29. Juli 2026

Austausch und unvergessliche Erinnerungen: Siebenbürgisch-sächsisches Föderationsjugendlager in Deutschland

Vom 25. Juni bis zum 9. Juli reisten 18 junge Menschen aus vier Ländern der Föderation der Siebenbürger Sachsen, USA, Kanada, Rumänien und Deutschland, einmal quer durch die Bundesrepublik Deutschland. Sie besuchten siebenbürgisch-sächsische Kulturveranstaltungen und brachten sich ihrerseits als Teil der Gemeinschaft ein. Auf dem Programm standen auch Sehenswürdigkeiten, und so entstanden nicht nur einmalige Erinnerungen, sondern vor allem Freundschaften fürs Leben.
Teilnehmer des Föderationsjugendlagers in der ...
Teilnehmer des Föderationsjugendlagers in der Heimatstube in Drabenderhöhe mit dem Bundesvorsitzenden Rainer Lehni (1. von rechts, hinten ). Foto: Heike Mai-Lehni
Im Abendrot des 25. Juni fuhr ein weißer Kleinbus in Nürnberg ein und wurde von Natalie Bertleff, Bundesjugendleiterin der Siebenbürgisch-Sächsischen Jugend in Deutschland (SJD), empfangen, die die Reise von deutscher Seite aus begleitete. Die Gruppe aus Rumänien hatte schon eine zwölfstündige Reise hinter sich und wurde bei einem gemütlichen Abendessen und einem Spaziergang auf die bevorstehenden Tage eingestimmt. Diese noch kleine Runde machte sich Freitagfrüh auf, um die Gäste aus Übersee am Flughafen in Frankfurt am Main in Empfang zu nehmen. Nach einigen Stunden Verspätung traf die Gruppe mit dem Flugzeug ein, und danach fuhr man gemeinsam nach Wiehl, wo zunächst alle Personen auf Gastfamilien der Kreisgruppe Wiehl-Bielstein verteilt wurden und anschließend am Festabend in Drabenderhöhe teilnehmen konnten. Der Samstag enthielt eine Überraschung für die Teilnehmenden: Nach dem Festakt zum 60-jährigen Jubiläum der Siebenbürger-Sachsen-Siedlung Drabenderhöhe stand dank der Kreisgruppe Drabenderhöhe ein Ausflug nach Köln an. Trotz Temperaturen von fast 40 Grad ließen es sich einige nicht nehmen und stiegen die Stufen des Doms hinauf! Jene, denen die Puste dort nicht ausgegangen war, tanzten am Abend beim Ball der „Combo“-Band in Drabenderhöhe bis tief in die Nacht. Das Kronenfest am Sonntag erforderte eine besondere Outfit-Wahl – die siebenbürgisch-sächsische Tracht, die bei ein paar Teilnehmern noch in den Koffer gepasst hatte. Wir danken Kathi Drotleff sowie Enni und Harry Janesch für die Einblicke in das Siebenbürgisch-Deutsche Heimatwerk, die Heimatstube und den Turm der Erinnerung (siehe Bericht in der SbZ Online). Einen kulinarischen Leckerbissen genossen die Jugendlichen bei Familie Horst Kessmann, Vorsitzender der Kreisgruppe Wiehl-Bielstein, die einen Einblick in das Backen und Genießen fluffiger Baumstriezel gab.

Nach einem ereignisreichen und sehr heißen Start in das Föderationsjugendlager (FöJuLa) bot der Ausflug zum Biggesee am Montag, dem 29. Juni, eine willkommene Abkühlung, jedoch mit Saltos und anderen Kunstsprüngen keine Gelegenheit zum Verschnaufen. Am Abend erreichte die Gruppe Darmstadt, wo sie dankenswerterweise wieder in Gastfamilien aufgenommen werden konnten. Der Ausflug nach Frankfurt am Dienstag enthielt wieder einen Aufstieg zum Dom. Daraufhin konnte Frankfurt auf eigene Faust erkundet werden, bevor der Ausflug bei gutem Essen beim „Dönerboot“ endete. Die authentische Erfahrung des deutschen Nahverkehrs durfte auch nicht fehlen, doch die verspätete Bahn brachte alle noch rechtzeitig zum Anpfiff des Deutschland-Spiels nach Hause.
Frisch eingekleidet für das Kronenfest in ...
Frisch eingekleidet für das Kronenfest in Böblingen. Foto: SJD
Den Weg von Darmstadt zu den nächsten Gastgebern in Heilbronn nutzten die Teilnehmer des FöJuLa, um einen Tag auf Schloss Horneck zu verbringen. Ein ausführlicher Bericht über unseren Tag in Gundelsheim erschien dank Heidi Mößner, Vorsitzende des Siebenbürgischen Kulturzentrums „Schloss Horneck“ e.V., in der vorherigen Ausgabe dieser Zeitung (siehe SbZ Online) auf Seite 10. Ebenfalls bei Gastfamilien konnte die Gruppe in Heilbronn unterkommen und zwei Abende bei Tanz und leckerem siebenbürgischen Essen verbringen. Sicher war der Ausflug in den Freizeitparkt Tripsdrill einer der am stärksten erwarteten Programmpunkte, und niemand wurde enttäuscht. Adrenalinrausch auf der Wildwasserbahn bei strahlendem Sonnenschein war für viele ein Highlight der Reise, gefolgt von einem Kulturschock, dem „Maultaschen-Burger“, den sich ein paar Teilnehmer als Mittagessen ausgesucht hatten.

