28. März 2022

Ein kleines bisschen Wappenkunde: Was Sie schon immer über den Zeitungskopf wissen wollten

Der Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland fühlt sich durchaus der Tradition verpflichtet. Doch auch Traditionen wandeln sich, manchmal durch einen plötzlichen Umbruch, manchmal eher schleichend und im Detail. Ist es Ihnen aufgefallen? Auf der ersten Seite ganz oben in der Mitte? Seit der Folge 1 vom 17. Januar 2022 hat sich die Titelseite der Siebenbürgischen Zeitung leicht verändert: Das Verbandswappen tritt in der Reihe größer hervor und es weist auch farblich einige Anpassungen auf. Was ist der Hintergrund? Und überhaupt: Was hat es eigentlich mit all den anderen Wappen im Zeitungskopf auf sich? Lassen Sie uns heute ein bisschen Heraldik betreiben!
Auch auf Veranstaltungen des Verbandes ist das ...
Auch auf Veranstaltungen des Verbandes ist das Wappen seit jeher präsent. Die Heimattagsabzeichen zeigen anschaulich die Vielfalt der verwendeten Wappen im Laufe der Jahrzehnte. 1983 sind die Burgen letztmals in 2 : 3 : 2 angeordnet. Foto: Detlef Schuller
Bevor wir jedoch den heutigen Zustand eingehender betrachten, lohnt sich ein Blick zurück. Das Erscheinungsbild der ersten Seite der Siebenbürgischen Zeitung hat sich seit 1950 mehrfach gewandelt. Aus einer nackten Titelzeile ohne jegliches grafisches Element wurde Stück für Stück der bunte und reichhaltige Kopf, den Sie heute kennen.
Der Zeitungskopf der allerersten Nummer war ...
Der Zeitungskopf der allerersten Nummer war äußerst nüchtern und zweckdienlich.
Schon ein Jahr nachdem die Zeitung erstmals erschienen war, wurde beschlossen, den Zeitungskopf stärker auszugestalten und „altertümliche, etwas verschnörkelte Lettern“ zu verwenden. „Dazu gehörte dann auch ein Wappen“, hieß es im Mai 1951. Aber welches? Das historische Landeswappen des Fürstentums Siebenbürgen mit den sieben Burgen im unteren Teil und dem Adler im oberen, begleitet von Halbmond und Sonne, erschien damals nicht angebracht. Wenn man durch die Zeitung die Stimme der Siebenbürger Sachsen vernehmen lassen wolle, könne man kein Wappen verwenden, das zugleich auch den ungarischen Adel (Adler) sowie die Szekler (Sonne und Halbmond) repräsentiert. Nur die sieben Türme könne man für sich in Anspruch nehmen. Wenn man aber wiederum „übervölkisch siebenbürgisch“ denken wolle, könne man kein Wappen verwenden, auf dem das rumänische Volk gänzlich fehlt.
1951 hieß es zur Begründung: „die Türme und die ...
1951 hieß es zur Begründung: „die Türme und die Krone. Zwischen ihnen lag unsere Geschichte beschlossen.“
Es wurde also nach einem Wappen gesucht, das allein für die Siebenbürger Sachsen stehen könnte. Beim Durchblättern des „dickbäuchigen, ledergebundenen Band[es] im Münchner Nationalmuseum“ stieß man auf das Wappen mit den sieben Basteien, welches sodann in der Mitte des Untertitels Platz finden sollte. Diese Mitte war aufgrund unterschiedlicher Wortlängen jedoch nicht zu bestimmen, sodass man den Ausweg darin sah, die sieben Burgen auf der einen Seite und das alte Wappen der siebenbürgisch-sächsischen Nation auf der anderen Seite abzubilden: die Krone mit den Seelilien.
Zur gotischen Schrift kam 1955 die bis heute noch ...
Zur gotischen Schrift kam 1955 die bis heute noch charakteristische Reihung der neun Wappen dazu. Warum es genau diese neun waren, wurde leider nicht erklärt.
Kurzer Exkurs: Albert Arz von Straussenburg führt 1981 in seinen Beiträgen zur Siebenbürgischen Wappenkunde aus, dass die Krone mit den drei Blättern spätestens seit 1372 als Wappen der Hermannstädter Provinz fungierte und dann, nach dem Anschluss der Mediascher, Bistritzer und Kronstädter Provinz im 15. Jahrhundert, für das ganze Sachsenland stand. Parallel dazu bildete sich Ende des 16. Jahrhunderts der Schild mit den sieben Burgen als zweites Wappen der sächsischen Nation aus. Nachweisbar sind rote Burgen auf goldenem Schild, goldene Burgen auf rotem Schild und silberne Burgen auf blauem Schild.

