15. Dezember 2010

Reinhart Guib als 36. Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien eingeführt

Am 27. November 2010 hat die 77. Landeskirchenversammlung Reinhart Guib zum neuen Bischof in das höchste leitende Amt der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien gewählt. In der langen Reihe der Träger dieses Amtes seit der Reformation ist er der 36. Bischof. Er tritt seinen Dienst als Oberhirte in einer historisch völlig veränderten Lage an und bedarf der besonderen Leitung des Heiligen Geistes, der auch bisher seinen Lebensweg geprägt hat.
Reinhart Guib wurde 1962 in Mediasch geboren. Nach dem Besuch der deutschen Grundschule und des Gymnasiums in Mediasch studierte er 1984 bis 1989 evangelische Theologie in Hermannstadt. 1990 wurde er zum Pfarrer ordiniert. Das Vikariat leistete er in Fogarasch ab, seine erste Pfarrstelle war ab 1990 in Deutsch-Tekes. 1994 berief ihn die Kirchengemeinde Mediasch, wo er ein Jahr später auch Dechant des Mediascher Kirchenbezirkes sowie Mitglied des Landeskonsistoriums wurde. 2007 wurde Guib Bischofsvikar. Als erster Präsident des neugegründeten Gustav-Adolf-Werks in Rumänien konnte er dieses in den Jahren 2003 bis 2009 mit aufbauen und leiten. Seine Arbeit in Gemeinde und Bezirk ist geprägt von großer Nähe zu den Menschen, von strukturiertem Denken, kollegialem Umgang mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie großem und liebevollen Einsatz in allen Bereichen des gemeindlichen Lebens. Er hinterlässt einen gut geordneten Kirchenbezirk und eine Gemeinde, die sich einerseits freut, dass ihr Pfarrer Bischof geworden ist, andererseits aber auch traurig ist, ihn nicht mehr in unmittelbarer Nähe zu haben. Reinhart Guib ist verheiratet und Vater dreier Kinder.
Auf dem Weg zum Bischofsamt: Reinhart Guib mit ...
Auf dem Weg zum Bischofsamt: Reinhart Guib mit Tochter Helene, links Bischofsvikar Dr. Daniel Zikeli, rechts Landeskirchenkurator Friedrich Philippi. Im Hintergrund die Stadtpfarrkirche, davor das Standbild des Sachsenbischofs Georg Daniel Teutsch. Foto: Friedrich Schuster
Die feierliche Einführung in das Bischofsamt erfolgte am 3. Adventssonntag, dem 12. Dezember 2010, im Rahmen eines Festgottesdienstes mit Abendmahl in der Hermannstädter Stadtpfarrkirche unter Beteiligung einer großen Gemeinde, aller Pfarrer der Landeskirche, der Vertreter aus der Rumänisch-Orthodoxen, der Griechisch-Katholischen, der Römisch-Katholischen Kirche und vieler Gäste aus dem In- und Ausland. Die Einführung wurde von dem ebenfalls neugewählten Bischofsvikar Pfarrer Dr. Daniel Zikeli aus Bukarest vollzogen. Assistenten der Einführung waren die Bischöfe Dr. Martin Hein (Kassel), Dr. Michael Bünker (Wien), Deszö Zoltan Adorjani (Klausenburg), Kato Bela (Klausenburg). Sie sprachen Segensworte über den eingeführten Bischof. Den liturgischen Dienst versah der Hermannstädter Stadtpfarrer Kilian Dörr.

