10. Juli 2018

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Die Eifel – Hauptauswanderungsgebiet der Siebenbürger Sachsen?

Es ist über Jahrhunderte viel und zumeist auch kontrovers über die Herkunft der Siebenbürger Sachsen geschrieben worden. Nachdem Urkunden, Regesten und sonstige Archivalien wenig Verwertbares hergaben, waren es seit dem 19. Jahrhundert die Linguisten bzw. Germanisten, die sich des historisch kaum lösbaren Enigmas annahmen. Hierbei kam es, vor allem wegen der „Luxemburg-These“ gar zu unwürdigen Polemiken zwischen der Nösner Germanistenschule einerseits und der Marburger dialektgeographischen Schule auf der anderen Seite. Spätestens mit der kategorischen Feststellung zweier deutscher Sprachwissenschaftler von 1992, dass „der Gedanke, die Urheimat der Siebenbürger Sachsen in Luxemburg finden zu wollen, ein Irrweg der Wissenschaft (war)“, ist diese Sache als entschieden zu betrachten.
Bevor in die einzelnen Wissensgebiete eingestiegen wird, soll ganz kurz der Naturraum, um den es sich hier handelt, grob umrissen werden. Die Eifel lässt sich als Viereck mit den Eckpunkten Köln, Aachen, Trier und Koblenz eingrenzen. Aus sachdienlichen Gründen wurden die Landschaften Jülich-Zülpicher Börde, das Maifeld und die „Kölner Bucht“ miteinbezogen.

In den beiden letzten Jahrzehnten hat, als Hilfswissenschaft, die Ortsnamenforschung an Fahrt gewonnen und einige herzeigbare Ergebnisse gebracht. In einigen Publikationen waren zwar auch Fehlschlüsse zu finden, doch grundsätzlich kann an der Übertragung von Orts- bzw. Wüstungsnamen aus den Stammlanden in das siebenbürgische Kolonisationsgebiet nicht gezweifelt werden. Eine wichtige Forderung bei der Beurteilung von Namensparallelen ist die sprachliche Übereinstimmung der jeweils frühesten Belege im betreffenden Zeitraum.

Bei den ausgewählten Namenspaaren werden für den Ausgangsort allenfalls auch die Verbandsgemeinde sowie der Landkreis angegeben.

Orts- und Wüstungsnamen: Alzen – Alzen (Monschau, Kr. Aachen); Bell – sh. ausführliche Beschreibung; Bodendorf – Bodendorf (LKr. Ahrweiler); Braller – Brauweiler (Pulheim, Rhein-Erft-Kr.); Deutschtekes – Tekes (Irresheim, Kr. Düren); Dürrbach – OT v. Lirstal (Kelberg, Lkr. Vulkaneifel); Ensch (b. Jakobsdorf, Nordsbb.) – Ensch (Schweich, Lkr. Trier – Saarburg); Etschdorf (b. S.-Regen, früher villa Arnoldi) – Arnoldsweiler (Düren); Hahnbach – Hannebach (Spessart, Ahrweiler); Hammersdorf – Wüstung Hammersdorf (Nideggen,Düren); Kastenholz – Ober- u. Niederkastenholz (Euskirchen); Kelling – Keldenich (Euskirchen); Kiwern b. Felmern – Kobern – Gondorf (Kr. Mayen-Koblenz); Leblang – Lövenich (Köln); Maldorf – Wü Mahldorf (Rittersdorf, Kr. Bitburg-Prüm); Mergeln – Kloster Marienthal (Dernau, Ahrweiler); Minarken – Rittergut Müllenark (Inden, Düren); Odendorf b. Sächs. Reen – Odendorf (OT v. Swisttal, Rhein-Sieg-Kr.); Reichesdorf – Rißdorf (Mechernich, Eusk.); Reps – Ripsdorf (Blankenheim, Eusk.); Rode – Wü Rodt (Mötsch, Bitburg-Prüm); Klein-/Großscheuern – Kalenborn – Scheuern (Vulkaneifel); Schönau – Schönau (Münstereifel, Eusk.); Stolzenburg (auch Flurname Eyffel (1514))! – Burgruine Stolzenburg (Keldenich, Kr. Eusk.); Thalheim – Wü Dalheim (Löhndorf, Lkr. Ahrweiler); Wallendorf b. Leblang – Waldorf (Blankenheim, Eusk.); Werd – Wü Werth (Münstereifel, Eusk.); Wölz – Welz (Linnich, Düren).

