14. September 2006

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Eduard Morres: Maler von europäischem Format

Vor kurzem hat die Zeidner Nachbarschaft in ihrer Schriftenreihe "Zeidner Denkwürdigkeiten" als Band 11 den neuen Bildband "Eduard Morres. Ein siebenbürgischer Künstler (1884-1980)" beim Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde e.V., Heidelberg, verlegt. Als Autorin dieser reich illustrierten Monographie zeichnet die bekannte, aus Hermannstadt stammende Volkskundlerin, Kunsthistorikerin und -kritikerin Brigitte Stephani.
Nach langjährigen Recherchen hat die Autorin somit den Wunsch der Zeidner, "ihren" Maler mit einer Monographie zu würdigen, erfüllt. Mit viel Sachverständnis und Einfühlungsvermögen hat Brigitte Stephani Leben und Werk des vielseitigen, in Kronstadt geborenen Künstlers Eduard Morres untersucht und somit über den Maler, Graphiker, Zeichner und Verfasser zahlreicher kunstgeschichtlicher Aufsätze ein interessantes Buch vorgelegt.

Eduard Morres, Selbstbildnis, Kohlezeichnung, 1968.
Eduard Morres, Selbstbildnis, Kohlezeichnung, 1968.
Dieser erste kunstgeschichtliche Bildband in der Reihe "Zeidner Denkwürdigkeiten" ist dazu bestimmt, Eduard Morres' "Wirken und Werke vor dem Vergessen zu bewahren", so Udo Buhn, Vorsitzender der Zeidner Nachbbarschaft, im Geleitwort. Diesem Anliegen ist die Autorin gerecht geworden, indem sie nicht nur einen Künstler, sondern auch eine ganze Epoche siebenbürgischen Kunstschaffens ins zentrale Interesse rückt.

Dabei ist besonders hervorzuheben, dass Brigitte Stephani Eduard Morres in seiner beeindruckenden Komplexität dargestellt hat und sich nicht scheute, neben viel Positivem auch die zeitbedingten Kompromisse aufzuzeigen, die der freischaffende Künstler im Laufe einer über sieben Jahrzehnte umfassenden Karriere machen musste (oder manchmal auch gewillt war, sie zu machen). Die Autorin beweist dabei viel Takt und Feingefühl, von der Erkenntnis ausgehend, dass das Denken und Handeln eines Künstlers und Menschen immer im großen historischen Kontext gesehen und verstanden werden muss. Auch lässt sie Eduard Morres wiederholt selbst zu Wort kommen und baut Zitate aus seinen zahlreichen Tagebüchern, Briefen und anderen Handschriften geschickt in den Text ein. Diese oft spontan wirkenden Gedanken und Aufzeichnungen Morres' über Kunstschaffen und Kunstrichtungen, über Künstler, Zeitgenossen und seine Lehrer verleihen dem Buch Authentizität und Glaubwürdigkeit.


Der Vater des Künstlers, Eduard Otto Morres, wurde 1884 in Kronstadt in einer traditionsbewussten und gebildeten sächsischen Familie geboren. Er hatte in Leipzig, Heidelberg, Breslau, Berlin und Weimar studiert und wurde ein führender Pädagoge des Kronstädter deutschen Schulwesens. Als solcher veröffentlichte er auch eine Reihe erziehungswissenschaftlicher und kulturgeschichtlicher Abhandlungen.

Eduard Morres' Mutter, Josefine, geb. Hintz, hatte künstlerisch begabte Vorfahren. Auch von ihnen wird im Buch berichtet. Die ersten Anleitungen im Zeichnen und Malen erhielt der spätere Künstler von seinem Zeichenlehrer Ernst Kühlbrandt, der in zahlreichen begabten Schülern die Liebe zur bildenden Kunst geweckt hatte. Nach dem Abitur (1903) begann Morres sein Studium an der Zeichenlehrerakademie in Budapest, fühlte sich hier jedoch in der Entfaltung seiner Begabung eingeengt und verspürte auch keine Neigung für den Lehrerberuf.

So verließ er die ungarische Metropole und studierte zwischen 1904 und 1906 an der Kunsthochschule in Weimar und danach an der Akademie für Bildende Künste in München (bis 1908). Nach dem Militärdienst war er ab 1909 als freischaffender Künstler tätig. Ein Aufenthalt in Paris (1909/1910) wurde für den Siebenbürger zum prägenden Erlebnis.