Die Predigt über Lukas 3,1-14 stellte der eingesegnete Bischof unter das Thema: „Eine Kirche für alle und alle für die Kirche“: „Das will eine Kirche sein, in der sich alle Gemeindeglieder und Gemeinden, von A bis Z, von Abtsdorf bis Zuckmantel, von Suceava bis Bukarest, von Semlak bis Konstanza, über Mühlbach, Hermannstadt, Mediasch, Schäßburg und Kronstadt beheimatet fühlen und den Weg zu Gott zusammen gestalten. Und mit uns hier auch alle, die uns nahe stehen im Inland sowie in Österreich und Deutschland und darüber hinaus.“ Die Auslegung der Ermahnungen des Johannes, in die erwartungsvolle Situation des Advent hineingesprochen, überträgt der Bischof in die Situation der Gegenwart mit den Ausführungen: „Liebe Brüder und Schwestern, wie zu Zeiten Johannes’ gibt es auch heute bei uns vieles, was dem Kommen Gottes entgegensteht. Das, was uneben ist zwischen uns und bei uns, können wir gemeinsam ebnen, durch Offenheit und Vergebungsbereitschaft. Mitmenschen und Gemeinden, die arm und klein geworden sind, brauchen unsere Liebe und unser Verständnis, um aufgerichtet und gestärkt zu werden. Da, wo der Schein größer ist als das Sein, kann die Neuentdeckung der verlorenen Demut zu einem Umdenken und einer neuen Solidarität führen ... so dass die Kirche bewahrt wird, zur bloßen Dekoration eines bürgerlichen selbstsicheren Lebens zu entarten, oder einem schwärmerischen Aktivismus ohne innerer Lebendigkeit zu verfallen. Der von euch berufene Bischof will auf den Spuren des Johannes im Dienst unseres Herrn Jesus Christus euch ein Stück Wegbereiter und Hirte, aber besonders Wegbegleiter und Seelsorger sein. Ich lade euch herzlich ein, mitzuwirken an der Vision ‚Eine Kirche für alle und alle für die Kirche’, damit wir alle das gesetzte Ziel, das Johannes hier anspricht, erreichen: ‚Und alle Menschen werden den Heiland Gottes sehen.’ Eine Vorfreude auf dem Weg zu diesem Ziel schenkt uns der Herr durch das baldige Feiern der Geburt unseres Heilandes. So wünsche ich euch allen eine Adventszeit der Vorbereitung und Wegbereitung und ein Weihnachtsfest mit dem Frieden und Liebe bringenden Heiland. Denn er ist unsere Zukunft.“
Bischof Reinhart Guib (in der linken Hand die ...
Bischof Reinhart Guib (in der linken Hand die Ernennungsurkunde zum Bischof) empfängt die Glückwünsche von Vertretern der Kirchengemeinden. Foto: Friedrich Schuster
Im Anschluss an die Predigt folgte die Feier des Heiligen Abendmahles in hergebrachter, würdiger Tradition mit Altarumgang, das mehrere Pfarrer und Pfarrerinnen austeilten. Es war beeindruckend, dass alle Gottesdienstbesucher – es wurden über 500 geschätzt –, an der Abendmahlsfeier teilnahmen. Den kirchenmusikalischen Dienst versahen Ursula Philippi an der Orgel und ein gemischter Chor unter der Leitung der Mediascher Organistin. Landeskirchenkurator Friedrich Philippi dankte für die Beteiligung und Mitgestaltung und lud die Gäste, die in großer Zahl aus Mediasch gekommen waren, zum Mittagessen ein, das in mehreren Räumen angeboten war. In diesem Rahmen wurden fast 20 Grußworte gesprochen, in denen deutlich wurde, in welcher Weise die Siebenbürgische Kirche in weltweiter Ökumene nicht nur wahrgenommen, sondern auch geschätzt wird. An dieser Stelle nur einige prägnante Aussagen von Bischof Dr. Hein, der auch im Auftrag der Evangelischen Kirche Deutschlands sprach:

„Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Präses Nikolaus Schneider, und Auslandsbischof Martin Schindehütte haben mich gebeten, Ihnen, lieber Bruder Guib, und Ihnen, lieber Herr Professor Philippi, von Herzen zur Wahl ins Amt des Bischofs und des Landeskirchenkurators zu gratulieren. Die evangelischen Gemeinden und Kirchen in Deutschland sind auf vielfältige Weise mit den Gemeinden in der Evangelischen Kirche in Siebenbürgen verbunden. Wir freuen uns, dass die Kirche der Siebenbürger Sachsen in Ihnen, Bruder Guib, einen leitenden Geistlichen gewählt hat, der seine theologische Ausbildung hier in Hermannstadt an der eigenen kirchlichen Hochschule absolviert hat und im Dienst als Gemeindepfarrer, Dechant und Bischofsvikar viele Erfahrungen für das neue Amt gewonnen hat. Außerdem haben Sie, lieber Bruder Guib, in Erlangen Ihr Auslandsstudium absolviert: an der Fakultät, an der ich selber studiert und wissenschaftlich gearbeitet habe.“

Seitens des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland sprach Alfred Mrass das Grußwort. Der stellvertretende Bundesvorsitzende wies auf die Verbundenheit mit der Heimatkirche hin, die in der Bereitschaft zum Helfen immer wieder zum Ausdruck gebracht worden sei.

Seitens des Hilfskomitees und der Siebenbürgischen Pfarrgemeinschaft grüßte der Vorsitzende Dekan i.R. Hermann Schuller: „Das viel zitierte Wort von Hermann Hesse: ‚Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne’, erreicht uns in solchen Situationen immer wieder, kann aber in dieser Kirchenjahreszeit noch ausgeweitet werden, denn die Tage des Advent münden in den Zauber des Heiligen Abends, in die Weihnacht. Der Stern von Bethlehem will in das Dunkel, aber auch in die Freude der Tage hineinleuchten. Möge Euch dieses Leuchten in der neuen Verantwortlichkeit, im neuen Lebensabschnitt erhalten bleiben.“

Abschließend sei noch der Segenswunsch von Bischofvikar Daniel Zikeli, ein alter irischer Segenswunsch, wiedergegeben: Gott halte dich in seiner Hand,/ wenn die Klippen steil sind./ Gott halte dich in seiner Hand,/ wenn die Nacht trostlos ist./ Gott halte dich in seiner Hand/ auf dem Weg, den du beschreitest./ Gott halte dich in seiner Hand/ und sei zu deinen Häupten.

In diesem Sinne wünsche ich Dir, lieber Bruder Guib, und Deiner Frau in unser aller Namen viel Kraft durch Gottes Heiligen Geist! ER stärke Euch allezeit und schenke Euch alle Gaben, die Ihr für diesen wichtigen Dienst in unserer Kirche benötigt.

Hermann Schuller

Schlagwörter: Kirche, Siebenbürgen, Bischof, Wahlen, Hermannstadt

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