Ein bislang unbekannter, einzigartiger Fall betrifft die kleine Sachsengemeinde Bell im Kaltbachtal. Bell war demnach ein rheinisches Uradelsgeschlecht, dessen Stammhaus in Kerpen a.d. Erft lag. Den Namen soll es dem Frechener Stadtteil Buschbell verdanken. Die Vögte von Bell finden ab dem Jahr1183 in mehreren Urkunden als kölnische Ministeriale Erwähnung. Ein Mitglied dieser Adelsfamilie, Michael von Bell, soll sich Anfang des 13. Jh. als Lokator betätigt und eine Siedlergruppe nach Siebenbürgen geführt haben, wo er die beiden Orte Bell und Michelsdorf gründete. Der rheinische Edelmann begründete damit ­zugleich die „Siebenbürgische Bell-Linie“, deren Vertreter mit dem Grafentitel (später „Gräfen“ genannt) ausgestattet wurden. Einer seiner beiden Söhne musste weichen – er ließ sich in einer Gemeinde an der Großen Kokel nieder und dürfte folglich der Stammvater der vornehmlich im Zwischenkokelgebiet verorteten Bell-Sippen sein. Der bevorzugte Erbe, standesgemäß verheiratet, nahm gleichwohl den ungarischen Namen Bolyai an, unter welchem später die Mathematiker-„Dynastie“ bekannt wurde.

Dialektgeographisch lässt sich das Siebenbürgisch-Sächsische relativ eindeutig in den „Rheinischen Fächer“ einordnen. Es zählt zu den westmitteldeutschen Mundarten und hier wiederum einerseits zum Ripuarischen Dialektraum (durch die Benrather Linie u. die Eifel-Linie begrenzt) und in weit größerem Ausmaß zum Moselfränkischen (zwischen der Eifel-Linie u. der Hunsrück-Linie). Wie ein Blick in den Siebenbürgischen Laut- und Wortatlas zeigt, sind gleichwohl darin u.a. auch Sprachelemente des Ostmitteldeutschen (Thüringisch) und des Niederdeutschen zu finden.

Als ein nicht zu unterschätzender Herkunftsanzeiger hat sich die Numismatik (Münzkunde) herausgestellt. In einer grundlegenden Arbeit aus dem Jahr 1930 wurde die Verbreitung des Kölner Pfennigs im 12. und 13. Jh. untersucht. Diese Währung wird im Freibrief des ungarischen Königs Andreas II. von 1224 ausdrücklich als jene der Ansiedler erwähnt. Nachdem etwa nach 1024 auf dem Alten Markt zu Köln die Münzprägeanstalt gegründet wurde, sollte der denarius coloniensis zu einer der führenden Währungen des Reiches aufsteigen. Dieses Zahlungsmittel erreichte die weiteste Verbreitung um das Jahr 1180. Allein der Aachener Pfennig ist die Münzsorte, die im Untersuchungsgebiet neben dem Kölner Pfennig mehrmals in den Urkunden aufscheint. Außer der Eifel umfasste das Umlaufgebiet des Kölner Pf. auch noch den Westerwald, das Sauerland und Kleingebiete, die z.T. auch als „Urheimat“ der Siebenbürger Sachsen gelten. Nicht dabei ist der Luxemburger Raum. Dort wurde die Kölner Münze erst nach 1310 eingeführt.

