5. Mai 2008

Hermannstädter Zoo: „Unsere Tiere brauchen mehr Platz!“

142 Tiere (37 Arten) leben im Hermannstädter Tiergarten – einer von wenigen Zoos in Rumänien, denen die europäischen Tierschutzorganisationen nicht mit Schließung drohen. Bis Jahresende soll der Zoo von knapp fünf Hektar auf 15,1 Hektar erweitert werden, verspricht Zoodirektor Constantin Bebeşelea. Denn: „Unsere Tiere brauchen mehr Platz!“
„Der Hermannstädter Lokalrat investiert bereits seit Jahren in den Zoo und auch dieses Jahr soll hier viel gemacht werden“, so Bebe­şelea. Dem Tiergarten sind zur Vergrößerung des Gartens 9 000 Quadratmeter Wald zugesprochen worden. Die für die Erweiterungs­maßnahmen benötigten finanziellen Mittel sei­en bewilligt. 1,3 Millionen Lei (rund 364 000 Euro) hat der Hermannstädter Lokalrat vorgesehen. Was nun noch fehlt, ist die für das teilweise Abtragen des Waldes erforderlich Zustim­mung des Landwirtschaftsministeriums und des Umweltministeriums. „Wir hoffen, dass es bald geschieht. Jetzt wird es warm, da könnten wir loslegen“, meint der Zoodirektor.
Der König der Tiere im Hermannstädter Zoo. Foto: ...
Der König der Tiere im Hermannstädter Zoo. Foto: Ruxandra Stănescu
Für die Besucher, die den Hermannstädter Zoo früher traumatisiert verlassen haben, hat sich hier viel verändert. Die Wölfe und Füchse waren des Geruchs wegen praktisch unbesuchbar. Inzwischen haben die Wölfe ein neues, größeres Zuhause: „Den Wölfen stehen jetzt 1 030 Quadratmeter Platz zur Verfügung, das ist mehr, als das Gesetz vorschreibt. Sie haben auch einige Bäume. Die Probleme mit dem Ge­ruch bestehen nicht mehr. Als sie in kleinen Betonkäfigen wohnten, war es schwierig, trotz regelmäßigem Putzen den Geruch los zu werden.“ Auch die Füchse sollen neue Gehege bekom­men: „Jetzt sind ihre Käfige knapp 40 Quadratmeter groß, laut Gesetz brauchen sie das Fünffache. Sie sind die einzigen Tiere in unserem Zoo, die noch keine neuen Gehege haben. Sie sind auch bald dran. Wir konnten nicht alles auf einmal modernisieren. Die Arbeiten wurden in mehreren Etappen zugerichtet“.

Noch vor wenigen Jahren war die Situation im Hermannstädter Zoo katastrophal. Die Bä­ren haben es einer Siebenbürger Sächsin, Jo­han­na Letz, besonders angetan. Die gebürtige Hermannstädterin hat dem Zoo vor einigen Jahren 3 000 Euro für ein neues Bärengehege gespendet. Jetzt haben sie 880 Quadratmeter zur Verfügung – gesetzlich sind 500 Quadrat­meter vorgeschrieben für Zoos, die Braunbären halten dürfen. „Das war eigentlich das einzige Mal, dass wir eine Spende erhalten haben. Das Geld haben wir auch ausschließlich für das Bä­ren­gehege ausgegeben, wie es vertraglich festgelegt wurde“, erklärt Constantin Bebeşelea. Obendrein hat sich Johanna Letz bemüht, deutsche Zoodirektoren und Experten nach Her­mann­stadt zu bringen, jedoch scheiterte dieser Versuch in Hermannstadt an den finanziellen Mö­glichkeiten, meint Direktor Bebeşelea: „Es wäre damals zu teuer für uns gewesen, den Ex­perten Reise und Unterkunft zu bezahlen.“

Indes hat sich einiges zum Positiven verändert, was sich auch in den besucherzahlen widerspiegelt: im Vorjahr waren es 120 000. Im letzten Jahr investierte der Stadtrat 1,5 Mil­lionen Lei (rund 420 000 Euro). Mit dem Geld wurde die Kanalisation ausgebessert, ein öffentliches WC, eine kleine Insel für die Vögel, das Gehege für die Wölfe u.a. eingerichtet.

Der erste richtig warme Sonntag Ende April ist für den Hermannstädter Tiergarten ein Er­folg: Die Leute stehen Schlange beim Eingang. Der Eintritt ist mit 2,50 Lei (rund 70 Eurocent), für Kinder ermäßigt, sehr erschwinglich. Am See warten Jugendliche ungeduldig, dass Ru­der­boote frei werden und die Mititei-Verkäufer Nachschub bringen. Die Kinder füttern die Af­fen durch die Gitter mit Popcorn und Zucker­watte – trotz Verbot, denn es ist kein Auf­seher da. Ihre Eltern ermuntern sie dazu mit ihrem Lachen. Sie stecken ihre Kameras durch die Gitter, um die Tiere zu fotografieren. Dabei ver­wechseln sie die Leoparden mit den Jagua­ren. Am Zooeingang wird natürlich viel Kitsch verkauft in der Hoffnung, in diesem Jahr noch mehr Besucher anzulocken.

Ruxandra Stănescu

Schlagwörter: Hermannstadt

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