2. Juni 2026
Preisverleihungen 2026 in Dinkelsbühl: Exzellentes Engagement in Wissenschaft, für Senioren, Kinder und Jugendliche
„Sonnenblumen“ am Pfingstsonntag in der St. Paulskirche; zusätzlich zur Komposition Kurt Martin Scheiners hörte die Festgemeinde „Ein kleines Lied“ von Rudolf Lassel und „Sara pe deal“ von Vasile Popovici – mit diesen musikalischen Gaben verzauberte die Siebenbürgische Kantorei unter Leitung von Andrea Kulin die diesjährigen Preisverleihungen in Dinkelsbühl. Geehrt wurden in diesem festlichen Rahmen der diesjährigen Preisverleihungen für herausragende wissenschaftliche bzw. soziale, gemeinschaftsfördernde Leistungen: Prof. Dr. Hannah Monyer mit dem Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturpreis, Klaus Waber mit der Carl-Wolff-Medaille und Astrid Göddert mit dem Siebenbürgisch-Sächsischen Jugendpreis.

Faustischer Geist und Grande Dame
Der dotierte Siebenbürgisch-Sächsische Kulturpreis wird seit 1968 von den Verbänden der Siebenbürger Sachsen in Deutschland und Österreich verliehen, in diesem Jahr der Neurowissenschaftlerin Hannah Monyer. „Prof. Dr. Hannah Monyer zählt zu den international renommierten Neurowissenschaftlerinnen unserer Zeit“, heißt es in der Preisurkunde, und weiter: „Sie erforscht die molekularen Mechanismen, die dem Lernen, dem Gedächtnis und der synaptischen Plastizität im Gehirn zugrunde liegen. Für ihre bedeutenden wissenschaftlichen Leistungen hat sie zahlreiche angesehene Auszeichnungen und hochdotierte Forschungspreise erhalten.Siebenbürgen beziehungsweise Rumänien ist sie bis heute eng verbunden. Mit großer Offenheit und spürbarer Verbundenheit vermittelt sie in den Medien ein lebendiges Bild ihres Geburtslandes. Dabei begegnet man ihr als einer Siebenbürger Sächsin, die die multiethnische Prägung dieser Region bewusst wertschätzt und deren kulturelle Vielfalt als Bereicherung empfindet. Sowohl ihre herausragenden wissenschaftlichen Erfolge als auch ihr öffentliches Bekenntnis zu ihrer Herkunft zeichnen sie besonders aus. In Anerkennung ihrer Leistungen wird Prof. Dr. Hannah Monyer der Siebenbürgisch-Sächsische Kulturpreis 2026 verliehen.“
Am Vortag referierte die Kulturpreisträgerin im voll besetzten Konzertsaal im Spitalhof über „Erinnern und Vergessen: Zwei Seiten einer Medaille?“.
Die Laudatio hielt Hofrat Pfr. Volker Petri, der die Preisträgerin einst konfirmiert hat. Eine „wahrhaft berühmte ‚Grande Dame‘“ werde nun von unserer siebenbürgisch-sächsischen Gemeinschaft geehrt. „Wie Meilensteine stehen Preise am Rande ihres Lebensweges“, unterstrich Petri einleitend und zählte selektiv auf: Bundesverdienstkreuz am Bande, Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis, Gay-Lussac-Humboldt-Preis, Philip Morris-Forschungspreis, European Research Council-Preis, Lautenschläger-Forschungspreis. Die siebenbürgisch-sächsische Gemeinschaft sei glücklich, „dich in unserer Mitte zu haben“, überdies wissend, „dass du dich auch bewusst zu uns Siebenbürgerinnen und Siebenbürgern zählst“ und „heute noch in unserem sächsischen Dialekt zuhause“ bist.

In ihrer Forschungstätigkeit sei sie keine Einzelkämpferin, vielmehr stark in der Teamarbeit. Bemerkenswert sei darüber hinaus Monyers starkes kulturelles Interesse an Religion, Mythologie, Literatur und Philosophie, das ihre wissenschaftliche Arbeit bereichernd ergänze. Hinter der „wissenschaftlichen Koryphäe“ verberge sich „eine sensible Frau mit warmem Herzen“. Sie habe zu ihrem geliebten Vater, „dessen Gedächtnis fast ganz ausgelöscht war, einen „weiblich-intuitiven Zugang“ gefunden. Nach dessen Tod nahm sie die „Trauerlast“ mit auf eine herausfordernde Alpenüberquerung, die ihr half, den Schmerz zu meistern.