Er war der ehrsame „Herr, der Hann“, eine Institution in Südsiebenbürgen, in Landgemeinden der Bürgermeister, auch wenn ihm die Honnschaft, soweit bislang bekannt, abhanden gekommen war. Diese wurde als der „kleinste kommunale Verband, der sich zur Regelung gemeinsamer Nutzungs- und Verwaltungseinrichtungen u. zum Schutze der Feldflur …“ gebildet hatte, definiert. Ihr Ursprung geht auf die altfränkische Hundertschaft zurück. Bei den rheinischen Landgemeinden sind die Honnschaften auch als Nachbarschaften erkannt worden, die außer ihrem genossenschaftlichen Charakter auch als politische Gemeinden agierten und die niedere Gerichtsbarkeit innehatten. Auferlegte Bußen waren in Geld oder Naturalien vorgesehen, im Rhein-Moselgebiet vornehmlich in Form von Wein, der gemeinsam vertrunken wurde. Ein Bezug zu den siebenbürgisch-sächsischen Nachbarschaften ist unverkennbar, zumal deren Vorsteher wechselnd mal als Nachbarhann und dann wiederum als Nachbarvater in Erscheinung tritt. In der Westeifel hieß der Dorfvorsteher Zender, entsprechend gab es die Zendereien (auch Zenteneien genannt). Als einziges siebenbürgisches Namensrelikt dürfte sich der Ortsname Zendersch anbieten. Jedenfalls ist es phonetisch nicht zu erschließen, wie aus dem ungarischen Szenaverös der Name dieser Weinlandgemeinde hätte entstehen sollen.

In der Eifel waren die Honnschaften hauptsächlich in der Kölner Bucht und den nachmaligen Kreisen Euskirchen und Düren anzutreffen. Erst während des 18. Jh. nahmen sie den Charakter von Landgemeinden an, bevor sie dann Anfang des 19. Jh. allmählich durch neue Verwaltungsstrukturen abgelöst wurden. Bezüglich der wichtigen Gemeinschaftsfunktionen der Nachbarschaften notierte B. Markgraf im Jahre 1905, dass diese Institution sich „länger als ein halbes Jahrtausend treu erhalten (hat) bei den Söhnen des Mosellandes im fernen Osten, in Siebenbürgen“. Keine 50 Jahre später sollte der siebenbürgische „Hann“ samt dem „Gelassen Hann“ nurmehr in Geschichtsbüchern vorkommen.

Bei der Haus- und Hofform ist die fränkische Bauweise z.B. im Landkreis Ahrweiler zu finden. Der Grundriss zeigt eine geschlossene rechteckige Anlage, wobei das zwei- oder dreiräumige Wohnhaus nicht mit dem Holz-/Geräteschuppen und den Viehställen unter einem First untergebracht ist. Die Quertennenscheune fällt mit dem Gebiet der geschlossenen Hofanlage zusammen. Nach H. Phleps ist der Ursprung des siebenbürgisch-sächsischen Hauses ungefähr im Moseltal zu suchen, so wie es sich anhand eines Michelsberger Hauses aus dem Jahr 1706 darstellt. Allgemein gibt es jedoch verschiedene Dachkonstruktionen, die zum einen auf den linksrheinischen Raum zwischen Ahr und Mosel hinweisen, andere wiederum weiter nordwärts am Niederrhein zu finden sind. Beim Dachwerk ist hervorzuheben, dass das so genannte Sparrendach von den sächsischen Kolonisten in den Osten übertragen wurde, wo noch das Pfettendach anzutreffen war. Die siebenbürgisch-sächsische Bezeichnung „Kefer“ für den Sparren leitet sich übrigens, wie einige andere Lexeme auch, aus dem Moselromanischen ab. Auch die Ankerbalkenkonstruktion (Spannbalken) eines Dachstuhles, die ja mit dem Sparrendach verbunden ist, war insbesondere im NW Deutschlands im Grenzgebiet zu den Niederlanden verbreitet.

