23. Juni 2022

Engagierter Förderer der deutsch-rumänischen Beziehungen: Martin Bottesch mit Bundesverdienstkreuz geehrt

Die höchste Auszeichnung der Bundesrepublik Deutschland erhielt am 31. Mai Martin Bottesch, Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in Siebenbürgen (DFDS). Das von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verliehene Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland wurde ihm auf der Terrasse des Deutschen Konsulats in Hermannstadt vom deutschen Botschafter in Rumänien, Dr. Peer Gebauer, überreicht. Neben der Hausherrin und Gastgeberin, Konsulin Kerstin Ursula Jahn, waren auch Hermannstadts Bürgermeisterin Astrid Fodor, der Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien (DFDR), Dr. Paul Jürgen Porr, sowie weitere Weggefährten und Freunde von Martin Bottesch zugegen.
Martin Bottesch (rechts) erhält das ...
Martin Bottesch (rechts) erhält das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland von Dr. Peer Gebauer, deutscher Botschafter in Rumänien. Foto: Sebastian Marcovici
Botschafter Dr. Peer Gebauer nannte Martin Bottesch in seiner Laudatio „eine Persönlichkeit, die zu den engagiertesten Förderern der deutsch-rumänischen Beziehungen zählt“, und unterstrich, dass das Bundesverdienstkreuz nur an Persönlichkeiten verliehen werde, die sich weit über das übliche Maß hinaus engagieren und durch ihre Leistungen verdient gemacht haben. „Die heutige Ehrung ist daher ein bedeutendes, sichtbares Zeichen der Wertschätzung Ihres erfolgreichen und unermüdlichen Engagements vor allem um das deutsch-muttersprachliche Schulwesen in Rumänien sowie generell um den Erhalt des immateriellen Kulturerbes der deutschen Minderheit in Siebenbürgen. Daran haben Sie mit Ihrem Wirken, ob als Lehrer, Leiter von Schulkommissionen, im Zentrum für Lehrerfortbildung in deutscher Sprache, im Kreisrat von Hermannstadt oder als Vorsitzender des Regionalforums Siebenbürgen, einen maßgeblichen Anteil“, so Gebauer. „Ich möchte Ihnen von ganzem Herzen danken für Ihre großen Leistungen in den vergangenen Jahrzehnten, im Interesse Deutschlands wie Rumäniens.“

Martin Bottesch wurde am 27. September 1953 in Großpold geboren, wo er die Schule besuchte; 1968 erfolgte der Wechsel auf das Lyzeum in Mühlbach. 1972 begann er das Mathematikstudium in Klausenburg und kehrte nach dessen Abschluss sowie einem Aufbaustudium 1977 nach Mühlbach zurück. 14 Jahre war er Mathe- und Physiklehrer am heutigen Lucian-Blaga-Kolleg, seit 1992 unterrichtet er Mathematik am Brukenthal-Gymnasium in Hermannstadt. Neben seiner Lehrtätigkeit war Martin Bottesch sieben Jahre Leiter der Schulkommission Siebenbürgen und zehn Jahre der Landeschulkommission und trug zur Sicherung des deutschen Schulwesens nach dem politischen Umsturz 1989 und der dadurch bedingten Auswanderung der Siebenbürger Sachsen bei. Dazu gehörte auch die Einrichtung des Zentrums für Lehrerfortbildung in deutscher Sprache (ZfL) in Mediasch 1998, das er bis 2004 leitete. „In den Schulkommissionen fühlte ich mich am meisten nützlich“, bekannte der Geehrte in seiner Danksagung, „denn der deutschsprachige Unterricht war vom Gesetz her zwar möglich, wegen seiner vielfältigen Probleme bedurfte es aber eines ständigen Einsatzes seitens der Minderheit“. Dazu bemerkte Botschafter Gebauer: „Mit Ihrem unermüdlichen Einsatz und der Ihnen eigenen Beharrlichkeit setzen Sie sich nach wie vor erfolgreich für die Förderung der Lehrer:innen an den Schulen bzw. der Erzieher:innen in den Kindergärten mit Deutsch als Muttersprache (DaM) ein. Ihr Engagement hatte und hat einen maßgeblichen Anteil daran, dass auch die deutsche Bundesregierung seit 2015 das DaM-Schulwesen in Rumänien jährlich mit einem beträchtlichen Betrag fördert und so zum Erhalt des kulturellen Erbes der deutschen Minderheit in Rumänien beiträgt.“

Nach Gründung des DFDR war Bottesch Vorsitzender der Ortsforen Mühlbach und später Hermannstadt, seit 2013 steht er an der Spitze des Siebenbürgenforums. Von 2004 an war er für zwei Legislaturperioden Vorsitzender des Hermannstädter Kreisrats. Diese Zeit bezeichnete Bottesch in seiner Danksagung als „Jahre des wirtschaftlichen Aufschwungs, wichtige Infrastrukturprojekte konnten verwirklicht werden, die für die Entwicklung des Kreises Hermannstadt, durch die Modernisierung des Flughafens sogar für die Region Südsiebenbürgen, von Bedeutung waren“. Er ist Vorstandsmitglied der Saxonia-Stiftung und Mitglied des Landeskonsistoriums der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien. Ebenfalls aktiv ist er für den Erhalt von Dialekt und Kultur der Landler: als Herausgeber (mit seiner Ehefrau Johanna, einer Germanistin) der Publikation „Die bairisch-österreichische Mundart der Landler von Großpold in Siebenbürgen“ (1992) sowie (mit Ulrich A. Wien) der Ortsmonografie „Großpold. Ein Dorf in Siebenbürgen“ (2011), die zur Zeit überarbeitet und ins Rumänische übersetzt wird.

„Sie haben Ihr berufliches und privates Leben dem Engagement für das kulturelle und bildungspolitische Erbe der deutschen Minderheit in Rumänien gewidmet, haben sich in die Lokalpolitik eingebracht“, fasste Dr. Peer Gebauer zusammen. „Es ist dem Engagement und Wirken von Persönlichkeiten wie Ihnen zu verdanken, dass die deutschsprachige Minderheit in Rumänien hohes Ansehen und Vertrauen bei der Mehrheitsbevölkerung und den anderen Minderheiten im Lande gleichermaßen genießt.“

Wichtig zu erwähnen war Martin Bottesch in der Feierstunde, dass er sich die nun ausgezeichneten Verdienste nicht allein erworben hat. „Wenn durch meine Arbeit einiges erreicht wurde, so war es stets auch meinen Mitarbeitern zu verdanken. Da möchte ich in allererster Linie meine inzwischen verstorbene Frau nennen. Sie hat mich in allen Unternehmungen unterstützt und war eine ausgezeichnete Beraterin. Aber auch die vielen Mitarbeiter im Forum sowie jene in der hauptamtlichen Tätigkeit in der Schule, im Zentrum für Lehrerfortbildung und im Kreisrat. Als eine fast unerlässliche Voraussetzung für den Erfolg betrachte ich die Fähigkeit, mit anderen zusammenzuarbeiten.“ Die Auszeichnung nehme er im Bewusstsein seiner Grenzen und Fehlbarkeit, jedoch mit Freude entgegen.

Doris Roth

Schlagwörter: Martin Bottesch, Auszeichnung, Bundesverdienstkreuz, deutsch-rumänische Beziehungen, Hermannstadt, Großpold, Landler

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