11. Mai 2015

Forschungspreis für Neurowissenschaftler siebenbürgisch-sächsischer Abstammung

Die weltweit höchstdotierte Auszeichnung für Neurowissenschaften, der Grete Lundbeck European Brain Research Prize, ist am 7. Mai in Kopenhagen von Kronprinz Frederik von Dänemark überreicht worden. Unter den Preisträgern ist der aus dem Banat stammende Wissenschaftler Prof. Dr. Arthur Konnerth, dessen inzwischen verstorbener Vater Siebenbürger Sachse war.
Die Grete Lundbeck Europäische Stiftung für Hirnforschung (Grete Lundbeck European Brain Research Foundation) mit Sitz in Kopenhagen hatte am 9. März die diesjährigen Gewinner der weltweit höchstdotierten Auszeichnung für Neurowissenschaften bekannt gegeben. Den mit einer Million Euro dotierten „Brain Prize“ teilen sich Professor Arthur Konnerth von der Technischen Universität München, Professor Winfried Denk vom Max-Planck-Institut für Neurobiologie in München, Professor David Tank von der Princeton University und Professor Karel Svoboda vom Howard Hughes Medical Institute in Maryland. Die Preisträger werden geehrt für „die Erfindung, Ausarbeitung und Anwendung der Zwei-Photonen-Mikroskopie zur Gewinnung von detailreichen, dynamischen Bildern von der Aktivität in einzelnen Nervenzellen, Dendriten und Synapsen, was einen grundlegenden Wandel in der Untersuchung der Entwicklung, Plastizität und funktionellen Verschaltung des Gehirns bedeutet“.
Ausgezeichneter Neurowissenschaftler: Prof. Dr. ...
Ausgezeichneter Neurowissenschaftler: Prof. Dr. Arthur Konnerth
Prof. Dr. Arthur Konnerth, Inhaber des Friedrich‐Schiedel‐Lehrstuhls für Neurowissenschaften und Direktor des Instituts für Neurowissenschaften an der Technischen Universität München (TUM), wurde 1953 in Temeswar geboren. Sein aus Siebenbürgen stammender Vater Arthur Michael Konnerth wirkte als Lehrer in Orzydorf, Detta, Deutschstamora und Tschakowa und war zeitweilig auch Schulleiter. Mutter Anna Konnerth, geborene Pinkert, stammt aus Blumenthal. Sie arbeitete zunächst als Hilfslehrerin, später als Kindergärtnerin. Arthur Konnerth besuchte die Schule in Tschakowa und begann nach dem Abitur am Temeswarer Lyzeum Nr. 4 ein Studium der Elektrotechnik. 1974 wanderte die Familie nach Deutschland aus. Ab 1975 studierte Arthur Konnerth Humanmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), promovierte am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München (1983) und habilitierte sich an der TUM (1987). 1982 wurde er Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München, 1984 ging er als Feodor-Lynen-Stipendiat der Humboldt-Stiftung in die USA und forschte an der University of Pennsylvania in Philadelphia sowie am Marine Biological Laboratory in Woods Hole. Ab 1985 war er Wissenschaftlicher Assistent, zunächst wieder am Max-Planck-Institut für Psychiatrie, 1986 bis 1988 dann am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen, wo er 1989 Leiter der Nachwuchsgruppe Zelluläre Neurophysiologie wurde. 1993 folgte er einem Ruf als Professor an das Institut für Physiologie der Universität des Saarlandes, um sechs Jahre später als Ordinarius nach München zu wechseln. Er wirkte zunächst am Institut für Physiologie der TUM, dann am Institut für Zellphysiologie der LMU. 2006 wurde Konnerth auf den Friedrich-Schiedel-Stiftungslehrstuhl der TUM und zum Direktor des damals neugegründeten Instituts für Neurowissenschaften berufen.

Arthur Konnerth hat als Hirnforscher internationales Renommee erworben und – wie TUM-Präsident Prof. Dr. Wolfgang A. Herrmann erklärte – „bei der Entwicklung der TUM zu einem weltweit sichtbaren Zentrum für neurowissenschaftliche Forschung eine Schlüsselrolle gespielt“. Seine Forschungsaktivitäten konzentrieren sich auf die Untersuchung elementarer Prozesse der Hirnfunktion. Mit Hilfe von elektrophysiologischen, bildgebenden und zellbiologischen Methoden untersucht er schwerpunktmäßig synaptische Interaktionen neuronaler Netze, um ein besseres Verständnis einerseits der Grundlagen von Lernen und Gedächtnis und andererseits der Ursachen von Störungen im Gedächtnis, zum Beispiel bei der Alzheimerschen Erkrankung, zu erlangen. Konnerth hat bahnbrechende Studien über die Funktionsweise des Gehirns sowohl im gesunden Zustand als auch bei neurodegenerativen Schädigungen geleitet und durch die Anwendung der Zwei-Photonen-Mikroskopie mehrere grundlegende Entdeckungen gemacht, als deren Folge sich die Gehirnaktivität detailliert beobachten lässt.

Konnerth ist Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, der Academia Europaea und der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Ehrendoktor der Medizinischen Universität Temeswar. Für seine zukunftsweisenden Forschungen erhielt er im Laufe der Jahre eine Reihe von Auszeichnungen und Preisen, u. a.: Wilhelm Feldberg-Preis (1997), Gottfried Wilhelm Leibniz‐Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft und Max Planck‐Forschungspreis (beide 2001), Brooks Lecture, Harvard, USA (2004), Heinz Maier‐Leibnitz‐Medaille der TU München (2006), Advanced Grant des European Research Council (2012), Heller Lecture, Hebrew University Jerusalem (2013), Theodor Bücher‐Medaille der Federation of European Biochemical Societies (2014). Die Landsmannschaft der Banater Schwaben gratulierte Prof. Dr. Arthur Konnerth zu dieser hohen Auszeichnung.

Walter Tonţa

Schlagwörter: Wissenschaftler, Forschung, Preis, Auszeichnung

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