Von Januar bis Juli 1913 unternahm er eine Studienreise nach Italien (Rom, Fiesole, Siena, Perugia, Assisi, Venedig) und nutzte die Zeit, um auch hier viel zu malen. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs und die drei Jahre (1914-1917), die er an der Front verbrachte, waren ein gewaltiger Einschnitt in Morres' Leben; sie haben jedoch keine Spuren in seinem künstlerischen Oeuvre hinterlassen. Während der Zwischenkriegszeit hat Morres mehrere Reisen nach Deutschland und Österreich unternommen, wie das z. B. 1928 der Fall war, als er "auf den Spuren der Gotik" wandelte.

Wieder in der Heimat, unternahm er zahlreiche Ausflüge in die Burzenländer Berge. Aufenthalte in einigen sächsischen Dörfern lieferten ihm Modelle für seine Gemälde und graphischen Arbeiten. Morres hat aus wirtschaftlichen Gründen mehrmals seinen Wohnsitz wechseln müssen. So wurde er 1932 zeitweilig Verwalter der Papierfabrik Busteni und wohnte im Bratei-Tal, wonach 1942 der Umzug der Familie nach Zeiden erfolgte. Dort verbrachte er dann die restlichen, vielseitig kreativen Jahre bis zu seinem Lebensende.

Als Zeichen des Dankes für seine Zeidner Mitbürger gründete er 1975 die Eduard-Morres-Stiftung und schenkte der evangelischen Gemeinde 41 seiner besten Gemälde. Diese großzügige Geste und sein langjähriges soziales Engagement in seiner "Wahlheimat" haben ihm die Wertschätzung der Zeidner Bürger eingebracht, die nun mit dem hier besprochenen Bildband an ihn als Künstler und Mensch erinnern wollen.

Obzwar seine Ausbildung zu einem Zeitpunkt erfolgte, als die europäische Kunst tiefgreifende Veränderungen erfuhr, als der Übergang von der figuralen zur gegenstandslosen Darstellungsweise vollzogen wurde und zahlreiche Kunstströmungen einander in rascher Abfolge ablösten, ist er konsequent seinen eigenen Weg gegangen. Selbstverständlich konnte er sich nicht allen "modernen" Einflüssen entziehen, eine Tatsache, die in vielen Werken zu erkennen ist. Zeit seines Lebens hat Morres realistische Bilder geschaffen, deren Motive er dem heimatlichen "Universum", insbesondere dem ländlichen Siebenbürgen, entnahm. Dazu verwendete er eine subtile, elegante und nuancenreiche Farbpalette wie die der französischen Impressionisten, von deren Pleinairmalerei er einst wichtige Impulse erhalten hatte.

Brigitte Stephani ist es vortrefflich gelungen, in einer modernen und angenehm lesbaren Sprache, die künstlerische Biographie von Eduard Morres in den breiten europäischen Kontext zu stellen und den Leser davon zu überzeugen, dass dieser Maler nicht nur ein Meilenstein des siebenbürgischen Kunstgeschehens war, sondern auch ein europäisches Format hatte.

Das Buch ist in sieben Kapitel gegliedert und vom Inhalt her sehr übersichtlich. Es werden nicht nur die wichtigsten Momente der europäischen bildenden Kunst der letzten 150 Jahre erwähnt, sondern auch bedeutende - mehr oder weniger bekannte - Fakten und Momente der modernen siebenbürgischen Geschichte und Kunstgeschichte ins Auge gefasst, wie z.B. die Entstehung des Siebenbürgischen Künstlerarchivs, das Wirken der "Kulturkammer", die Bedeutung der Avantgarde in Siebenbürgen u.a.

Der reichhaltige Bildband von Brigitte Stephani: Eduard Morres. Ein siebenbürgischer Künstler (1884-1980), herausgegeben von der Zeidner Nachbarschaft, verlegt in Kommission beim Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde e. V. Heidelberg, 2006, 216 Seiten, 113 Abbildungen, Buchhandelspreis: 35 Euro (für Mitglieder des Landeskundevereins und der Zeidner Nachbarschaft ermäßigt 22 Euro), ISBN 3-929848-57-0, kann bestellt werden bei Rüdiger Zell, Storchenweg 1, 89257 Illertisen, Telefon: (0 73 03) 90 06 47, E-Mail: ruedigerzell@web.de.

Gudrun-Liane Ittu

(gedruckte Ausgabe: Siebenbürgische Zeitung, Folge 14 vom 15. September 2006, Seite 9)
Brigitte Stephani
Eduard Morres: Ein siebenbürgischer Künstler (1884-1980) (Zeidner Denkwürdigkeiten)

Arbeitskreis f. Siebenbürgische Landeskde
Gebundene Ausgabe
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Schlagwörter: Rezension, Malerei, Zeiden, Burzenland

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