Diesem Ausflug-Highlight folgte direkt am Freitag der nächste Höhepunkt. Das Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart begeisterte nicht nur die vielen Auto-Fans der Gruppe. Am Abend wurde das FöJuLa von der Tanzgruppe Böblingen empfangen. Auch an diesem Wochenende durften die Trachten wieder zum Einsatz kommen und spontan konnten auch noch zwei weitere Personen eingekleidet werden. Über unsere Zeit in Böblingen und den spontanen Auftritt beim Kronenfest Böblingen berichtete Judith Kaiser in der vorherigen Ausgabe (Folge 12, Seite 15). Nach kurzen Abstimmungen fuhren einige Teilnehmer am Abend nach Crailsheim auf den Kronenfest-Ball mit der „Combo“-Band und feierten bis tief in die Nacht.

Zünftig wurde es tags darauf im Biergarten in München bei Bier und Brezel. Mehr über die Geschichte und Kultur Münchens erfuhren die Teilnehmer von Maria Beer (Kreisgruppe München) bei einem Stadtrundgang am Montagmorgen. Ein Nachmittag voller Freizeit und ein gemeinsames Abendessen – und schon fanden sich die Teilnehmer beim letzten Stopp ihrer Reise wieder. In Rosenheim organisierte die Kreisgruppe leckere Frühstücksbüfetts, um die Jugendlichen für die Ausflüge zu wappnen. Strahlender Sonnenschein begleitete die Gruppe auf der Schifffahrt auf dem Chiemsee, wobei eine Führung durch Schloss Herrenchiemsee und ein Spaziergang mit einem erfrischenden Eis auf der Fraueninsel auf dem Programm standen. Der Tag klang aus bei Flammkuchen in der Beachbar mit der Tanzgruppe Rosenheim und Traunreut. Die direkte Lage am Strand wurde genutzt, um Kunstsprünge zu präsentieren und jeder „durfte“ baden – egal, ob in Schwimmkleidung oder nicht. Zum Glück waren die Shopping-Trips der vergangenen Tage erfolgreich, so wurde Kleidung hin und her getauscht, um nach der Bade-Einheit alle mit trockenen Klamotten auszustatten.
Bis bald, auf Wiedersehen. Ein letztes ...
Bis bald, auf Wiedersehen. Ein letztes Gruppenfoto des Föderationsjugendlagers 2026 in Rosenheim. Foto: SJD
Das Bade-Fieber wurde auch am nächsten Tag gestillt. Im Schwimmbad Prienavera in Prien wurde getobt, Mini-Sprachkurse wurden abgehalten und in Gesprächen reflektiert, wie schnell die letzten beiden Wochen vorbeigegangen seien. Der letzte gemeinsame Abend endete bei einem traditionell deutschen Essen und guten Gesprächen. Die Abfahrt am Donnerstag frühmorgens war geprägt von Abschieden, und auf einem letzten Gruppenfoto wurde die gesamte Reisegruppe festgehalten, bevor der rumänische Teil direkt mit dem Auto Richtung Heimat aufbrach und unsere Gäste aus Übersee auf den Flughafen München gefahren wurden.

Der größte Dank geht an jede einzelne Person, die zum Gelingen dieses Föderationsjugendlagers beigetragen hat. Danke an alle Gastgruppen: Ihr habt mit euren Organisationen, Tanzgruppen und Kreisgruppen nach euren Möglichkeiten zu einem unvergesslichen Erlebnis beigetragen! Danke an die vielen Gastfamilien: Ihr habt Jugendlichen ein Gefühl von „daheim“ gegeben, in einem Land, welches tausende Kilometer von „Zuhause“ entfernt ist. Danke an die Gruppe aus Rumänien, die mit Auto und Fahrern dazu beigetragen hat, dass wir mobil waren.

