19. Februar 2011

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Junge Siebenbürgerin engagiert sich kulturell in Siebenbürgen

„Ich wollte sehen, wie der Alltag in Siebenbürgen verläuft. Ich wollte Erfahrungen sammeln, neue Menschen treffen und einen realistischeren Blick vor Ort erlangen“, begründet Bettina Mai ihren Entschluss, einige Monate in Kronstadt zu leben und zu arbeiten. Sie war erst fünf, als sie mit ihren Eltern und ihrer Schwester aus Deutsch-Kreuz, Kreis Kronstadt, nach Deutschland auswanderte.
Nach abgeschlossener Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation studiert Bettina Mai zurzeit Volkskunde/europäische Ethnologie, Soziologie und Rumänisch in München. In Siebenbürgen war sie schon oft auf Besuch, sie wünschte sich jedoch, länger als nur für einen Urlaub zu bleiben. 2010 war es soweit: Bettina belegte im Deutschen Kulturzentrum und im Archiv der Honterusgemeinde in Kronstadt je ein zweimonatiges Praktikum: sie hielt einen Sprachkurs, organisierte Ausstellungen, arbeitete an einem Sprachkurskooperationstreffen mit, digitalisierte Dokumente aus den Archivbeständen. Wichtig war ihr dabei nicht nur die professionelle Erfahrung, sondern genauso, Siebenbürgen unmittelbar zu erleben, Kronstadt zu entdecken und zugleich sich intensiver mit der Kultur und Geschichte der Region auseinander zu setzten.Bettina Mai in Tartlau. Foto: Stefanie Schmitz ...Bettina Mai in Tartlau. Foto: Stefanie Schmitz Sehr gern erinnert sie sich an „die guten und nahrhaften Gespräche aus Kronstadt“, an die Gastfreundschaft und Wärme der Leute. „Ich empfinde die Herzlichkeit in Siebenbürgen als sehr angenehm, ich hoffe, dass das auch in fünfzig Jahren noch so ist. Was dort unglaublich gut funktioniert, ist soziales Netzwerken. Das sollte auf jeden Fall beibehalten werden“, sagt Bettina. Manches war jedoch gewöhnungsbedürftig: „Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit, vor allem bei Bussen und Zügen, vermisse ich in Siebenbürgen oft. Das machte mir teilweise sehr zu schaffen. Nach einer Weile lernte ich, flexibel zu denken und zu planen. Wenn ich wieder in Deutschland ankomme, ist es umgekehrt, die erste Zeit fühle ich mich wie in ein Korsett hineingezwängt“, sagt Bettina. Aber: „Gerade im Blick auf Siebenbürgen muss man lernen, dass es nicht immer ein Schwarz oder Weiß gibt.“

Für die berufliche Zukunft wünscht sie sich, „in, mit, oder über Siebenbürgen“ zu arbeiten oder zu forschen. Kein Wunder, denn auch in Deutschland ist sie stets aktiv, wenn es um die siebenbürgenbezogene Jugendarbeit geht, sei es auf Volkstanzwettbewerben als Mitglied der Siebenbürgischen Jugendtanzgruppe München, als Beisitzerin im Vorstand der SJD Bayern oder beim Heimattag in Dinkelsbühl. In ihrer Familie wird Sächsisch gesprochen und sie ist stolz darauf. Auch viele ihrer Freunde und Bekannte „fühlen sich Siebenbürgen noch sehr verbunden.“ Deshalb betrachtet es Bettina als sehr wichtig, dass der Austausch zwischen den Siebenbürgern in Rumänien und jenen in Deutschland gefördert wird, „und das nicht nur auf Verbands- oder politischer Ebene. Man muss bei den Jugendlichen anfangen und ihnen auch auf beiden Seiten die Augen für den jeweils anderen öffnen.“

Christine Chiriac

Schlagwörter: Siebenbürgen, Erfahrungsbericht, Jugend, Kronstadt

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