Entwicklungsgeschichtlich gesehen geht der Herdraum des sächsischen Bauernhauses auf das urtümliche Einraumhaus zurück, aus welchem das Zweiraum- oder auch das Dreiraumhaus entstanden. Die so genannte Stube (Stuf), anfänglich relativ klein und als Repräsentations- oder auch nur als Schlafraum dienend, vergrößerte sich im Laufe der Zeit auf Kosten der „Wohnküche“ und „degradierte“ diese zur alleinigen Küchenfunktion. Bemerkenswert dabei war jedoch, dass dieser Herdraum den ursprünglichen Namen „Heus“ (oder „Heos“) vom Einraum-Haus im Südsiebenbürgischen beibehielt, und zum anderen mit „Stuf“ auch das Wohnhaus als Ganzes bezeichnet wurde. Nicht uninteressant ist in diesem Kontext eine 1960 erschienene Untersuchung zum Bauernhaus im Kreise Euskirchen. Dieser umfasst Teile der Zülpicher Börde, der Kalkeifel und der Waldeifel. Hausgeschichtlich ist auch hier der Herdraum auf das Einraumhaus zurückzuführen und wird dieser volkstümlich „Huus“ genannt. Auch kommt in den Giebelhäusern die vorn gelegene Stube vor.

Nachdem er vier Häuser aus dem 18. Jh. in drei Gemeinden des Unteren Burzenlandes (Heldsdorf, Honigberg und Tartlau) aufgenommen hatte, kam der Ethnologe P. Petrescu zu dem Schluss, dass „einige Elemente … unumstößlich beweisen, dass das sächsische bäuerliche Wohnhaus im Unteren Burzenland von dem Wohnhaus der Auswanderungsgebiete an Rhein und Mosel abstammt“. Nicht allein, dass bei diesen 200-jährigen Häusern der Herdraum (noch) meistens geräumiger ist als die „Stuf“, ebenso wie bei vergleichbaren Wohnhäusern des Kr. Euskirchen. Dem Hausforscher ist noch ein Merkmal aufgefallen: In beiden Fällen liegen die zwei Räume nicht in der gleichen Ebene. Bei drei der vier sächsischen Häuser hat der Fußboden des „Heoses“ ein um ca. 80 cm tieferes Niveau als jener der Stube (welche unterkellert ist) – der Übergang geschieht über einige Treppen. Dieselbe Eigenheit weisen die Häuser im Euskirchner Raum auf, die in der zweiten Hälfte des 17. Jh. errichtet wurden.

Auch in der vergleichenden Volkskunde gäbe es, unübersehbar, über nicht wenige Gemeinsamkeiten zwischen der Eifelregion und Siebenbürgen zu berichten. Da wird beispielsweise in der oben erwähnten Gemeinde Ensch a.d. Mosel der Brauch überliefert, dass sich die männliche Dorfjugend zu Pfingsten zum Brunnenreinigen traf und am nächsten Tag von Haus zu Haus Eier „heischen“ ging, die in Form von Rührei gemeinsam verspeist wurden. Ein Volksbrauch, der auch im Sachsenland ziemlich verbreitet war. In Schönecken (Kr. Bitburg-Prüm) war die so genannte Eierlage ein spektakulärer Osterbrauch, ohne dass der Ablauf im Einzelnen geschildert werden soll. Eine Entsprechung fand er bis in die achtziger Jahre im österlichen Eier-Wettlauf von Neppendorf. Bekannt war dieser Brauch in früheren Jahren auch noch in Maldorf, Pruden, Großkopisch und in Keisd.

Dem Mendeltag, wie der Gründonnerstag in früheren Zeiten in der Südeifel hieß, dürften die siebenbürgischen Mendeleier (Ostereier) ihren Namen verdanken. Das Ei hatte schon in heidnischen Zeiten, als Symbol der Fruchtbarkeit, besonders bei Frühlingsfesten, eine ansehnliche Bedeutung. So wurde der eiflerische Maibaum mit einer Kette aus Eierschalen und bunten Bändern ebenso geschmückt wie das sächsische Hochzeitshaus mit Tannenreisig, ausgeblasenen Eiern und farbenfrohem Flitter.

In der Gemeinde Insul (Landkreis Ahrweiler) hat sich der uralte Brauch erhalten, Gemeindenachrichten mittels eines Botenstockes („Gemeindeklöppel“) zu verbreiten. Es war in Siebenbürgen bis zum Massenexodus in einigen Kirchengemeinden ebenso üblich, das meistens herz- oder wappenförmige Nachbarzeichen („Det Bratchen“) herumzuschicken.

