29. Mai 2006

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Neue Entwicklungen beim Siebenbürgischen Museum

Zweimal im Laufe dieses Monats - am 6. und 20. Mai - tagten in Gundelsheim am Neckar die Gremien, die sich einerseits beratend und richtungweisend, andrerseits fördernd und unterstützend dem Wohlergehen des Siebenbürgischen Museums verschrieben haben. Die kurze zeitliche Aufeinanderfolge der Vorstandssitzungen des Trägervereins und des noch relativ jungen Fördervereins des Museums hat deutlich erkennen lassen, wie konvergent die Intentionen dieser beiden Vereine in den allgemeinen, fachlich-wissenschaftlichen Zielsetzungen eines regionalspezifischen, kulturhistorischen Museums wie das Siebenbürgische wieder zu finden sind.
Entgegen dem sich hartnäckig haltenden Bild von Museen als Orten mit geringem Novellierungspotenzial, entwickelte sich das Siebenbürgische Museum in den letzten zwei bis drei Jahren in Richtung einer zunehmenden Aufnahmefähigkeit, wenn es um die Wahrnehmung neuer kultureller Entwicklungen und Befindlichkeiten geht. Stark benachteiligt durch das Wegfallen eines eigenen Sonderausstellungsraums infolge des Umzugs aus dem Haus Heilbronner Straße, stellt sich das Museum dieser neuen Herausforderung in zweifacher Weise: Die Auslagerung seiner Ausstellungen in andere Museen und Galerien sowie die intensivere Beteiligung mit eigenen Exponaten an teilweise großen thematischen Ausstellungen anderer Museen helfen dem Siebenbürgischen Museum seine Präsenz auszubauen, oft auch außerhalb seines regionalspezifischen Rahmens. Größtenteils mit Exponaten aus dem Beständen des Siebenbürgischen Museums entstanden auf diese Weise wichtige Ausstellungsprojekte wie "Zerbrechliche Heiligenwelten. Hinterglasikonen aus Siebenbürgen" (in Zusammenarbeit mit der Galerie der Stadt Kornwestheim und dem "Astra"-Museum Hermannstadt) oder "Malerei der Klassischen Moderne aus Siebenbürgen" (in Kooperation mit dem Stadtmuseum Freiberg/Sachsen, auch mit Leihgaben aus deutschen Privatsammlungen). Ein Novum in der Geschichte des Gundelsheimer Museums sind auch grenzüberschreitende Ausstellungen, die wesentlich zum Erscheinungsprofil des Siebenbürgischen Museums beitragen. Den Anfang machte hier das große deutsch-französische Projekt der Henri Nouveau/Henrik Neugeboren-Gemälderetrospektive, die in mehreren Museen der beiden Länder gezeigt wurde, bevor sie letztendlich in der Städtischen Galerie Kornwestheim in ihrer vollkommendsten ausstellungsgestalterischen Form zu Ende ging. Eine besonders interessante Erfahrung war auch eine kunstdokumentarische Ausstellung von Aquarellen der Malerin Juliana Fabritius-Dancu im Kreismuseum Bistritz, die sich auf lokaler Ebene als überdurchschnittlich wirksames Publikumsmagnet erwies.

Zurzeit steht das Siebenbürgische Museum vor einer neuen, reizvollen Aufgabe: Die Einrichtung eines neuen Sonderausstellungsraums soll mit finanzieller Unterstützung der Bundesregierung noch im Laufe des Sommers 2006 beginnen. Dem groszügigen Entgegenkommen des "Johannes-Honterus-Hilfsvereins", dem Eigentümer des Schlosses Horneck, ist es zu verdanken, dass zwei ehemalige Wohnungen im oberen Bereich der Dauerausstellung des Museums umgebaut und zu diesem Zweck eingerichtet werden dürfen. Ein Stück Normalität kehrt somit zurück und lässt es wieder zu, zum Teil schon geplante Sonder- und Wechselausstellungen auch im Rahmen des Museums zu organisieren. Wobei sicherlich auch die mittlerweile gewonnene Erfahrung mit größeren Projekten einem wichtigen Teil der Museumsaktivitäten zugrunde legen wird. In diesem Sinne steht gegenwärtig ein großes Ausstellungsprojekt kurz vor dem Abschluss: die weiterführende Wiederaufnahme der Präsentation siebenbürgischer Malerei der Moderne. Das Endprodukt erneuter Zusammenarbeit mit den Museen der Stadt Kornwestheim sowie mit mehreren Privatsammlern aus Deutschland, Ungarn und Rumänien wird am 17. Juni 2006 in der Galerie im Kleihues-Bau in Kornwestheim eröffnet.

