14. Mai 2011

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Verein Traun: Dietmar Lindert Konsulent für Volksbildung und Brauchtumspflege

Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer überreichte am 26. April im Rahmen einer Feierstunde im Linzer Landhaus 15 besonders verdienten Persönlichkeiten des oberösterreichischen Kulturlebens die Ernennungsdekrete zu Konsulenten der Oö. Landesregierung. Darunter war unser Nachbarvater Dietmar Lindert, mit seinen 46 Lenzen sicher einer der jüngsten Konsulenten für Volksbildung und Heimatpflege. Diese hohe Auszeichnung ist der Lohn für das – trotz seiner jungen Jahre – jahrzehntelange fruchtbringende Wirken im Dienste der siebenbürgischen Gemeinschaft.
Dietmar Lindert wurde am 5. Oktober 1964 in Linz geboren. Seine Eltern stammen aus Waltersdorf und sind bis heute selber in Nachbarschaft, Musikkapelle und Seniorentanzgruppe höchst aktiv – so war der Weg wohl vorgezeichnet. Dietmar war schon ab dem Kindergartenalter in der Kindertanzgruppe aktiv und nahm an vielen Umzügen und Auftritten teil. 1978 trat er der Siebenbürger Jugend bei und übernahm dort schon bald Aufgaben im Vorstand. 1984 wurde er Obmann und organisierte im selben Jahr den ersten Hilfstransport nach Siebenbürgen, an dem sieben Jugendmitglieder teilnahmen. Bis zur Revolution wurden diese Hilfstransporte jährlich durchgeführt, Bekleidung, Hygieneartikel, Spielsachen und Bekleidung für Kinder und vieles andere mehr überbracht. Diese alljährlichen Reisen – natürlich wurden sie auch ab 1990 weiter durchgeführt – dienten vor allem der Kontaktpflege. Land und Leute kennenzulernen, an den Nöten der Menschen in der schweren Zeit unter kommunistischer Herrschaft teilzuhaben, Freundschaften zu schließen war Dietmar immer wichtig.

1985 organisierte Dietmar die zweite Auftrittsreise der Siebenbürger Jugend nach Siebenbürgen (die erste fand bereits 1974 statt), an der auch die Trachtenkapelle Traun teilnahm. Unter schwierigen Bedingungen wurden mehrere Auftritte in verschiedenen sächsischen Dörfern organisiert. Bei den beiden weiteren großen Auftrittsreisen nach Siebenbürgen (1990 und 2001) war die Organisation dank des Regimewechsels schon einfacher.

Der Jugendobmann hat gemäß den Statuten in der Siebenbürger Nachbarschaft Traun von Anfang an Sitz und Stimmrecht im Ausschuss. Dieser Aufgabe kam Dietmar stets gewissenhaft nach und brachte sich hier in all den Jahren mit immer neuen Ideen ein. 1996 legte Dietmar nach zwölf Jahren das Amt als Jugendobmann in jüngere Hände. In den folgenden Jahren wirkte er als Nachbarvater-Stellvertreter und stand der Jugend weiterhin jahrelang als Beirat mit Rat und Tat zur Seite. Am 6. Jänner 2005 erfolgte ein Generationswechsel und Dietmar wurde neuer Nachbarvater.

Neben den Reisen nach Siebenbürgen organisierte Dietmar unzählige Tagesfahrten, Ausflüge und Reisen, viele nach Siebenbürgen. Die Maidult in Passau, der Heimattag in Dinkelsbühl und seit 1999 auch die Sachsentreffen in Siebenbürgen gehören zum Standardprogramm. Höhepunkte waren sicher die Teilnahme am Oktoberfestzug in München 1987 und die Auftrittsreisen nach Östersund in Schweden (1993), sowie in die USA und nach Kanada (2000). Auch in seinem „Nebenjob“ als langjähriger Vortänzer der Jugend hat Dietmar Früchte geerntet, z. B. als die Siebenbürger Jugend in den 80ern beim Tanzwettbewerb beim Sachsentreffen in Dinkelsbühl mit dem „Schwedisch-Schottisch“ den 1. Preis errang.Gruppenbild mit Landeshauptmann Dr. Josef ...Gruppenbild mit Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer (2. von links), von links: Kulturstadtrat Ing. Mag. Johann Böhm, Dietmar Lindert, Bürgermeister der Stadt Traun, Ing. Harald Seidl, Pfarrer Mag. Johann Pitters. Foto: Land OÖ Die Siebenbürger Jugend entwickelte sich unter der Führung von Dietmar stetig weiter, doch trotz Zeitgeist stand die Pflege der Traditionen an oberster Stelle. Aus dem anfänglichen Krapfenbacken im Keller des Pfarrhauses entwickelte sich das beliebte Krautwickleressen – von damals 60 zu heute rund 400 Portionen. Zur Belebung des sonst öden Platzes in der Siebenbürgersiedlung wurde das Straßenfest eingeführt – heute noch ein Renner.

