27. Mai 2018

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Festmusik erstrahlt in voller Klangpracht: Konzert der Siebenbürgischen Kantorei beim Heimattag in Dinkelsbühl

„Na halt dich, jetzt kommt der Dressler, das ist moderne Musik“, warnte ein Zuhörer seine Nachbarin beim Konzert der Siebenbürgischen Kantorei am Samstag, dem 19. Mai 2018, in der St. Paulskirche in Dinkelsbühl. Umso mehr war die Dame positiv überrascht von der klanggewaltigen Chormotette „Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete“ des Hermannstädter Komponisten Franz Xaver Dressler.
Kein einfaches Stück, zugegeben, aber ein überwältigendes, zumal es um die Liebe geht, die „nimmer aufhört“, ja nicht einmal bei der Schwerstarbeit am Donau-Schwarzmeerkanal, wohin der Komponist aufgrund der politischen Verhältnisse 1951 verschickt wurde. „Sie lässt sich nicht erbittern“, schrieb Dressler auf Zementsäcke. Denn es gab kein Schreibzeug am Kanal, kein Papier, keine Tinte. Und doch: Er komponierte in der vielleicht schwersten Zeit seines Lebens ein Stück über die Liebe, die glaubet, hoffet und duldet. Text und Musik ergeben ein bewegendes Ganzes, das tief berührt. Konzert der Siebenbürgischen Kantorei unter der ...Konzert der Siebenbürgischen Kantorei unter der Leitung von Andrea Kulin, vorne die Solisten und der Komponist Heinz Acker, beim Heimattag in Dinkelsbühl. Fotos: Hans-Werner Schuster Keine entspannte Unterhaltung möchte die Siebenbürgische Kantorei bieten in ihren Konzerten, sondern eine Unterhaltung, die fordert, bewegt, überrascht. Die Leiterin der Kantorei, Andrea Kulin, schafft es immer wieder, ungewöhnliche Werke mit siebenbürgischem Bezug zu finden. So war auch die Komposition „Manole“ des in Hermannstadt aufgewachsenen Musikers Cesar Marinovici ein Werk, das überraschte. Marinovici hat die Legende des Meisters Manole, Erbauer von Kloster Argesch (Argeș), musikalisch für gemischten Chor und kleine Orchesterbesetzung verarbeitet. Vom leisesten Flüstern bis zu verzweifelten skandierten Passagen, vom lyrischen Stimmungsbild des Anfangs bis zum anteilnehmenden Klagegesang des Chores im Schlussteil, wird die ganze dynamische und emotionale Skala durchmessen. Die existentielle Not des wahren Künstlers, der das Liebste hergeben muss für das zu erschaffende zeitlos Schöne, sie wird in „Manole“ meisterlich nachgezeichnet. Die Pianistin Laura Marinovici, Frau des bereits verstorbenen Komponisten, hatte den Text ins Deutsche übertragen und übernahm im Konzert auch die Klavierbegleitung. Ingrid Hausl spielte Fagott und Sebastian Hausl das Schlagzeug.

Etwas eingängiger, aber nicht minder wertvoll war Ernst Irtls Vertonung des Gedichtes „Izvorul“ (Die Quelle) von Lucian Blaga. Der siebenbürgisch-sächsische Komponist hat dem Gedicht des siebenbürgischen Rumänen Blaga einen kongenialen Chorsatz zukommen lassen. Wer, wenn nicht die Siebenbürgische Kantorei, sollte ein solches Stück singen?

Pfingstkantate von Heinz Acker uraufgeführt

Und wann, wenn nicht an Pfingsten, sollte man die Pfingstkantate „Komm, Heiliger Geist“ von Heinz Acker zu Gehör bringen, ist sie doch eigens für dieses Ereignis geschrieben und nun auch erstaufgeführt worden. Das Stück für Soli, Chor und Instrumente wurde den Chorsängern und den Solisten förmlich in die Kehle geschrieben, sind doch die Kantorei und Heinz Acker alte Bekannte. Immer wieder beschenkt der aus Hermannstadt stammende Komponist und Musikpädagoge den Chor mit neuen Werken. So konnte die Kantorei schon einige Uraufführungen von Heinz Acker singen. Unter der Leitung des Komponisten ließen die Gesangssolisten Bettina Wallbrecht und Christoph Reich, Lisa und Manuel Konnerth an Querflöte und Trompete, Ingrid und Sebastian Hausl an Fagott und Pauken, Andrea Kulin an der Orgel, und schließlich die Siebenbürgische Kantorei das festliche Stück in voller Klangpracht erstrahlen. Die Siebenbürgische Kantorei begeisterte mit ...Die Siebenbürgische Kantorei begeisterte mit ihrer klangvollen Musik die zahlreichen Zuschauer in der St. Paulskirche. Instrumentalstücke von Georg Friedrich Händel, Johann Sebastian Bach und Ernst Irtl rundeten das Programm ab.

Der begeisterte Applaus der zahlreichen Zuhörer zeigte einmal mehr, dass die Auswahl der Stücke bei allen gewaltigen Unterschieden doch ein harmonisches Konzert ergeben hat, das sicher nachwirkt.

Annette Königes

Schlagwörter: Heimattag 2018, Chor Siebenbürgische Kantorei, Konzert, Heinz Acker

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