1. Oktober 2018

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Buchreihe „Über Siebenbürgen“: 6. Band dokumentiert Kirchenburgen im Unterwald

Mit neuen und wieder höchst eindrucksvollen Bildern geht die ambitionierte Buchreihe „Über Siebenbürgen“ des Schiller Verlags in die sechste Folge. Dieses Mal kommen die westlichsten Kirchenburgen Siebenbürgens an die Reihe. Der Band trägt den Titel „Kirchenburgen im Unterwald“ und bietet wieder viele wunderbare Luftaufnahmen von Ovidiu Sopa sowie fabelhafte Innenfotos und kompakt-konzentrierte, dabei aber sehr inhaltsreiche Begleittexte von Anselm Roth.
Auch in diesem Band werden wieder manche Szenen des Verfalls wie auch gelungene Bemühungen um den Erhalt der einzigartigen Kirchenburgenlandschaft Siebenbürgens gleichermaßen deutlich. Wobei die Luftaufnahmen der Kirchenburgen ihre besondere Aussagekraft nicht nur aus dem ganz eigenen ästhetischen Reiz der Luftaufnahmen an sich gewinnen, sondern auch daraus, dass sie unbestechliche Radiographien des Bestehenden vermitteln und auch die Entwicklung im Umfeld der ehrwürdigen Kirchen und Wehranlagen festhalten, von manchem verlotterten Schuppen bis zu manchem Neubau.

Die regionale Bezeichnung „Unterwald“ meint nun nicht selbst den Wald, sondern ist wörtlich zu nehmen als „Unter dem Wald“ oder „Land vor dem Wald“, wie Herausgeber Anselm Roth im Einleitungstext darstellt. Es ist das Gebiet am Nordrand der waldigen Karpaten, das im Osten ungefähr bei Großpold beginnt und im Westen nach Broos reicht. Im Norden greift der Band bis nach Straßburg am Mieresch, das die Herausgeber nach eigener Aussage „mit viel Großzügigkeit“ noch zum Unterwald zählen. Das erlaubt ihnen freilich, in diesem Band auch fantastische Bilder der dortigen Burganlage sächsischen Ursprungs zu zeigen, die heute der reformierten ungarischen Kirche und Minderheit gehört. Eine Kirchenburg, deren einfacher – bis ins 19. ...Eine Kirchenburg, deren einfacher – bis ins 19. Jahrhundert doppelter – Bering zwei Kirchen (links die reformierte, rechts die evangelische) umschließt, gibt es nur in Broos (Orăştie). Foto von Ovidiu Sopa aus dem vom Schiller Verlag herausgegebenen Bildband „Kirchenburgen im Unterwald“, Band 6 der Reihe „Über Siebenbürgen“. Der neue Band versammelt einige ganz besondere Beispiele. So gelten die vier Gemeinden Rumes, Schard, Grabendorf bzw. Krapundorf und Krakau laut Roth nach den urkundlichen Ersterwähnungen als die vermutlich ältesten Ansiedlungen der Deutschen aus dem Moselgebiet und dem Rheinland in der Region – wobei die Gründungszeit der Siedlungen natürlich noch weiter zurückliegen kann. Als weitere Besonderheit markiert Roth, dass die Kirchen in Schard, Krapundorf und Krakau schon seit Jahrhunderten ungarisch sind. Einst von Sachsen errichtet, wechselten sie die Besitzer nach deren Abwanderung.

Der Band zeigt wieder sehr gepflegte, gut restaurierte Kirchen und Kircheninnenräume wie etwa in Großpold, aber auch verfallende Kirchenburgen, an denen der Zahn der Zeit nagt wie in Dobring, dazu echte Ruinen wie in Urwegen oder Burgberg bei Mühlbach. Manche Fotos von Innenräumen lassen eine beachtliche Kunstgestaltung erkennen oder die sehr meditativ-atmosphärische heutige Ausstattung wie etwa in Grabendorf, Krakau und Winz. Es sind ein paar echte Schmuckstücke dokumentiert, so etwa die imposante Burg aus Kelling, eine bis heute respekteinflößende Wehranlage mit sieben Meter hohen und einen Meter breiten Mauern, einem großen Speckturm und einer Kapelle. Oder die gewaltige, wunderschöne und einer Kathedrale ähnliche Kirche von Mühlbach mit ihrer am Objekt sichtbaren, epochenübergreifenden Baugeschichte und dem atemberaubenden Flügelaltar, einem der größten seiner Art. Eine Besonderheit bietet auch Broos. Dort sind innerhalb der Kirchenmauern gleich zwei große Kirchen zu sehen: die ungarische reformierte und die sächsische evangelische Kirche. Das Buch bietet bemerkenswerte Innen- und Außenbilder beider Gotteshäuser. Historisch und optisch außerordentlich spannend und sehenswert ist die Kirchenburg in Straßburg am Mieresch. Diese riesige Anlage mitten im Stadtzentrum mit einer Grundfläche von 3500 Quadratmetern hat einiges Einzigartige aufzuweisen. 1293 ist hier die Ansiedlung der Sachsen belegt, die massive Festung mit heute acht (von früher neun) erhaltenen Türmen entstand im 14. Jahrhundert. Ihr heutiges Aussehen verdankt die großartige Anlage dem 16. und 17. Jahrhundert. Im Inneren der Burg befinden sich zwei Kirchengebäude. Der Band zeigt beide Innenräume. Nachdem sich aber die katholischen Straßburger anders als die übrigen Siebenbürger Sachsen für den Calvinismus entschieden, gingen die Gotteshäuser an die Reformierte Kirche über. Die Sachsen magyarisierten sich laut Roth hier sprachlich und ethnisch, wobei das alte evangelische Pfarrhaus neben dem calvinistischen Pfarramt und Pfarrhaus bis heute dort vorzufinden ist.

Neben den schon erwähnten Kirchenburgen werden noch die Anlagen aus Reußmarkt, Bußd bei Mühlbach, Petersdorf bei Mühlbach und Deutschpien präsentiert. Der neue Band ist wieder sehr gelungen. Die künstlerisch beachtlichen und höchst beeindruckenden Luft- und Innenaufnahmen geben einen sehr guten und präzisen Eindruck von der hier vorgeführten Kirchenburgenlandschaft. Die Bildschnitte sind etwas konventioneller als bei manchem Vorgängerband, was der Darstellung aber sehr gut bekommt. Der Farbdruck ist dieses Mal wieder makellos und kann auch Puristen erfreuen.

Jürgen Henkel




Anselm Roth, Ovidiu Sopa: „Über Siebenbürgen, Band 6: Kirchenburgen im Unterwald“. Schiller Verlag, Hermannstadt/Bonn, 2018, 88 Seiten, 20 Euro, ISBN 978-3-946954-26-2.

Schlagwörter: Buchbesprechung, Kirchenburgen, Unterwald, Anselm Roth

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