Los geht die wilde Fahrt im Freizeitpark ...
Los geht die wilde Fahrt im Freizeitpark Tripsdrill. Foto: SJD
Danke an die Jugendleiter und alle Teilnehmer, dass ihr eine tolle Gruppe wart, die hoffentlich auch in vielen Jahrzehnten noch Kontakt halten wird – so wie es bereits Generationen vor uns getan haben. Einen persönlichen Dank möchte ich Hannah Lang aussprechen, ohne die die Organisation der Reise nicht möglich gewesen wäre.

Abschließend danken wir für die Förderung durch die djo – Deutsche Jugend Europa (DJO) im Rahmen des Kinder- und Jugendplans des Bundes und für die Förderung durch das Kulturwerk der Siebenbürger Sachsen. Durch sie konnte das Föderationsjugendlager erschwinglich bleiben.

Natalie Bertleff

Im Palmengarten in Frankfurt mit der „Sachsesch ...
Im Palmengarten in Frankfurt mit der „Sachsesch Tasch“. Foto: SJD

Stimmen der Teilnehmer

Von allen erlebten Momenten – den Schreien auf der Achterbahn in Tripsdrill, den Sprüngen in den See und den gemeinsam verbrachten Abenden – wird einer immer etwas Besonderes bleiben: die sächsische Tracht zu tragen und darin auf dem Kronenfest in Böblingen zu tanzen. In diesem Moment hatte ich das Gefühl, nicht nur Zuschauerin der Tradition zu sein, sondern ein Teil davon.

Sophia Negut, Teilnehmerin aus Rumänien

I think the memory that stands out to me the most was when we were with the Böbligen dance group doing the various dances and catching up with old friends in the Combo Band and some past Jugendlager attendees.

Jonathan Barkett, Jugendleiter aus den USA

Das Jugendlager war eine unbeschreibliche Zeit, in der ich viele Freundschaften mit Menschen aus aller Welt geschlossen habe. Ich durfte in dieser Zeit Deutschland von einer ganz anderen Seite kennenlernen und viele Erfahrungen sammeln, bei denen es mir schwerfällt zu sagen, was mir am besten gefallen hat, da alles so schön war. Seien es die Bälle mit der „Combo“-Band oder die Fahrt auf dem Chiemsee, es war alles einfach unvergesslich. Die Gastfamilien, die uns Unterkunft boten, waren alle sehr freundlich und hilfsbereit. Besonders möchte ich Andreas und Melitta Binder aus Bielstein für ihre Gastfreundschaft danken. Ihr seid einfach die Besten!

Philipp Barth, Teilnehmer aus Rumänien

Am Föderationsjugendlager hat mir besonders die Gemeinschaft in unserer internationalen Gruppe aus verschiedenen Ländern gefallen, wobei das Programm trotz der vielen Reisen nie zu stressig war. So hatte ich die nötige Energie, um Highlights wie den Besuch in Tripsdrill oder die sächsische Kultur bei den Kronenfesten in vollen Zügen zu genießen – es war eine super Zeit!

Melisa-Anamaria Lazar, Teilnehmerin aus Rumänien

I had a great time meeting new people and broadening my connections within the Saxon community. I really enjoyed visiting the Kölner Dom and Ludwig II’s castle (Herrenchiemsee). I hope to see you all again soon!

Josh Steele, Teilnehmer aus Kanada

My favorite part of the trip was when we went to the cologne cathedral. The 530 stairs was brutal.

Alexander L Spack, Teilnehmer aus den USA

It was really nice to meet people who share the same heritage as me, and to learn more about our shared history.

Helena Maiterth, Teilnehmerin aus Kanada

Als einziger Teilnehmer aus Deutschland fand ich die Gelegenheit toll, mit anderen Jugendlichen auf alltäglicher Basis Englisch zu sprechen, um somit auch meine Sprachkenntnisse zu verbessern. Zusätzlich fand ich es großartig, zu erleben, wie wir aus der ganzen Welt kommen und uns trotzdem unsere Kultur so verbindet. Die Organisation war auch super und die Orte waren treffend ausgewählt, um unseren Gästen Deutschland vorzustellen.

Peter Volkmer, Deutschland

Schlagwörter: Föderationsjugendlager, Deutschland, Verbandspolitik

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