13. November 2011

Freitod von Schriftstellern

Interkulturelle Woche Köln: Annemone Latzina und Georg Hoprich vorgestellt
Die Interkulturelle Woche Köln feierte in diesem Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum. Dieser interkulturelle Dialog trägt entschieden zum demokratischen Zusammenwachsen Europas bei, er fördert die Akzeptanz und Toleranz für ein gleichberechtigtes Miteinander. In der internationalen Vorlesungsreihe „Die Erde ist mir Heimat nicht geworden“ ging es am 14. und 18. Oktober im Theater Metropol um den Freitod von Schriftstellern aus vielen Ländern. Diese haben aufgrund ihrer seelischen Ausnahmezustände die Weltliteratur mit extremsten Erfahrungen bereichert und die Sensibilität der Leserschaft für abgründige Erlebnisse erhöht.

Roswith Capesius: Bildnis von Georg Hoprich, 55 x ...
Roswith Capesius: Bildnis von Georg Hoprich, 55 x 45 cm, beidseitig bemalt, 1959/1960. Fotoarchiv: Dr. Wieland Hoprich, Heidelberg
Die vorgestellten Autoren mit ihren Texten und den Erläuterungen dazu boten auch ein beredtes Beispiel für die leidvolle Erfahrung des Heimatverlustes im nahen Sinne der Geburtsheimat und dann im weiteren Sinne der Erde und des Erdenlebens als Heimat der Menschheit. Zu Wort kamen neben weltberühmten Autoren wie Sylvia Plath, Sergej Jesenin, Wladimir Majakowski und Marina Zwetajewa auch die Rumäniendeutschen Annemone Latzina (1942-1993), die die Leiterin der Veranstaltung Pilar Baumeister aus Spanien in ihre Anthologie „Wir schreiben Freitod… Schriftstellersuizide aus vier Jahrhunderten“ (Peter Lang-Verlag, Frankfurt am Main 2010) aufgenommen hat, und Georg Hoprich (1938-1969), den tragisch am Ostblocksozialismus gescheiterten Lyriker aus Siebenbürgen. Latzina und Hoprich wurden von Ingmar Brantsch präsentiert. Die sieben vorgetragenen und mit sozialhistorischem und biografischem Hintergrund erläuterten Gedichte aus dem einzigen Lyrikband von Georg Hoprich, „Gedichte“ (1983 im Dacia-Verlag Klausenburg/Cluj-Napoca post mortem unter erheblichen Risiken von Stefan Sienerth herausgebracht), fanden großen Anklang. Anne Jüssen, die Sprecherin der Kölner Filiale des Verbandes der Schriftsteller, Mitveranstalter dieser Kulturwoche, bezeichnete die Gedichte Georg Hoprichs als einige der schönsten und ergreifendsten, die hier vorgetragen wurden. Die anschließende Diskussion zeugte vom regen Interesse des Publikums.

Ingmar Brantsch

Schlagwörter: Schriftsteller, Kulturwoche, Köln, Hoprich, Latzina

Bewerten:

123 Bewertungen: ––

Neueste Kommentare

  • 27.01.2012, 11:23 Uhr von von Randlage: Vielleicht ist es jemandem noch nicht bekannt, das in Deutschland erschienene, schöne ... [weiter]
  • 14.11.2011, 10:16 Uhr von bankban: Habe natürlich an Labis gedacht und ihn mit Blaga verwechselt. Danke für die Berichtigung, Frau ... [weiter]
  • 14.11.2011, 08:59 Uhr von Gabanyi: Der Unfalltod nonkonformistischer Schriftsteller in Diktaturen hat immer wieder Spekulationen ... [weiter]

Artikel wurde 6 mal kommentiert.

Alle Kommentare anzeigen.

Zum Kommentieren loggen Sie sich bitte in dem LogIn-Feld oben ein oder registrieren Sie sich. Die Kommentarfunktion ist nur für registrierte Premiumbenutzer (Verbandsmitglieder) freigeschaltet.