Ortsmonographie „Heltau. Geschichte und Kultur einer siebenbürgisch-sächsischen Gemeinschaft“ (deren Koautoren Peter und sein Bruder Günther Handel waren) von größtem Nutzen waren und aus denen viele weitere Mitarbeiter wertvolle Informationen schöpfen konnten. Vorträge, populärwissenschaftliche und streng wissenschaftliche Arbeiten über den Ort und seine Umgebung festigten Peter Handels Ruf als besten Kenner der Bau-, Siedlungs- und Personengeschichte von Heltau. Er war unermüdlich aktiv, um die bauliche Sicherung seiner Heimatkirchenburg zu ermöglichen, beriet, sammelte Spenden und spendete selbst. Auch den Verein der Freunde und Förderer des Gustav-Gündisch-Gymnasiums hat er laufend unterstützt. 2007 verlieh ihm die Evangelische Kirchengemeinde Heltau die „Walburga-Auszeichnung“ als kleines aber feines „Zeichen der Anerkennung für seinen langjährigen Einsatz zum Wohle der Heltauer in der alten und neuen Heimat“.

Und wie selbstverständlich war Peter Handel ein engagierter Siebenbürger Sachse, der sich für seine Landsleute eingesetzt hat. Seit 1941 war er ehrenamtlich aktiv, zunächst als Mitglied einer siebenbürgisch-sächsischen Volkstanzgruppe in Berlin, dann als Helfer für nach Oberbayern versprengte Landsleute, besonders für Rückkehrer aus der Deportation in die Sowjetunion. 1950 wurde er Mitglied der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, in ihrer Leitungsebene Referent für Wohnungsbau und Organisation im Bundesvorstand (1951-1958), Rechnungsprüfer (1967-1986) und Bundesschatzmeister (1986-1995). 1952 gründete er die Kreisgruppe Weilheim, der er bis 1996 vorstand. Am Aufbau der Altenheime Rimsting und Lechbruck wirkte er aktiv und ehrenamtlich mit.

Die Kultur und Geschichte Siebenbürgens und der Siebenbürger Sachsen, die er auch durch sein eigenes Wirken bereichert hat, lagen Peter Handel stets am Herzen: Er war Mitglied des Arbeitskreises für Siebenbürgische Landeskunde, nahm regelmäßig an dessen Jahrestagungen teil und spendete oft und großzügig für das Siebenbürgische Kulturzentrum „Schloss Horneck“ sowie für die dort ansässigen Einrichtungen. Im Sozialwerk der Siebenbürger Sachsen e.V. – dessen Gründungsmitglied er war und dem auch sein letzter Wunsch galt, nämlich für diese Einrichtung, statt Blumen auf seinem Grab, zu spenden – war er jahrelang Schatzmeister (1983-1997). Der Verband der Siebenbürger Sachsen hat ihn dafür mehrfach und mit Recht ausgezeichnet, durch Verleihung des Goldenen Ehrenwappens (1958) „für außerordentliche Verdienste“, der Ehrenmitgliedschaft (1995) und des Pro-Meritis-Verdienstabzeichens, das ihm im am 8. Dezember 2012 im Gemeindesaal der evangelischen Apostelkirche Weilheim überreicht wurde, jener Kirche, in der nun am 22. Februar 2019 die Trauerfeier für Peter Handel stattfindet.

Und selbstverständlich engagierte sich Peter Handel in seinem zweiten Zuhause, in Weilheim, insbesondere im Kirchenvorstand der evangelischen Gemeinde. Äußere Zeichen für die Anerkennung dieses Wirkens für Weilheim und für Oberbayern sind die Ehrenzeichen der Stadt Weilheim (1999) und des Bayerischen Ministerpräsidenten (2000).

Ein vorbildlicher Mensch, der sich für die Menschen eingesetzt hat, ein treusorgender Familienvater, ein Freund, der Freundschaften zu pflegen verstand, ein engagierter Heltauer, Siebenbürger, Weilheimer und Oberbayer gleichermaßen, ist nach einem erfüllten Leben sanft entschlafen. Zur Trauer um ihn gesellen sich Dank, Anerkennung und lebendige Erinnerung an den liebenswerten „Pe“ Handel.

Prof. Dr. Konrad Gündisch

Beerdigung am 22. Februar 2019 in Weilheim

Der Trauergottesdienst für Peter Handel findet am Freitag, dem 22. Februar 2019, um 11.00 Uhr in der Evangelischen Apostelkirche in Weilheim, Münchener Str. 4, statt, anschließend Beerdigung im Friedhof Weilheim, Eingang Andreas-Schmidtner-Straße.

Anstelle von Blumen bitten die Trauernden um Spenden für das Sozialwerk der Siebenbürger Sachsen e. V., Kreissparkasse München, IBAN: DE33 7025 0150 0029 1291 37, BIC: BYLADEM1KMS, unter dem Stichwort „Peter“.

Schlagwörter: Verbandsleben, Nachruf, Wirtschaft, Sozialwerk, Heltau, Weilheim, Genealogie

Nachricht bewerten:

28 Bewertungen: ++

Noch keine Kommmentare zum Artikel.

Zum Kommentieren loggen Sie sich bitte in dem LogIn-Feld oben ein oder registrieren Sie sich.

  • AKTUELL
  • BEWERTET
  • GELESEN
  • KOMMENTIERT
Druckausgabe der aktuellen Zeitung
Die Druckausgabe der SbZ bereits eine Woche vor der Auslieferung online lesen (inkl. Volltextrecherche).

Archiv Schmökern und recherchieren im Archiv der SbZ von 1950 bis heute.

Terminkalender

« Oktober 19 »
Mo Di Mi Do Fr Sa So
30 1 2 3 4 5 6
7 8 9 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31 1 2 3

Artikel zum Thema

RSS-Feeds abonnieren

Nächster Redaktionsschluss

6. November 2019
11:00 Uhr

18. Ausgabe vom 20.11.2019
Alle Redaktionsschlüsse
Registrieren! | Passwort vergessen?
Impressum · RSS · Banner · Online werben · Nutzungsbedingungen · Datenschutz