16. Juni 2012

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"Sachsesch Owend" mit Jürgen aus Siebenbürgen und Amazonas-Express

„Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist”, sagte einst der französische Schriftsteller Victor Hugo. Auch heute, fast 130 Jahre später, kann dieser Satz für einige von uns nicht zutreffender sein. Musik verbindet Menschen, wenn sie „in der Luft liegt”. Beim Heimattag der Siebenbürger Sachsen luden Jürgen und seine Jungs von Amazonas-Express am Pfingstsonntag, dem 27. Mai 2012, zum „Sachsesch Owend” ein und viele kamen. Was mit der Präsentation seiner neuen CD „Nach meiner Heimat“ begann, endete für manch einen in einer Reise in die eigene Kinder- und Jugendzeit.
Die CD, eine Mischung alter, bekannter und immer wieder gern gehörten Volkslieder aus der Heimat, aber auch neuer Kompositionen, entspricht in diesem Sinne voll und ganz dem Motto des Heimattages, „Erbe erhalten - Zukunft gestallten”. Denn sie verbindet Altes und Neues. Und zum Erbe der Siebenbürger Sachsen gehören Musik und Gesang genauso dazu wie alle von unseren Ahnen übertragenen Sitten und Bräuche. Sie sind Teil unserer Geschichte, unserer Kultur und auch unseres Lebens.


Video: Jürgen aus Siebenbürgen: „In einem kleinen Städtchen irgendwo“

Jung und Alt, Groß und Klein zog es in die Innenstadt von Dinkelsbühl, von wo vertraute Musik erklang. Weit über tausend Menschen drängelten sich förmlich, um noch ein „gutes” Plätzchen vor der Schranne in Dinkelsbühl zu ergattern. Die Tribüne, auf der noch am Vormittag die Ehrengäste gemütlich gesessen und den Umzug verfolgt hatten, war jetzt viel zu klein. Selbst in den Cafés rund um Weinmarkt war kein Stuhl mehr frei. Dass sich die meisten hier versammelten, miteinander sprachen, ohne sich zu kennen, war relativ egal, waren sie doch alle aus Siebenbürgen. Alle? Nein... nicht alle. Unter die Zuschauer mischten sich sowohl Einheimische als auch Touristen aus Japan, Kanada und, Gott allein weiß, aus welchen Himmelsrichtungen sie alle kamen. Die Begeisterung und noch viel mehr Verwunderung konnte man deutlich in ihren Gesichtern sehen. Ein junger Mann aus dem Rheinischen, der das Pfingstfest in Dinkelsbühl zum ersten Mal besuchte, sagte später: „Ich habe nicht gewusst, dass ihr Siebenbürger soo gut feiern könnt!” Ja, das können wir, und zwar wie „det Fejar”! Musik und Gesang fesseln seit jeher Jung und Alt. ...Musik und Gesang fesseln seit jeher Jung und Alt. Aus vielen Stimmen wird schnell ein Chor, ein Chor der Freundschaft! Fotos: Don Alfredo Die Stimmung war unbeschreiblich, es ist fast unmöglich sie in Worte zu fassen! Junge Damen, man könnte sie „Jürgens Groupies” nennen, reihten sich hinter der Band auf und tanzten, die Kleinsten, vor der Band am Boden sitzend, warteten gespannt, was jetzt kommen werde, lauschten aber aufmerksam. Obwohl ihnen die Neugier ins Gesicht geschrieben stand, kannten sie das eine oder andere Lied. An den Bewegungen ihrer Lippen konnte man erkennen, dass sie fleißig mitsangen. Beim Erklingen wohlvertrauter Lieder, hackte man sich spontan unter den Arm, Eltern, Großeltern, Geschwister, Freunde und der Nachbar. Man schunkelte und sang gemeinsam mit. Pärchen hielten sich zu den Klängen von „De Astern” verträumt im Arm, und Mamis lächelten sanft, als Jürgen seine „giad Mami” zum Besten gab.

„De Astern, bläihn iiensem äm Guerten...”, eines ...„De Astern, bläihn iiensem äm Guerten...”, eines der schönsten und ältesten Liebeslieder in sächsischer Mundart, lässt Pärchen träumen und sich liebevoll umarmen.Nicht viele Musiker und Künstler besitzen die Fähigkeit, ein Riesenpublikum zum Mitmachen zu animieren. Peter Maffay, mittlerweile ein Weltstar, der mit seinen Fans am Freitagabend auf der Schwedenwiese rockte, hat es einfacher, meint man. Doch Jürgen Dörr, ein junger Mann aus Siebenbürgen, verlieh seinem Publikum Gefühl und den Hauch der Zusammengehörigkeit, so wie wir sie von daheim kennen. Jürgen und seine Band haben es, auf eine wunderbare und sehr sympathische Art, geschafft, möglicherweise auch einen Gotthilf Fischer, den bekannten „Chorkönig”, in den Schatten zu stellen. In vielen Gesichtern konnte man nebst der Fröhlichkeit des Augenblicks auch ein bisschen Wehmut und Traurigkeit erkennen. Obwohl wir nun schon lange aus der Heimat weggezogen und in der neuen Heimat gut angekommen sind, bleiben wir in Gedanken immer mit unserer Geburtsstätte verbunden. So auch an diesem Abend, an dem die süßesten und schönsten Erinnerungen erwachten. Die eine oder andere Träne floß vielen übers Gesicht, doch niemand machte sich die Mühe, sie wegzuwischen. Keiner schämte sich seiner Tränen. Eine Träne war für die Erinnerung, eine für die Sehnsucht und sehr viele für in manchem Herzen noch verbliebenes Heimweh. Begeisterung trägt einen Namen: „Jürgen aus ...Begeisterung trägt einen Namen: „Jürgen aus Siebenbürgen”! Danke dafür. „Siebenbürgen, mein Heimatland”, Musik und Text vom jungen Kurt Bretz, der uns mit seinen Werken die Heimat in Erinnerung behält. Sie wird immer ein Teil von uns sein, selbst wenn wir weit entfernt davon sind, denn WIR sind Siebenbürgen! Wir werden es immer im Herzen tragen und erst „wenn der Tod uns nimmt das Leben, werden wir aufhören treu zu sein”, denn DAS ist „wahre Freundschaft”!


Video: Jürgen aus Siebenbürgen mit „Wahre Freundschaft“

Die Resonanz auf das Konzert ist überwältigend. Via Facebook, siebenbuerger.de oder YouTube sagen viele einfach nur „Danke schön” und „Jürgen, mouch wegter, et äs en Froad dech uch vertraht Liieder ze hieren! Danke fiur den hieschen Owend un der Schranne!”, „Gänsehaut pur....vor allem bei Wahre Freundschaft”. Wer diese „Gänsehautstimmung” noch einmal erleben möchte, der kann dies im Internet auf Youtube machen. Einfach in die Suchleiste „Sachsesch Owend” eingeben und schon erscheinen etliche Videos von unseren Filmern. Günther Melzer, Robert Sonnleitner, Eric Scherer und viele andere haben die schönsten Eindrücke dieses Abends in Bild und Ton für die Nachwelt festgehalten.

Henricke Gunesch


Online-Bildergalerie: "Sachsesch Owend" mit Jürgen aus Siebenbürgen, Fotos: Don Alfredo
Nach meiner Heimat
Jürgen aus Siebenbürgen
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Schlagwörter: Heimattag 2012, Musik

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