26. Februar 2007

Grußformeln der Siebenbürger Sachsen: "Sätzt er, sätzt er?!"

Grußformeln sind Redewendungen und interessieren sowohl Linguisten als auch Mundartforscher. Grüße bringen soziale Kontakte zum Ausdruck und werden demnach auch vom Soziologen untersucht. Eine Zusammenstellung der Grußformeln der Siebenbürger Sachsen, wie sie einst im Karpatenbogen genutzt wurden, ergibt eine stattliche Liste.
Die meisten Grüße enthalten einen guten Wunsch, der dem Adressaten gilt, z.B. „Bleiw gesangd“ oder „Nor de Geseangd“. Die Kinder grüßen sich untereinander mit „Servus“. Sie grüßen die Erwachsenen „Grüß Gott“ und der Gegengruß lautet ebenso. Der Lehrer z.B. tritt ins Klassenzimmer und grüßt „Grüß Gott“ und die Schüler erheben sich und antworten im Chor „Grüß Gott“. Die Grüße im Tageslauf sind: „Gade Mårjen“, „Gaden Dåch“ oder „Gaden Dåch wänschen ich“, „Gaden Owend“, „Schlof geat“, „Gad Nocht“. Männer lüften dabei den Hut. Schüler müssen zum Gruß die Schülermütze ziehen, sonst riskieren sie die Rüge: „Host tea Mäschen angder der Kapp?“ „Kessen de Hand“ ist der Kavaliersgruß. Er wird mit der entsprechenden Geste begleitet. Mit diesem Gruß grüßen aber auch die Niederstehenden die Höherstehenden, z.B. die Dienstmagd die Herrin. Dieser Gruß wird oft auch ausgeführt, selbst bei den Kindern der Dienstherrin.

Zum Abschied heißt es „Af Wedersähn“, „Adjö“ oder „Adjes“ (salopp), sehr originell auch „Ku se mät“. Falls man den zu Grüßenden beim Essen antrifft, wird mit „Geaden Appetit“ gegrüßt und erhält als Antwort „Mer biden dezea“. Devote, untertänige Grüße wie „Kirsch mer’n Däner“ oder „Wolachberwürden“ (Wohlachtbarwürden) sind sozusagen ausgestorben. Dörflich heißt es bei Grüßen, die auf die Tätigkeit des Gegrüßten eingehen: „Sätzt er, sätzt er?“, „Kud er, kud er?“, „God er, god er?“.

Der so genannte „Deutsche Gruß“, der in den vierziger Jahren auch für die Siebenbürger Sachsen zur Pflicht wurde, hatte keine lange Lebensdauer und verschwand bald.

Eine besondere Bewandtnis hat es mit dem so genannten Schäßburger Gruß, einer Verspottung der Schäßburger Donnerschlägigkeit. Er hat bekanntlich eine charakteristische Melodie, die gepfiffen wird und an dem sich die Schäßburger in der ganzen Welt erkennen.

Walter Roth

Schlagwörter: Brauchtum, Mundart

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