Unter den Spinn- u. Webgeräten gab es u.a. auch den so genannten Werfrahmen (auch Kettenrahmen genannt), der in Siebenbürgen jedemWebstuhl „vorgeschaltet“ war. Anhand einer fachspezifischen Untersuchung aus dem Jahr 1930 konnte festgestellt werden, dass diese drehbare Vorrichtung von den sächsischen Kolonisten mitgebracht wurde. Geläufig ist die Bezeichnung „Werfroahm“ desgleichen in der Eifel.

Ein durchaus interessantes Feld tut sich bei den Monastischen Beziehungen zwischen den zu vergleichenden Regionen auf. Wie sich aus einigen Abhandlungen die Auffassung verfestigt hat, ist der Name von Kronstadt/Kronen auf die hl. Corona zurückzuführen, deren Kult besonders in Aachen gepflegt wurde. Südöstlich dieser alten Krönungsstadt gab es eine ganze Reihe von Prämonstratenserklöstern, von denen zumindest drei für einige Erstansiedlungen in Siebenbürgen eine bedeutsame Rolle gespielt haben müssen. Um das Jahr 1200 sollen sich unter der Zinne Prämonstratenser niedergelassen haben, ob als Doppelkloster ist eher unwahrscheinlich, vieles spricht für ein Damenkloster. Im Nahbereich zur nachmaligen Marienkirche („Schwarze Kirche“) befand sich eine Katharinenkapelle ebenso wie ein Katharinenhof (Beginenhof), die als Nebengebäude zur eigentlichen Klosteranlage gelten. Archäologische Ausgrabungen der letzten Jahre sollen genaueren Aufschluss darüber geben.

Das Prämonstratenserinnen-Kloster Wenau liegt etwa 4 km südlich von Langerwehe (Kr. Düren) und wurde vermutlich 1122 als eines der ersten Doppelklöster des „Weißen Ordens“ ins Leben gerufen. Bereits im Jahre 1140 wurde mit der Trennung der Doppelklöster begonnen, wobei die Nonnen nur in die Nähe der Abteien ausgesiedelt wurden, bevor das ­Generalkapitel des Ordens 1188 die größere räumliche Trennung von Mönchs- und Nonnenklöstern beschloss. Gleichwohl blieb der Charakter dieses Monasteriums als Frauenkonvent gewahrt, da der Männerzweig abgesiedelt wurde.

Zwar ist die Klosterkirche von Wenau erst 1804 zur heutigen Pfarrkirche „St. Katharina“ umgewidmet worden, nachdem zwei Jahre zuvor das Kloster aufgelöst worden war, doch scheint diese Heilige nicht zufällig als Schutzpatronin ausgewählt worden zu sein. Mindestens vier Kirchen oder Kapellen im Umkreis von Aachen standen unter ihrem Patrozinium. Das im 12. Jh. gestiftete Präm.-Kloster Reichenstein war bis 1250 ein Doppelkonvent, später verließen es die Chorherren und gingen zu ihren Mitbrüdern nach Steinfeld. Reichenstein war eine ehemalige Burg (Richwinstinne), liegt in Monschau, etwa 30 km südlich von Aachen, und ist bei der Namensherkunft des o.g. Reichesdorf von Belang. Nicht ganz ohne Belang könnten auch die beiden Patrozinien dieses Klosters Bartholomäus und Laurentius sein. Die erste Siedlung, die mit dem Kloster der Inneren Stadt von Kronstadt in Beziehung stand, soll sich in der Umgebung der Bartholomäer Kirche befunden haben. Zum anderen gab es außer der Katharinenkapelle u.a. nachweislich auch eine Laurentiuskapelle.

Nachdem das Kloster Steinfeld (in Kall, Kr. Euskirchen) monastische Bewohner verschiedener Observanzen in seinen Mauern beherbergt hatte, legte Propst Evervin 1142 den Grundstein für die Prämonstratenserabtei. Im selben Jahr wurde Strahov im fernen Prag mit einem Konvent aus Steinfeld besiedelt. In den Anfangsjahren noch eine Doppelabtei, verließen danach mehr und mehr Norbertinerinen Steinfeld und ließen sich in neugegründeten Frauenklöstern, wie etwa Füssenich (Kr. Düren), nieder. Steinfelder Frauen sollen auch bei der Fundation des böhmischen Klosters Doksany mitgewirkt haben.

