31. Mai 2013

Barbara Stamm: "Ich hab’ mein Herz in Siebenbürgen verloren"

Dinkelsbühl – Nicht wie üblich in Hermannstadt, sondern beim Heimattag in Dinkelsbühl fand die diesjährige Verleihung der Honterus-Medaille statt. Die Präsidentin des Bayerischen Landtags, Barbara Stamm, nahm die höchste Auszeichnung, die das Demokratische Forum der Deutschen in Siebenbürgen vergibt, am Pfingstsonntag im Rahmen der Preisverleihungen in der Sankt-Pauls-Kirche entgegen. Die Laudatio hielt der Bundesvorsitzende des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, Dr. Bernd Fabritius.
Unter den Festgästen konnte der Vorsitzende des Kulturpreisgerichts, Prof. h.c. Dr. Stefan Sienerth, neben der Preisträgerin auch den Botschafter von Rumänien in Berlin, Lazăr Comă­nescu, und den Vorsitzenden des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien, Dr. Paul-Jürgen Porr, begrüßen. Die an den siebenbürgisch-sächsischen Reformator und Humanisten Johannes Honterus (1498-1549) erinnernde Auszeichnung verleiht das Demokratische Forum der Deutschen in Siebenbürgen (DFDS) „Frau Dr. Barbara Stamm für besondere Verdienste beim Zusammenhalt der siebenbürgisch-sächsischen Gemeinschaft“ (Urkundentext).

Es sei eine „ganz besondere Freude für uns“, betonte der Bundesvorsitzende eingangs seiner Laudatio, „dass in diesem Jahr das DFDS diese herausragende Auszeichnung an unserem Heimattag in Dinkelsbühl, dem größten Zusammentreffen der Siebenbürger Sachsen in aller Welt, an Frau Barbara Stamm verleiht“. Der Laudator nannte wichtige Eckdaten des Lebenslaufes der 1944 in Bad Mergentheim geborenen Landtagspräsidentin Barbara Stamm, Parteiämter, politische wie ehrenamtliche Funktionen, so u.a. Vorsitzende der Stiftung Bavaria-Romania für Sozialassistenz in Rumänien, der Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung in Bayern, Vizepräsidentin des Familienbundes Deutscher Katholiken.
Mit der Honterus-Medaille ausgezeichnet: ...
Mit der Honterus-Medaille ausgezeichnet: Landtagspräsidentin Barbara Stamm neben dem Vorsitzenden des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien, Dr. Paul-Jürgen Porr (links), und dem Bundesvorsitzenden Dr. Bernd Fabritius. Foto: Christian Schoger
83 Mal habe Barbara Stamm inzwischen Rumänien besucht, erstmals unmittelbar nach der Wende, als damals junge Staatssekretärin. Eingedenk der nun schon 23 Jahre, in denen sich Barbara Stamm als Rumänienbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung engagiert, befand Dr. Fabritius, sie „weilt in unserer Heimat nicht als Staatsgast, sondern eher als Gastarbeiterin“. Beeindruckt von den Bildern der sogenannten Revolution habe sie bei ihrer ersten Arbeitsreise in Erfahrung bringen wollen, wo man am besten helfen könne. Besonders das Schicksal der schwerbehinderten Kinder in den staatlichen Einrichtungen hat die ausgebildete Erzieherin persönlich zutiefst berührt, wie Stamm in einem Interview mit der Siebenbürgischen Zeitung, aus dem Dr. Fabritius zitierte, offenbart hat.

Der Bundesvorsitzende verwies beispielhaft auf verschiedene Projekte und Einrichtungen, die von Barbara Stamms sozialem Engagement erheblich profitieren konnten: ein Pilotzentrum für rund 180 Menschen mit Behinderung in der Moldau, zwei Fachschulen zur Ausbildung des dafür nötigen Fachpersonals, die Erweiterung des rumänischen Berufsgruppenkataloges um die Berufe des Rehabilitationspädagogen und Heilerziehungspflegers, die Ausbildung im ­Bereich der Altenhilfe, die Förderung eines Zentrums für Haemophilie in Buziaş, die Unterstützung des Hermannstädter Nachtasyls für obdachlose Jugendliche, des Altenheimes Carl Wolff sowie des dortigen Hospizes. Ungezählte Arbeitstreffen mit Ministern und höchsten Verantwortungsträgern Rumäniens, so führte der Laudator weiter aus, qualifizierten Barbara Stamm als das „soziale Gewissen des modernen Rumäniens“. Darüber hinaus kümmere sich die Katholikin auch um die Ökumene mit diversen Initiativen. Dr. Fabritius schloss mit dem Fazit: „Barbara Stamm hat in den letzten Jahren in Rumänien wichtige Weichen und Anstöße zu einer modernen, europäischen Sozialarbeit gesetzt. Als ‚Soziale Reformation‘ könnte man daher durchaus bezeichnen, was Barbara Stamm dem Rumänien des 21. Jahrhunderts geschenkt hat, und darauf wäre auch Johannes Honterus stolz. Gäbe es eine Ehrensiebenbürgerschaft, würden wir diese Barbara Stamm sicherlich verleihen.“

Nach eigenem Bekunden „tief bewegt“, nahm Barbara Stamm die Johannes-Honterus-Medaille entgegen. In ihren Dank schloss die Preisträgerin alle ein, „die mich in den vergangenen 23 Jahren begleitet haben“, das Team und insbesondere auch das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien. Es hätten sich „wunderbare Freundschaften entwickelt, wie mit dem Oberbürgermeister von Hermannstadt“, Klaus Johannis. „Ich hab‘ mein Herz in Siebenbürgen verloren!“, bekannte die Fränkin aus Würzburg. Es lohne sich, bekräftigte die Bayerische Landtagspräsidentin, „sich für Europa einzusetzen, für Frieden und Freiheit“.

Christian Schoger

Schlagwörter: Heimattag 2013, Siebenbürgenhilfe, Bayern, deutsch-rumänische Beziehungen

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Neueste Kommentare

  • 04.06.2013, 18:18 Uhr von cäsar: Oh, mir kommen die Tränen... gibt es keinen Politiker einer anderen Partei, der sein Herz in ... [weiter]

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