2. Juli 2006

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Ein bedeutender Komponist mit siebenbürgischen Wurzeln

In diesem Jahr wird des 140. Geburts- und 75. Todesjahrs des Komponisten Waldemar von Baußnern gedacht. Der Förderverein Kammerorchester Pro Musica Darmstadt und der Bach-Chor Darmstadt richten gemeinsam mit der Baußnern-Gesellschaft e.V. ein Baußnern-Festkonzert am Donnerstag, dem 6. Juli 2006, 19.30 Uhr, in der Orangerie Darmstadt unter der Leitung von Horst Gehann aus.
Baußnern, geboren am 29. November 1866 in Berlin, gestorben am 20. August 1931 in Potsdam, entstammt einer siebenbürgischen Adelsfamilie. Er verbrachte seine Jugend in Siebenbürgen. Nach Studien in Berlin bekleidete er unterschiedliche Funktionen in verschiedenen Städten Deutschlands, etwa als Leiter der großherzoglichen Musikschule in Weimar und des Dr. Hoch’schen Konservatoriums in Frankfurt am Main. Als überaus fruchtbarer Komponist schrieb Baußnern Werke in fast allen Gattungen, u.a. acht Sinfonien, eine Kammersinfonie für Orgel und zehn Solostreicher, Passacaglia und Fuge sowie weitere Werke für Orchester, fünf Opern, Kammermusik für verschiedene Besetzungen, Klavier-, Orgel- und Chorwerke, Lieder, Kantaten und oratorische Werke, aber auch Volksliedbearbeitungen. Dazu setzte er sich für den Nachlass von Peter Cornelius besonders ein, ergänzte und vollendete dessen Oper „Gunlöd“ und erstellte die Klavierauszüge für die Opern „Der Barbier von Bagdad“ und „Cid“.

Waldemar von Baußnern. Fotografie um 1887, Baußnern-Archiv, Kludenbach
Waldemar von Baußnern. Fotografie um 1887, Baußnern-Archiv, Kludenbach
Baußnerns Kompositionen wurden von den bedeutendsten Interpreten und Ensembles uraufgeführt. Da er, wie übrigens auch andere Zeitgenossen (u.a. Reger, Mahler, Pfitzner, Sibelius oder Richard Strauss), die Entwicklung zur Atonalität ablehnte, und dazu auch etwas unbeholfen in seinen Kontakten war, geriet er zu Unrecht in Vergessenheit. Die von seinem Enkel, dem Komponisten Dietrich von Bausznern ins Leben gerufene Baußnern-Gesellschaft e.V., deren Geschäftsstelle sich heute in Roßdorf bei einem Urenkel des Komponisten befindet, und das Baußnern-Archiv in Kludenbach, haben sich zum Ziel gesetzt dazu beizutragen, das Werk Waldemar von Baußnerns dem heutigen Musikleben wieder zuzuführen.

Erfreulicherweise konnte eine Reihe von vergriffenen Kompositionen in Neuauflagen wieder zugänglich gemacht werden. Eine Monographie der Potsdamer Musikwissenschaftlerin Vera Grützner sowie ein zweibändiges musikgeschichtliches Werk von Karl Teutsch in Zusammenarbeit mit der Hermannstädter Archivarin Monica Vlaicu stellen Biographie, Briefe, Berichte und Bilder aus Leben und Schaffen des Komponisten vor, wobei besonders der Bezug zu Siebenbürgen deutlich wird.

Es ist natürlich im Rahmen des vorgesehenen Konzerts nicht möglich, alle Aspekte des vielseitigen Schaffens zu beleuchten, liegt der Schwerpunkt doch vor allem in den großen Formen der Symphonik, der Oper und des Oratoriums. Doch zeigen die vorgestellten Kompositionen die hohe Meisterschaft des Tonschöpfers, der einen gewichtigen Platz im heutigen Musikleben verdient.

Sechs Choral-Inventionen für zwei Violinen und Violoncello (z.T. mit Orgel) sind ein Beispiel dafür, dass der Komponist – wie auch J. S. Bach – anspruchsvolle Werke mit pädagogischem Hintergrund schaffen konnte. Er bestimmte sie „für Kirche, Schule und Haus“. Das Choralwerk für Chor ist ein Pendant zu der Sammlung von 26 kunstvollen Orgel-Choralvorspielen. Drei Lieder aus dem „Italienischen Liederbuch“ von Paul Heyse geben Zeugnis von der hohen Vertonungskunst in den weit über hundert Liedern, wobei Baußnern bei all seinen Vertonungen ein gutes Gespür für wertvolle Textvorlagen beweist. Die brillant geschriebene Suite für Flöte und Klavier, die den Interpreten einiges abverlangt, gibt Zeugnis vom hohen Stand seiner Instrumentalmusik. Zu dieser Sparte gehören auch drei Stücke für Violine und Klavier sowie das musikantische Trio „O bellissima Italia“, in dem er – wie auch in den drei Liedern – italienisches Kolorit aufleuchten lässt. Eine ganz andere Seite seines Schaffens stellen volkstümliche Lieder zur Laute und Volksliedbearbeitungen für Singstimmen mit und ohne Instrumente dar, zu denen ihm seine in der Jugend-Singbewegung engagierten Kinder Anregung, boten. Vor allem durch die „Jenaer Liederblätter“ leistete Baußnern einen wichtigen Beitrag zur Pflege des Volksliedguts.

Informationen über das Festkonzert oder Veröffentlichungen von und über Baußnern können beim Vorsitzenden der Baußnern Gesellschaft e.V., Horst Gehann, Telefon: (0 67 63) 21 95, abgefragt werden.

H. G.


Schlagwörter: Musik, Porträt, Konzert

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