29. Dezember 2016

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Zur Ausstellung Reinhardt Schuster in Berlin

Reinhardt Schuster wurde am 1. September 1936 in Brenndorf geboren, besuchte ein musisches Gymnasium in Bukarest und studierte ab 1958 an der dortigen Kunstakademie. Seit 1983 lebt er in Deutschland. Der bedeutende siebenbürgisch-sächsische Künstler stellte in wichtigen Kulturzentren der Welt aus, z.B. in Bukarest, Rom, London, Tokio, Bern, Düsseldorf, Frankfurt a.M., München, Berlin. 2007 war er mit Ausstellungen in Andernach, als Teil der Europäischen Kulturhauptstädte Luxemburg und Hermannstadt, sowie beim Heimattag der Siebenbürger Sachsen in Dinkelsbühl präsent. Im Folgenden wird über seine Ausstellung berichtet, die aus Anlass seines 80. Geburtstages vom 30. September bis 23. Oktober 2016 in Berlin zu sehen war.
Kommt man im Zentrum Berlins in der schönen Hektorstraße nahe Kurfürstendamm an der Galerie des Vereins Fantom vorbei, blickt einem aus dem Schaufenster die Zeichnung eines Gesichts an, in dem an Stelle der Augen zwei Ohren zu sehen sind – Sehen mit den Ohren, kennt man ja.

Da wird man unwillkürlich neugierig. Und liest man auf dem Plakat zur Ausstellung, übrigens die vierte des Malers in Berlin, das Motto „Auch das noch“, tritt man ein.

Der erste große Raum, in dem ältere Bilder, z.B. „Großes Menetekel“, „9.11.2001“ oder „Strahlendes Material“, aber auch neuere, wie „Wohltemperiertes Tastenbild“, zu sehen sind, erweckt zunächst den Eindruck, dass man diesen Raum nicht besser gestalten könnte, wobei das Tastenbild besonders gut zur Geltung kommt. Reinhardt Schuster, 11.9.2001, Öl auf Leinwand, ...Reinhardt Schuster, 11.9.2001, Öl auf Leinwand, 120 x 80 cm Im zweiten Raum sind vor allem neuere und letzte Bilder und Entwürfe zu sehen, die durch das Motto der Ausstellung besonders angesprochen sind. Da fallen die eher kleineren Arbeiten „Srebre-Nizza“ und „Stacheldrahl Deluxe“ auf. Ersteres, alles andere als witzig, auch durch den Titel nicht, erinnert an das Massaker von Srebreniza während des Balkankrieges und ist vor dem Anschlag in Nizza entstanden, wollte also sagen, während an einer Stelle in Europa gemordet wird, vergnügt man sich sorgenlos nicht allzu weit entfernt am Mittelmeer, eine bittere Erkenntnis, die eindrucksvoll zum Bild geworden ist. Eher skurril-witzig bis bissig: „Stacheldraht Deluxe“, Interpretation nach Wunsch, unüberwindbar bis dekorativ, je nachdem, wer dahinter sitzt. Ein kleines Gouache-Bild, „Pompeji mit restauriertem Vesuv“, mag daran erinnern, dass oft im Leben und in der Politik die verkehrten Entscheidungen getroffen werden, zum Glück nicht immer realisierbar oder mit fatalen Folgen. In der Kunst geht das, man kann auch einen Vulkan restaurieren, ohne dass der irgendwann ausbricht.

Bei einem kleinen Entwurf für ein Aquarell müsste man den Künstler fragen, was er sich dabei gedacht hat, als er seine „Raumstation mit Maleratelier“ gestaltete. Was würde er von dort oben sehen und malen? Vielleicht eine „Terra bella bulla“ (ein weiterer Entwurf), den Erdball als bunte Seifenblase? Reinhardt Schuster: Auseinander, Acryl, 23 x 29 ...Reinhardt Schuster: Auseinander, Acryl, 23 x 29 cm Immer regen die Bilder zum Denken an. Was ist mit dem mittelalterlichen Ritter, der in Stücke zerfällt? „Die Sachen packen“ bleibt nach wie vor aktuell. Fast überdimensional der Entwurf „Wanderungen“, ursprünglich für eine Düsseldorfer Institution konzipiert, findet nun, ausgearbeitet, eine dauernde Bleibe in Berlin.

Ebenfalls in der Galerie zu sehen, noch nicht fertig und nicht Teil der Ausstellung, ist die „Große Pastiorale“, dem Dichter Oskar Pastior gewidmet, wobei man gelegentlich dem Maler bei der Arbeit daran zusehen konnte, was den Besuch der Galerie umso interessanter machte.

Bei der Nennung einiger Titel sollte man sich nun auf keinen Fall eine illustrative Herangehensweise an das jeweilige Thema vorstellen. Zu sehr ist der Künstler auf eine adäquate bildnerische Umsetzung bedacht und die Mittel dazu hat er sich in lebenslangem Umgang damit reichlich erworben. Manchmal kommt es auch vor, dass dem freien „Spiel“ damit auch eine darzustellende Idee entspringt. Dabei sind die Lösungen immer originell; es gibt keine Beliebigkeit, kein Irgendwie oder Irgendwas. Das interessierte Publikum hat dies zu schätzen gewusst.

Felix Nofan, Berlin

Schlagwörter: Reinhardt Schuster, Maler, Brenndorf

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