9. Juni 2015

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Kritik und Empfehlungen zur Denkmalpflege

Hermannstadt – Architekt Dr. Hermann Fabini hat die Erfahrungen des Projektes „Restaurierung von 18 Kirchenburgen mit EU-Mitteln“ und anderer Beiträge bei einer Tagung zum Thema Denkmalpflege im ländlichen Raum am 17. April in Hermannstadt zusammengefasst.
Auffallend sei eine starke Diskrepanz zwischen der Preiskalkulation staatlicher, meist EU-finanzierter Restaurationsprojekte, häufig im Sinne der Tourismusförderung gedacht, und solcher, die von privaten Trägern aufgrund einer Faszination oder Wertschätzung für das Kulturerbe durchgeführt wurden. Die hohen Preise ersterer Projekte ließen sich auch mit Korruption erklären, während im zweiten Falle der Satz „Armut ist die beste Denkmalpflege“ gilt – ein sorgsamerer Umgang mit der Originalsubstanz, wie ihn auch die Siebenbürger Sachsen aufgrund bescheidener wirtschaftlicher Bedingungen im Laufe der Geschichte pflegten. Die Restaurierung der Repser Burg etwa kostete rund 7,3 Millionen Euro, während sich die Kosten von Restaurierungsprojekten an den Kirchenburgen in Großscheuern oder Bulkesch, finanziert von den Heimatortsgemeinschaften in Deutschland, auf nur 20000 bis 80000 Euro beliefen.

Architekt Hermann Fabini kritisierte den zu freizügigen Umgang mit der Originalsubstanz im Falle der Burgen Reps, Rosenau und Deva. Als positive Beispiele hob er die Wiederherstellung des Kirchendaches in Felldorf oder die Arbeiten in Großscheuern und Bulkesch hervor. Aus den Reihen der umsetzenden Organisationen explizit positiv erwähnt wurden: der Mihai Eminescu Trust (MET), der Verein Arcus, die Stiftung Monumentum. Fabini empfiehlt unter den Fachkräften Caroline Fernolend (MET), die Architekten Jan Hülsemann und Eugen Vaida (Monumentum) sowie die Restauratoren Mihaly Ferenc und Zoltan Kiss.

Im Hinblick auf ein mögliches weiteres EU-Projekt zur Restaurierung von 18 bis 20 Kirchenburgen, das derzeit im Gespräch ist, regt Fabini eine ausführliche Analyse der im Vorgängerprojekt durchgeführten und qualitativ sehr unterschiedlichen Arbeiten an. Wichtig sei vor allem eine korrekte Diagnose vor Beginn der Arbeiten. Als Beispiel führt er den Beitrag von Jan Hülsemann an, der als Ursache für das Absinken des Chores der Birthälmer Kirche Bodenfeuchtigkeit identifizierte. Anstelle der ursprünglich angedachten Betonpfeiler im Gründungsbereich genüge daher eine entsprechende Drainage zur Lösung des Problems. Auch schlägt Fabini vor, für ein weiteres Kirchenburgenprojekt von Anfang an die Unumkehrbarkeit von Maßnahmen, die Erhaltung der Originalsubstanz und eine harmonische Eingliederung in das Dorfensemble zu berücksichtigen. Beteiligte Architekten sollten am besten im Vorfeld Berichte über ihre Absichten einreichen, über die eine Kommission entscheidet.

NM

Schlagwörter: Hermannstadt, Tagung, Denkmalpflege, Kirchenburgen

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