Die frisch gekürte Siebenbürgisch-Sächsische Kulturpreisträgerin 2026 Prof. Dr. Hannah Monyer umarmte Volker Petri, tief gerührt von dessen Laudatio. Ihre Danksagung galt neben anderen insbesondere denjenigen, die sie für diese Auszeichnung vorgeschlagen haben, und allen daran Beteiligten; ebenso dankte sie der Siebenbürgischen Kantorei, indem sie einen Vers des Dichters Joseph von Eichendorff zitierte: „Schläft ein Lied in allen Dingen/ die da träumen fort und fort,/ und die Welt hebt an zu singen,/ triffst du nur das Zauberwort.“ Analog dazu gehe es darum zu erkennen, „was in den Menschen ist, was in den Dingen ist, […] und das habe ich versucht“, bekräftigte Hannah Monyer.
Das Siebenbürgerheim in Rimsting zukunftsfähig gemacht
Mit der gemeinsam vom Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland und der Carl Wolff Gesellschaft (CWG) vergebenen Carl-Wolff-Medaille werden vorwiegend Politiker, Publizisten, Journalisten und Wirtschaftsexperten geehrt für ihre Verdienste in Bereichen, in denen Dr. Carl Wolff gewirkt hat. In diesem Jahr erhält die Auszeichnung Klaus Waber, der Vorsitzende des Hilfsvereins der Siebenbürger Sachsen „Stephan Ludwig Roth“ e.V., Gesellschafter der Siebenbürgerheim-Rimsting gGmbH, die das Siebenbürger Alten- und Pflegeheim in Rimsting betreibt. Als langjähriger Vorstandsvorsitzender (2004-2024) „hat Klaus Waber für das Siebenbürgerheim Rimsting und seine Bewohner Großes geleistet. Insbesondere seinem unermüdlichen Engagement ist es zu verdanken, dass das seit 1953 bestehende Heim seinen siebenbürgischen Charakter bis zum heutigen Tag bewahrt hat und die Heimkosten so stabil als möglich bleiben konnten.“ (Urkundentext)RA Harald Speil trat ans Rednerpult. Der Laudator betonte angesichts der Tatsache, dass er in den letzten Jahren mit dem Preisträger zusammengearbeitet habe, die „große Ehre“, die Laudatio zu halten.
Klaus Waber kam 1944 in Kronstadt zur Welt. Nach dem Abitur am Şaguna-Gymnasium studierte er Holzverarbeitung am Polytechnikum in Kronstadt und arbeitete in Klausenburg und Weidenbach, ehe er 1975 in die Bundesrepublik aussiedelte. In München war er für einen führenden Nutzfahrzeuge-Hersteller bis zur Rente im Jahr 2009 berufstätig, zuletzt als Hauptabteilungsleiter Technische Freigabe. Seine 1979 nach Deutschland ausgesiedelte Mutter fand mit ihrem Mann ein neues Zuhause im Siebenbürgerheim Rimsting. Infolgedessen entwickelte sich, so Speil, bei Waber „zunehmend eine starke Bindung zu dem Heim“. Seit 2002 engagierte er sich im Vorstand, im Juni 2004 wurde er von den Vereinsmitgliedern zum Vorsitzenden des Vorstands des Hilfsvereins der Siebenbürger Sachsen „Stephan Ludwig Roth“ e.V. gewählt und dieses Amt übte er 20 Jahre lang aus: „Die positive Entwicklung des Hauses in dieser Zeit trägt die Handschrift von Klaus Waber“, unterstrich der Laudator und fügte hinzu: „Mit Verantwortungsbewusstsein, Weitsicht und einem tiefen menschlichen Verständnis für die Bedürfnisse älterer Menschen hat er seine Aufgabe erfolgreich gemeistert.“
Heutigen Besuchern des idyllisch am Chiemsee gelegenen Heims eröffne sich folgende Wahrnehmung: „In den Gemeinschaftsräumen und in den Gängen hängen Bilder und Wandteppiche mit Motiven aus der Heimat.“ Ins Auge fielen auch die „Zufriedenheit der Bewohnerinnen und Bewohner“ und die „Freundlichkeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“. Zum Teil werde sächsisch gesprochen, werden sächsische Gerichte serviert. Jeden Sommer wird das Garten-Sommerfest u. a. mit der Jugendtanzgruppe Rosenheim veranstaltet, mit Musik und sächsischen Spezialitäten. Ein Bootshaus mit direktem Zugang zum Chiemsee ausschließlich für die Heimbewohner und Gäste rundeten das „Wohlfühlangebot“ ab, so Speil.
Der Laudator gab einen kurzen Abriss der vielfältigen Aufgaben des Vorstands. Waber hat zusammen mit seinen Vorstandskollegen ein „kleines mittleres Unternehmen“ mit rund 100 Heimbewohnern und etwa 80 Mitarbeitern geführt. Um das Heim zukunftsfähig und attraktiv zu halten und den behördlichen Vorgaben zu genügen, waren viele Baumaßnahmen vorzunehmen, darunter der Ausbau und die Aufstockung der Fläche im Pflegebereich, die Modernisierung der Zimmer im Rüstigen- und Pflegebereich, dazu die Instandhaltung und Gestaltung der Außenanlagen. All diese Maßnahmen habe Klaus Waber „persönlich begleitet“. Die schwierige Personalakquise bleibt indessen ein Dauerthema.