Dabei sollen und dürfen die traditionellen Aufgaben des Sammelns, Bewahrens und Erforschens nicht in den Hintergrund treten. Nach wie vor bemüht sich das Museum, seine Sammlungen sinnvoll und möglichst gezielt zu ergänzen. Eine wichtige Stellung nehmen dabei die Schenkungen meist siebenbürgischer Landsleute ein: Fast 80 Prozent der Neuzugänge des Jahres 2005 bestehen aus Schenkungen - vor allem Trachten und Heimtextilien, aber auch Kunst, Zinn, Keramik sowie vereinsgeschichtlich und ethnologische relevante Objekte.

Kunst, Kunsthandwerk und Trachtenteile bilden darüber hinaus auch den Großteil besonders wertvoller Ankäufe, wie z.B. neuerdings ein teilweise vergoldeter und gravierter Silberbecher aus Siebenbürgen (datierbar Ende des 17. Jahrhunderts) sowie ein Konvolut von Gemälden wichtiger siebenbürgischer Maler: Theodor B. Sockl, Clara Sockl-Soterius von Sachsenheim und Arthur Coulin.

Ein grundlegendes Anliegen der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter des Museums ist auch die Überarbeitung und teilweise Umgestaltung der Dauerausstellung auf Schloss Horneck. Nach dem Raum "Kindheit und Schule" wird zur Zeit der Bereich "Leben in der Gesellschaft" umgestaltet. Der Schwerpunkt des Raums liegt nunmehr in der tiefgehenden Erläuterung der Funktion und Relevanz siebenbürgisch-sächsischer Nachbarschaften, Bruder- und Schwesterschaften.

Für viele seiner wichtigen Vorhaben wird das Museum in Zukunft auch auf die Hilfe seines Fördervereins zurückgreifen dürfen. Die vor wenigen Tagen stattgefundene Vorstandssitzung legte nun den Grundstein dieser neuen Beziehung. Der Vorsitzende des Fördervereins des Siebenbürgischen Museums Gundelsheim, Dr. Bernhard Lasotta, registrierte dabei mit Genugtuung, dass es nach der außerordentlichen Mitgliederversammlung im Januar nun gelungen sei, eine ordnungsgemäße Satzung zu beschließen und den Verein beim Amtsgericht einzutragen. "Damit können wir unserer Aufgabe gerecht werden, die zahlreichen Tätigkeiten des Siebenbürgischen Museums zu fördern. Wir unterstützen die wichtige Kulturarbeit des Museums darüber hinaus bei Veranstaltungen und dem geplanten Umbau des Gundelsheimer Museums", erklärte Lasotta. Hierzu sei man auf Mitgliederbeiträge und Spenden angewiesen, für die auch entsprechende Bescheinigungen ausgestellt werden könnten. In diesem Jahr werde man einen Schwerpunkt auf die Herausgabe des Jahrbuchs des Museums und die finanzielle Unterstützung des Gundelsheimer "Kulturpfades" legen, der die wichtigsten, historisch relevanten Punkte des alten Stadtkerns auch im Bezug auf die Präsenz der Siebenbürger Sachsen verbindet und somit das Museum in die Stadt hinein öffnet und auch die siebenbürgisch-sächsische Geschichte in Gundelsheim wach hält.

Marius J. Tataru

(gedruckte Ausgabe: Siebenbürgische Zeitung, Folge 9 vom 31. Mai 2006, Seite 1 und 5)

Spenden werden an die neue Bankverbindung erbeten: Verein zur Förderung des Siebenbürgischen Museums e.V., Kontonummer 2697734, Baden-Württembergische Bank Stuttgart, Bankleitzahl 600 501 01.

Schlagwörter: Verbandspolitik, Siebenbürgisches Museum, Schloss Horneck

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