14. Dezember 2007

Rückblick auf das Leben von Dr. Hans Friedrich Reck

Im hohen Alter von 87 Jahren ist am 22. Oktober Hans Friedrich Reck im brandenburgischen Luckenwalde gestorben. Der promovierte Jurist ist unter den Siebenbürger Sachsen und den Banater Schwaben vor allem durch sein Buch „Gehetzt, gefangen, geflohen – Rumänien 1944-1945“ bekannt geworden.
Hans Friedrich Reck wurde 1920 in Gießen geboren, wo er auch sein Abitur machte. Da­nach musste er den Reichsarbeitsdienst an den Westwall antreten. Dem folgte der reguläre Wehr­dienst, bis 1939 der Zweite Weltkrieg ausbrach. In der deutschen Wehrmacht diente Reck als Artillerieoffizier zuletzt im Rang eines Oberleutnants. Er war in der Bretagne in Frank­reich als Besatzungssoldat eingesetzt, später als Frontoffizier in Russland und Ru­mänien.
Dr. Hans Friedrich Reck im Jahr 1982 ...
Dr. Hans Friedrich Reck im Jahr 1982
Nach dem Zusammenbruch der deutschen Front in Rumänien 1944 geriet Reck dreimal in russische und rumänische Gefangen- ­schaft, aus der es ihm aber jedes Mal zu entfliehen gelang. Sein südländisches Aussehen sowie seine Begabung, rasch Sprachen zu lernen, er­möglichten es ihm, sich in brenzligen Situa­tionen als Rumäne auszugeben. Reck versteckte sich bei Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben und erlebte hautnah das leidvolle Schicksal der deutschen Volksgruppen in Ru­mänien nach dem Krieg. Seine Erlebnisse als Frontoffizier, als Gefangener und im Unter­grund sowie das Schicksal der Rumänien­deutschen verarbeitete Reck in seinem Buch „Gehetzt, gefangen, geflohen – Rumänien 1944-1945“, für das er 1984 den europäischen Buch­preis erhielt. Es ist eines der wenigen Schil­derungen über das Schicksal der Rumänien- deutschen zu jener Zeit, wofür Reck von den Lands­mannschaften der Siebenbürger und Ba­na­ter geehrt wurde. Den Kontakt zu denjenigen, die ihn damals bei sich versteckten und auf diese Weise sein Leben retteten und gleichzeitig das eigene riskierten, hat er nie abbrechen lassen.

Nach seiner abenteuerlichen Rückkehr nach Deutschland studierte Reck Rechtswissen­schaften an der Universität Marburg, wo er auch promovierte. Er arbeitete in verschiedenen Bundesbehörden, was ihn unter anderem nach Berlin und Köln brachte. 1964 zog Reck mit seiner Frau und seinem Sohn nach Rendsburg in Schleswig-Holstein, wo er als Oberrechtsrat zum stellvertretenden Leiter der Stadtverwaltung gewählt wurde.

1967 wurde Reck als erstes und damals ein­ziges CDU-Mitglied zum Beigeordneten und Rechtsdezernenten in die Spitze der Stadtver­waltung von Marl/Westfalen gewählt. In dieser damals SPD-dominierten Ruhrgebietsstadt mit knapp 100 000 Einwohnern wirkte Reck zwölf Jahre lang bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1980. Während seiner drei Reisen nach Ru­mänien in den Jahren 1967, 1971 und 1979 be­suchte er die dort lebenden Banater Schwaben und Siebenbürger Sachsen, die ihn vor russischer und rumänischer Verfolgung versteckt ge­halten hatten.

Nach seiner Pensionierung zog es Dr. Hans Friedrich Reck und seine Frau Hildegard wieder in die hessische Heimat. Seine nun gewonnene freie Zeit nutzte er für die Veröf­fent­lichung und den Vertrieb seines Buches. Viele Vortragsreisen und Lesungen brachten ihn wieder mit vielen der inzwischen in der Bundes­republik lebenden Deutschen aus Rumänien zusammen.

Schlagwörter: Nachruf, Porträt, Zeitgeschichte

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