16. September 2010

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Bund der Vertriebenen ehrt Klaus Johannis als europäischen Brückenbauer

Der 60. Tag der Heimat am 11. September 2010 im ICC Berlin stand unter dem Motto „Durch Wahrheit zum Miteinander“. Für die Deutschen aus Rumänien hatte die zentrale Feier des Bundes der Vertriebenen (BdV) durch die Würdigung von Klaus Johannis mit der Ehrenplakette des BdV eine besondere Bedeutung. Der Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien und Bürgermeister von Hermannstadt empfing den Preis von BdV-Präsidentin Erika Steinbach für die herausragenden Verdienste, die er sich um die Völkerverständigung erworben hat, und als Brückenbauer in einem zusammenwachsenden Europa.
Erika Steinbach stellte in ihrer Laudatio fest: „Klaus Johannis genießt als Bürgermeister das Vertrauen sowohl der Rumänen als auch der deutschen und ungarischen Minderheiten in Hermannstadt. Er wird von allen besonders wegen seiner Ehrlichkeit, seines Fleißes und seines Einsatzes für die Allgemeinheit geschätzt.“

In seiner Dankesrede ging das Hermannstädter Stadtoberhaupt auf das friedliche Zusammenleben der Völker in Siebenbürgen ein, das in den letzten tausend Jahren hier eine Selbstverständlichkeit des politischen Lebens gewesen ist, „ein Europa in nuce“ sozusagen. Klaus Johannis – als „nicht Vertriebener“ wie er sagte – würdigte besonders die heute gute Zusammenarbeit zwischen dem Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland und dem Siebenbürgenforum. Nach der Massenauswanderung zu Beginn der 1990er Jahre habe sich die deutsche Minderheit in Rumänien, trotz geringer Zahl, neu positionieren können und vielfach auch Verantwortung übernommen und werde auch von der Mehrheitsbevölkerung ernst genommen. Johannis versteht die Ehrung durch den BdV als Ermutigung, „die Kontinuität einer europäischen Tugend weiter zu wahren: dass nämlich weiter oder wieder gelten kann und neu Gestalt gewinnen soll, was vor den Weltkriegen selbstverständlich war: Geschichtliche Gemeinschaften deutscher Identität können als Bürger nichtdeutscher Staaten im neuen Europa ein konstruktiver Faktor europäischer Verbundenheit sein.“ BdV-Präsidentin Erika Steinbach überreicht Klaus ...BdV-Präsidentin Erika Steinbach überreicht Klaus Johannis die Ehrenplakette des Bundes der Vertriebenen. Foto: Bildschön Die Feier in Berlin genoss in diesem Jahr eine besondere Aufmerksamkeit in den bundesdeutschen Medien. Wenige Tage zuvor waren zwei Präsidiumsmitglieder des BdV wegen angeblicher revanchistischer Äußerungen in die Kritik geraten. Arnold Tölg, Vorsitzender des BdV Baden-Württemberg, und Hartmut Saenger, Sprecher der Pommerschen Landsmannschaft, sind stellvertretende Mitglieder seitens des Bundes der Vertriebenen im Stiftungsrat der Bundesstiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“. Teile der bundesdeutschen Medien, die recht einseitig und stets negativ über die Vertriebenen und deren Organisationen berichten, lassen keine Gelegenheit aus und versuchen, der BdV-Präsidentin Erika Steinbach und dem gesamten BdV zu schaden.

In einer sehr kämpferischen Rede wies Steinbach die Vorwürfe der Medien und verschiedener Politiker aus allen Parteien zurück. Niemand bestreite, dass Hitler den Zweiten Weltkrieg entfacht habe: „Hitler hat die Büchse der Pandora geöffnet.“ Mit den Barbareien Nazi-Deutschands sei aber die Vertreibung von 15 Millionen Deutschen zum Kriegsende nicht zu rechtfertigen. Die Opfer der Vertreibung und ihre Nachfahren haben ein Anrecht darauf, dass ihr Schicksal im nationalen Gedächtnis bewahrt wird, so Steinbach. Beim Tag der Heimat in Berlin war der Freistaat ...Beim Tag der Heimat in Berlin war der Freistaat Bayern neben Klaus Johannis und BdV-Präsidentin Erika Steinbach besonders stark vertreten (erste Reihe, von links): Ministerpräsident Horst Seehofer, Landtagspräsidentin Barbara Stamm, Bernd Posselt, MdE, Christian Knauer, Vorsitzender des BdV-Landesverbande Bayern, und Stefan Mayer, MdB. Foto: Bildschön Die Verkündung der Charta der Heimatvertriebenen vor 60 Jahren am 5. August 1950 in Stuttgart sei von unschätzbarer Bedeutung für Deutschland und Europa, da diese die soziale, wirtschaftliche und politische Integration der Flüchtlinge und Vertriebenen erst ermöglicht habe. Die Heimatvertriebenen haben in dieser Deklaration bewusst Gewalt abgelehnt und sich für Völkerverständigung und einen Wiederaufbau Deutschlands und Europas ausgesprochen.