Beim „Siebenbürgischen Nachmittag“ wurden von der Jugend jährlich typische Bräuche aus verschiedenen Gemeinden in Originaltrachten vorgeführt. Und seit 12 Jahren hält die Siebenbürger Jugend am 2. Weihnachtstag das Leuchtersingen ab.

Im Jahr 1994 reichte Dietmar eine Bewerbung für den Landeskulturpreis ein. Die Siebenbürger Jugend erhielt den (gut dotierten) Anerkennungspreis des Landes Oberösterreich. Dies brachte einen neuerlichen Schub nach vorne – die Siebenbürger Jugend wurde zum berühmten Weinberger Advent eingeladen. Gemeinsam mit der Nachbarschaft wurde eine einmalige Ausstellung realisiert und dadurch das Ansehen und der Bekanntheitsgrad der Siebenbürger Sachsen enorm gesteigert. Dank der hierbei gesammelten Erfahrungen traute es sich die Siebenbürger Nachbarschaft – trotz vieler Kritiker – zu, 1995 im Schloss Traun erstmals einen Adventmarkt ähnlich wie im Schloss Weinberg durchzuführen (mit Spinnstube, Webstuhl und anderen Kulturvereinen). Er wurde dann ein toller Erfolg und wird bis heute alljährlich von der Stadt Traun organisiert.

Dietmar ist ein kreativer Kopf und ließ sich immer wieder etwas Neues einfallen: Trachtenvorführungen am Richttag, Tanzseminare der ­Jugend, Klausuren der Nachbarschaft, Wiederbelebung des Ochsenlaufs im Fasching, Weinlesefest, Einführung des Kronenfestes, Gründung der Vereinszeitung „Der Siebenbürger“ im Jahr 1993, Herausgabe des Kochbuches „Alltägliches und Spezialitäten der siebenbürgischen Küche“, Gründung der „Alten Jugend“ 2001 und der Lustigen Adjuvanten 2004 – stets kam der Anstoß von ihm.

Durch seine guten Kontakte konnte Dietmar viele Trachtenstücke erwerben bzw. bekam sie von Nachbarschaftsmitgliedern geschenkt oder zur Verfügung gestellt – mit ein Grund dafür, dass die Burschen der Jugend bis heute bei besonderen Anlässen die alte Nösner Bauerntracht mit weißer Hose, breitem Riemen und Brustlatz anlegen. Die Mädchen der Jugend tragen dank Dietmar bei weniger festlichen Anlässen die Landlertracht in Erinnerung an die Herkunft der Landler aus unserem Bundesland Oberösterreich. Und bei Trachtenumzügen und Festgottesdiensten wird das Andenken an die alte Heimat und an unsere Vorfahren mit dem Tragen der Borten, Kirchenpelze, Kotzen usw. geehrt. Dass unsere schönen Trachten, Pelze, Stickereien usw. erhalten bleiben – sei es zum Tragen für die Jugend oder für die Ausstellung in unserem Museum im Schloss Traun – ist Dietmar ein Anliegen und er sammelt unermüdlich. Obwohl ein Mannsbild, vermag er seine Tracht und die seiner beiden Kinder wohl perfekter zu bügeln als die meisten Frauen. Nebenbei spielt Dietmar seit 30 Jahren in der Trachtenkapelle Traun „Siebenbürger“ Flügelhorn und war hier ebenfalls viele Jahre im Vorstand tätig. In der evangelischen Kirche Traun setzte er sich seit vielen Jahren als Mitglied der Gemeindevertretung ein, seit den letzten Jahren als Presbyter.

Seit seinem Amtsantritt als Nachbarvater ist einiges geschehen und der Höhepunkt steht kurz bevor: Der neue Gemeindesaal der Kirche steht kurz vor der Eröffnung und die Siebenbürger Nachbarschaft und Jugend haben, nicht zuletzt dank großer Anstrengungen von Dietmar, ihr neues Vereinslokal (Probenraum und Büro) unter dem Dach des Gemeindezentrums bezogen. Mit diesem Heim hat sich nicht nur die Kirchengemeinde einen Traum erfüllt, auch für Dietmar und seine Mitstreiter ist einer wahr geworden.

Wir hoffen, dass Dietmar die Ideen auch in Zukunft nicht ausgehen, und sind bereit, sie mit ihm gemeinsam umzusetzen. Dass unser sächsisches Leben in Traun so floriert, ist nicht selbstverständlich. Es ist zum Teil das Verdienst der Vorgänger, die die Weichen stellten, zum Teil Verdienst des Teams, das mit Dietmar an einem Strang zieht, und zu einem sehr großen Teil sein Verdienst.

Lieber Dietmar, Du scheust kein Hindernis und keine Mühen auf Deinem Weg, das Erbe Deiner Vorfahren weiterzuführen. Ehrenamt ist ja oft anstrengend. Dein Vorstand gratuliert Dir im Namen der gesamten Nachbarschaft herzlich zur Ernennung zum Konsulenten für Volksbildung und Heimatpflege und freut sich, auch in Zukunft mit Dir mitzugehen!

KI

Schlagwörter: Österreich, Porträt, Brauchtumspflege

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