Beachtenswert ist eine heraldische Auffälligkeit bei zwei Steinfelder Äbten im 18. Jahrhundert. In beiden Fällen zeigt ihr Wappen außer jenem der Abtei zwei Sterne über einer heraldischen Lilie. Zufall oder auch nicht – jedenfalls gibt es damit eine Übereinstimmung mit dem Burzenländer Wappen. Ob auch die Farbgebung des Hintergrundes konkordant ist, konnte freilich nicht ergründet werden.

Propst Evervin war übrigens ein Freund des berühmten hl. Bernard v. Clairvaux und befand sich in seiner Begleitung, als dieser sich vom 10. – 13. Januar 1147 in Köln aufhielt, um zum Zweiten Kreuzzug aufzurufen. Nicht ohne Grund kann man die Abtei Steinfeld füglich als eine Art „regionale Auswanderungsagentur“ jener Zeit betrachten.

Einem Eifeler Historiker zufolge gab es in der Nordeifel schon im 12. Jh. Dutzende Kirchenburgen bzw. Wehrkirchen, die später zu Adelsburgen umgebaut wurden. Er erwähnt namentlich elf aus dem Lkr. Euskirchen und eine aus dem Dürener Landkreis.

Von Pfarrerwahlen durch die Kirchengemeinde (Genossenschaftskirche), wie sie in der siebenbürgisch-sächsischen Volkskirche üblich waren, ist vorwiegend im nordwestdeutschen Raum die Rede. Außer aus dem Sauerland gibt es Belege für diese Art christlicher Basisgemeinden auch aus der Eifel, z.B. in Senheim und Kaimt-Zell (Kr. Cochem-Zell), Engers (Kr. Neuwied), Alken (Kr. Mayen-Koblenz), Schweich (Kr. Trier-Saarburg) und Altenahr (Kr. Ahrweiler).

„Die Ungarn waren aber keine Ungarn, sondern Rheinländer, die im 13. Jahrhundert nach Ungarn ausgewandert waren. Zur Erinnerung hieran besuchten sie alle sieben Jahre ihre alte Heimat.“ So steht es im Dom von Andernach zu lesen bezüglich der PILGER, die sich hier sammelten. Von da zog man vom 13. Mai bis zum 18. Juni in Prozessionsform nach Köln, wo die „Ungarn“ beherbergt und verköstigt wurden. Als Höhepunkt war das Fest der Apostel Peter u. Paul am 29. Juni mit einem feierlichen Gottesdienst vorgesehen, bevor sich die Pilgerschar, zumeist zu Fuß, Richtung Aachen aufmachte. Ins Auge fällt hierbei der hohe religiöse Stellenwert dieser Heiligen mit eigenem Feiertag noch im nachreformatorischen Siebenbürgen.

In Aachen, wo ja die „Ungarische Kapelle“ am Dom von den östlichen Wallfahrern Zeugnis ablegt, zogen es manche Pilger vor, einen Abstecher nach Trier zu unternehmen, um sich danach wieder in Andernach für die Rückreise in die neue Heimat Siebenbürgen bereit zu machen.

Zusammenfassung

Zweck dieses Beitrages war es, in möglichst komprimierter Form einige Ergebnisse der langjährigen Herkunftsforschung zu präsentieren. Ob die gewählte multidisziplinäre Methode neue Wege zur Lösung des Stammheimat-Problems wird eröffnen können, sollte weiteren, tieferschürfenden Arbeiten vorbehalten bleiben. Fest scheint zu stehen, dass man von einem einheitlichen Herkunftsgebiet der Siebenbürger Sachsen nicht sprechen kann.

Walter Schuller

Schlagwörter: Siebenbürger Sachsen, Auswanderung, Herkunft, Geschichte, Linguistik, Heraldik, Numismatik, Ortsnamen, Eifel, Rheinland, Luxemburg, Mosel

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