5. Februar 2007

Siebenbürgischer Karpatenverein knüpft an Erfolge früherer Zeiten an

Im vergangenen Sommer hat Ortwin Götz wieder die „Julius-Römer“-Schutzhütte am Schuler (Postăvarul) bei Kronstadt (Braşov) besucht. Auf dem Weg von der „Kanzel“ hinunter zurück in die Schulerau machte er einen Abstecher zu der Hütte, die nun wieder als Eigentum des Siebenbürgischen Karpatenvereins (SKV) in Betrieb gegangen ist. Bis 1945 besaß der SKV, der 1880 von Siebenbürger Sachsen gegründet wurde, etwa 60 Schutzhütten – alle vom Verein selbst gebaut und bewirtschaftet. Anfang 1945 traf den Verein die Zwangsenteignung, seine Hütten sowie sein gesamtes Vermögen fielen in den Besitz des Staates und die Vereinstätigkeiten wurden eingestellt. 1990 gründete sich der Verein wieder neu.
Es war ein sehr angenehmes Gefühl, letzten Sommer wieder die Wanderwege zu beschreiten, die von ehemaligen SKV-Mitgliedern angelegt, in Stand gehalten und markiert worden sind. Unwillkürlich kamen Erinnerungen an die Jugendzeit hoch, die immerhin schon fast fünfzig Jahre zurück liegt. Noch vor der Errichtung der ersten Sessel-Seilbahn 1952 gingen wir im Laufe der damals noch sehr schneereichen Winter mit den Skiern am Rücken den Schuler hinauf. Wir machten dabei eine einzige Abfahrt über die Obere Schneise, das Schulertor, die Untere Schneise, die Ruia-Wiese, den Großen „Zid“, Richtung Lehmann-Kurve und Kanal. Oft ging es auch zum Bucegi: Mit der Bahn bis Sinaia, bestiegen wir danach wieder mit unseren Rucksäcken und den Skiern bepackt den Berg, bis hinauf zum „Vârful cu Dor.“ Auch dort gab es keine Skilifte oder präparierte Pisten, wir waren aber zufrieden und spurten den Tiefschnee, um danach einige Schwünge machen zu können. Und was tun wir heute? –Wir fahren in die Alpen, kaufen einen Skipass und fahren unzählige Male die perfekt präparierten Pisten hinunter.

Wir haben aber nicht nur im Winter die Berge genossen, sondern auch im Sommer. Oft wanderten wir zum Hohenstein hinauf, oft auch zum Königstein, zu dem wir entweder über „Plaiul Foi“ und der Westwand oder über die „Fântana lui Botorog“ gelangten. Der zweite Weg führte uns direkt zur SKV-Hütte. Damals haben wir das Kalksteinmassiv mit seinen bewundernswerten Felsformationen kreuz und quer durchwandert. Im Bucegi genossen wir im Sommer besonders die unzähligen Hütten, die uns zur Einkehr einluden. Unser Essen nahmen wir selbst mit, dazu bekamen wir aber immer eine Tasse Tee. Zunächst empfing uns die Caraiman-Hütte, weiter ging es zur Babele-, manchmal auch zur Omul- oder zur Piatra- Arsă-Hütte. Von da aus wanderten wir abwärts, mal bis zur Padina-Hütte, mal über Peştera zurück, oder in die andere Richtung bis Bolboci und Scropoasa zum kalten See. Der Weg über Rosenau durch das Mălăieşter-Tal hinauf zur SKV-Hütte führte uns immer an den Turnuri und der Omul-Spitze vorbei, mit 2 509 Metern die höchste Erhebung des Massivs.

Im Fogarascher Gebirge waren wir meistens mehrere Tage unterwegs. Wir wählten den Aufstieg bei Porumbacu oder bei Arpaş. Über die höchsten Bergspitzen des Landes ging es dann in einer fünftägigen Kammwanderung vom Negoi bis Zărneşti.

Auf den Wanderungen waren wir sehr oft auf die Wegmarkierung angewiesen. Woher sie kam oder wer sie dort überhaupt angebracht hatte, darüber machten wir uns aber keine Gedanken. Wir fragten uns auch nicht, wer die Wanderwege angelegt oder die Hütten gebaut hatte. Für uns war der SKV damals nur ein sehr vager Begriff, erst als Erwachsene erfuhren wir, wer oder was dahinter steckte. Der SKV hat mit seinen Mitgliedern, die hauptsächlich Siebenbürger Sachsen waren, dafür gesorgt, dass wir die Annehmlichkeiten des Wanderns in einer wunderbaren Naturlandschaft genießen konnten: gut ausgebaute Pfade mit übersichtlicher Markierung, an deren Ende Hütten standen, die uns nach dem langen Wanderweg aufnahmen. Es ist erfreulich, dass wir jetzt wieder einen SKV haben, der an die Erfolge früherer Zeiten anknüpfen kann. Dafür wünschen wir ihm viel Glück und Erfolg.

Ortwin Götz


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Schlagwörter: Sektion Karpaten des DAV, Burzenland

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