Darüber hinaus hat er sich frühzeitig auf umweltfreundliche Energien fokussiert. Die Inbetriebnahme der Photovoltaikanlage des Heimes und des hauseigenen Blockheizkraftwerks haben zur effektiven Kostensenkung im Energiebereich beigetragen.
Das Heim, das seit 2004 auch Nicht-Siebenbürgern offensteht, sei in Rimsting und der unmittelbaren Region „anerkannt und gesellschaftlich integriert“, auch das resultiert aus Wabers verdienstvoller Tätigkeit. Um zu gewährleisten, dass das Siebenbürgerheim auch künftig finanziell solide aufgestellt bleibt, wurde 2023 die „Siebenbürgenheim-Rimsting gGmbH“ gegründet; ihr wurde der gesamte operative Betrieb des Senioren- und Pflegeheimes übertragen. Eine „Entscheidung von großer Tragweite“, hob der Laudator hervor und stellte anerkennend fest: „Lieber Klaus, die Erfolge der letzten 20 Jahre verdanken wir speziell dir, deinen Vorstandskolleginnen und -kollegen“.

Jugendpreisträgerin steht für Beständigkeit, Verlässlichkeit und gelebte Gemeinschaft
Der Siebenbürgisch-Sächsische Jugendpreis wird gemeinsam verliehen von der Siebenbürgisch-Sächsischen Jugend in Deutschland (SJD) und dem Deutschen Jugendverein Siebenbürgen (DJVS). Die Würdigung für die Jugendpreisträgerin 2026 übernahm Ines Wenzel, Vorsitzende der Kreisgruppe Heilbronn und Co-Moderatorin des Trachtenumzuges beim Heimattag in Dinkelsbühl. Einleitend sagte sie: „Wenn man sein Herz und seine Seele restlos für das Sächsische öffnet, wenn man jahrzehntelang dabeibleibt, wenn das Tanzen nicht nur Leidenschaft, sondern Berufung wird, wenn das Gründen, Begleiten und Fördern von Kinder- und Jugendtanzgruppen zur Lebensaufgabe heranwächst und wenn schließlich sogar die SJD aufmerksam wird und sagt: ‚Diese Person verdient den Jugendpreis‘, dann sprechen wir heute von unserer diesjährigen Preisträgerin Astrid Göddert.“
Als 1990 eine Volkstanzgruppe in Biberach gegründet wurde, tanzten Astrid und ihr späterer Mann Günther dort mit großer Leidenschaft. 1995 gründete sie die erste Kindertanzgruppe in Biberach, die sich zur heutigen Jugendtanzgruppe entwickelte. Nach der Geburt des Sohnes Fabian rief sie die heutige Kindertanzgruppe ins Leben. 2000 wurde ihre Tochter Anna-Lena geboren.
Wie die Laudatorin weiter ausführte, fand das Gründen seine Fortsetzung in der 2012 gebildeten Tanzgruppe „Jung & Alt“ in Biberach. Gemeinsam mit Werner Kloss gründete sie 2022 die Projektgruppe Haferland. Astrid Göddert engagierte sich zudem im Landesvorstand Baden-Württemberg und seit 2019 auch im Heimattagausschuss. Nicht zuletzt organisiert die Preisträgerin jährlich ein Tanzseminar im Deutschen Forum in Hermannstadt, aus dem inzwischen eine Lehrerinnentanzgruppe hervorgegangen ist.
Ines Wenzel hielt bilanzierend fest: „Astrid Göddert steht seit Jahrzehnten für etwas, das in unserer heutigen Zeit immer wertvoller wird: für Beständigkeit, Verlässlichkeit und gelebte Gemeinschaft. […] entscheidend ist die Art, wie sie all das tut: mit Energie, Herzlichkeit, Organisationstalent und vor allem mit Herz.“
Glücklich über die zuteil gewordene Auszeichnung betonte Astrid Göddert in ihrer Danksagung: Ich freue mich sehr darüber, dass mein Engagement gesehen und gewürdigt wird. Gleichzeitig sehe ich es nicht nur als persönliche Anerkennung, sondern auch als Dank an alle, die mich unterstützt, begleitet und mir immer wieder den Rücken gestärkt haben – vor allem meine eigene Familie.“ Dieser Preis motiviere sie, „mich weiterhin mit Freude für unsere Jugend einzusetzen und meinen Weg konsequent weiterzugehen.“
Anerkennender Applaus, der allen an diesem Nachmittag geehrten Landsleuten galt, erfüllte die St. Paulkirche zum Abschluss der feierlichen Veranstaltung.
Christian Schoger
Schlagwörter: Heimattag 2026, Preisverleihungen, Monyer, Waber, Göddert
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