Die BdV-Präsidentin forderte die christlich-liberale Bundesregierung auf, den Bundesratsbeschluss mit schwarz-gelber Ländermehrheit von 2003, „den 5. August eines jeden Jahres zum Nationalen Gedenktag“ zu erheben, wieder aufzugreifen. Die jetzige Regierung könnte die politische Erkenntnis und Willenserklärung von damals nun durch Handeln umsetzen. Damit würde sich Politik als glaubwürdig erweisen können, so Steinbach weiter.

Mit großer Spannung war auch die Festrede des bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden erwartet worden. Horst Seehofer stärkte den Vertriebenen und ihrer Präsidentin den Rücken. Er achte alle Politiker, die „in den großen Fragen unseres Volkes und unseres Landes nicht mit der Strömung schwimmen, sondern selbst Strömung machen“. Seehofer würdigte die Leistungen der Vertriebenen beim Wiederaufbau Deutschlands und seiner Demokratie. Diese hätten sich vorbildlich in ihrer neuen Heimat integriert und nie politisch radikalisiert. Den Vorwurf, Vertriebene seien Revanchisten, wies der CSU-Politiker vehement zurück. Weiter sagte er: „Diese klare demokratische Haltung der Vertriebenen trotz Verlustes der Heimat, trotz Verlustes des ganzen Eigentums, trotz oder gerade wegen der schrecklichen Erlebnisse ist meines Erachtens ebenso zu würdigen wie ihre wirtschaftlichen und sozialen Leistungen.“

Ministerpäsident Horst Seehofer sicherte den ...Ministerpäsident Horst Seehofer sicherte den Vertriebenen die Unterstützung Bayerns zu. Foto: Bildschön Ministerpräsident Seehofer machte unmissverständlich deutlich, dass Deutschland den zweiten Weltkrieg begonnen habe. Wir wüssten, so Seehofer, welche Tragödien, Verbrechen und Barbareien sich 1939 und 1945 in den von Nazi-Deutschland besetzten Gebieten vollzogen haben. „Wir wissen um den Holocaust an den Juden, um den Völkermord an den Sinti und Roma. Das vergessen wir nie.“ Dies sei „Grundlage unseres politischen Handelns“ und, zusammen mit der Charta, Grundlage des Handelns des BdV, betonte Seehofer.

Auf den offenen Umgang einiger Länder wie Ungarn und Rumänien mit ihren deutschen Minderheiten ging der bayerische Ministerpräsident eingehend ein. Die Entschuldigung des ungarischen Staates für die Vertreibung seiner Deutschen und die Aussage des rumänischen Innenministers Vasile Blaga beim diesjährigen Heimattag der Siebenbürger Sachsen, dass das Land seine Deutschen vermisse, lassen aufhorchen.

Zum Schluss seiner Festrede sagte Horst Seehofer: „Wir Deutsche wissen, dass man sich der eigenen Geschichte nicht entziehen kann. Diese Erkenntnis breitet sich auch bei unseren östlichen Nachbarn immer weiter aus. Es nehmen die Kräfte zu, die ein Verdrängen und Leugnen der eigenen Irrungen, des eigenen staatlich veranlassten Unrechts der Vertreibung ablehnen. Das bietet uns, das bietet den Heimatvertriebenen die Chance, durch Wahrheit zum Miteinander im gemeinsamen Europa zu gelangen.“

Die Veranstaltung vor rund 1 100 Gästen im ICC Berlin wurde mit dem Film „60 Jahre Charta der deutschen Heimatvertriebenen“ eröffnet. Der Beauftragte der katholischen Deutschen Bischofskonferenz für die Vertriebenen- und Aussiedlerseelsorge, Weihbischof Dr. Reinhard Hauke, sprach das geistliche Wort und das Gedenken an die Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation. Künstlerisch umrahmt wurde die Feier durch die Potsdamer Turmbläser. Beim Tag der Heimat in Berlin, von links: ...Beim Tag der Heimat in Berlin, von links: Bundesvorsitzender Bernd Fabritius, BdV-Präsidentin Erika Steinbach, Carmen und Klaus Johannis. Foto: Rainer Lehni Der Verband der Siebenbürger Sachsen war bei der Feier durch den Bundesvorsitzenden Dr. Bernd Fabritius, den stellvertretenden Bundesvorsitzenden Rainer Lehni, Volkmar Gerger, Vorsitzender der Landesgruppe Niedersachsen/Bremen, und Michael Konnerth, stellvertretender Vorsitzender der Landesgruppe Baden-Württemberg, vertreten.

Rainer Lehni

Schlagwörter: Tag der Heimat, BdV, Johannis

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