Aber zurück zum Zeitungskopf: Alle grafischen Elemente verschwanden wieder aus dem Titel, als die Siebenbürgische Zeitung ab Januar 1952 nicht mehr eigenständig, sondern als Sonderausgabe des Südost-Echos erschien. Es war die Weihnachtsausgabe von 1955, die dann die Wappen wieder auf die erste Seite zurückbrachte: Mit neun Schilden wurde die Leserschaft reich beschenkt. Hermannstadt (ganz links) und Kronstadt (ganz rechts) waren größer dargestellt als die anderen, am stärksten hervorgehoben wurde jedoch das Wappen der sächsischen Nation in der Mitte. Zu beachten ist hier die zeilenweise Anordnung der Burgen 2 : 3 : 2. Diese Aufteilung wurde Ende 1958 in 3 : 3 : 1 umgeändert, nachdem der Bundesvorsitzende Dr. Heinrich Zillich daran erinnert hatte, dass der Sachsentag am 1. Oktober 1933 das „Volkswappen der Siebenbürger Sachsen“ wie folgt festgelegt hatte: „In einem von Blau und Rot gespaltenen Schild sieben goldene türmchenartige Burgen in drei Reihen zu drei, drei und eins, so daß die mittleren Burgen auf der Spaltlinie stehen.“ Dieser Beschluss des Sachsentages sei für den Verband natürlich maßgebend und müsse befolgt werden.
1958 erinnerte man sich daran, dass seit 1933 die ...
1958 erinnerte man sich daran, dass seit 1933 die Aufteilung der Burgen in 3 : 3 : 1 galt.
Unter Rückgriff auf ein Zitat von Goethe wurde im Januar 1972 das nächste Mal der Zeitungskopf umgestaltet: „Halte dich ans fortschreitende Leben.“ Man wollte zeitgemäß sein und durch ein ansprechendes Äußeres attraktiver für jüngere Leserschichten werden. Nach Beratungen mit Künstlern, Journalisten und Schriftstellern wurde aus der gotischen Druckschrift eine moderne Grotesk-Schrift. Der Grafiker (und Heraldiker) Viktor Stürmer entwarf aber nicht nur eine neue Schrift, sondern auch neue Vorlagen für die Wappen. Abgesehen von minimalen grafischen Anpassungen sollte es fast 30 Jahre lang bei diesem Zeitungskopf bleiben.
Der Zeitungskopf von 1972 brachte optisch etwas ...
Der Zeitungskopf von 1972 brachte optisch etwas mehr Ordnung.
Erst der farbige Druck hat das Antlitz der Zeitung im Jahr 2010 wesentlich verändert und die Wappen noch besser zur Geltung kommen lassen. In leicht abgeänderter Reihenfolge sieht man seither von links nach rechts:
Dass 2010 zwei Wappen ihre Position tauschten, ...
Dass 2010 zwei Wappen ihre Position tauschten, fiel vermutlich kaum auf. Das wirklich Neue waren die Farben.
Hermannstadt: Krone über zwei gekreuzten Schwertern
Mühlbach: gekrönter Löwe
Reps: drei gezinnte und gekrönte Türme mit offenen Toren
Bistritz: gekröntes Straußenhaupt mit Hufeisen im Schnabel
Siebenbürger Sachsen: gelbe Burgen mit Reihung 3 : 3 : 1 auf blau-rotem Grund
Schäßburg: dreitürmige Burg mit offenem Tor und gekröntem Löwen, der Schwert in Pranken hält
Mediasch: rechte Hand, die Weinrebe hält
Sächsisch-Regen (Reen): vorne Lilie und hinten Stern, schräge Inschrift O.P.R. (Oppidum Privilegiatum Regum, also „privilegierter Marktflecken Regen“)
Kronstadt: Krone über Wurzel

Seit 2022 das offizielle Verbandswappen ...
Seit 2022 das offizielle Verbandswappen
Nun schreiben wir das Jahr 2022 und es war wieder Zeit für eine Veränderung. Warum? Weil man sich den Sehgewohnheiten und Erwartungen des 21. Jahrhunderts anpassen sollte. In der heutigen Zeit ist es nicht unüblich, dass ein großer Verein einem Corporate Design folgt und beispielsweise Briefbögen, Visitenkarten, Bekleidung, Webseiten usw. vereinheitlicht. Eine totale Kontrolle ist keineswegs unser Ziel. Wir wollen lediglich, dass der Verband auf allen Ebenen dasselbe Wappen verwendet. Doch das ist bisher nicht der Fall, zahlreiche Varianten sind im Umlauf. Hellblau oder dunkelblau? Soll jede Burg einen schwarzen Rand haben oder nicht? Über diese Fragen hat der Bundesvorstand des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in seiner Sitzung vom 5. November 2021 in Dinkelsbühl abgestimmt. Das Ergebnis ist ein Wappen mit eher hellem Blau und keinem schwarzen Rand um die Burgen. Dieses Wappen wird in Zukunft verwendet.

Und weil man schon bei gestalterischen Fragen war, hat man auch gleich noch über die Frage befunden, ob das Wappen in der Mitte des Zeitungskopfes nicht etwas größer sein sollte als die umstehenden. So war es auch schon von 1955 bis 1971 der Fall. Der Vorschlag stieß auf mehrheitliche Zustimmung, denn somit hebt sich das Wappen des Verbandes stärker von den anderen Wappen, die ja historische Wappen von Städten und/oder Stühlen sind, ab.

Obwohl altbekannt und äußerst beliebt, hat das ...
Obwohl altbekannt und äußerst beliebt, hat das fürstliche Landeswappen nie im Zeitungskopf Verwendung gefunden.
Der letzte Satz mag für Irritation gesorgt haben: Ist es nun das Wappen des Verbandes oder das Wappen Siebenbürgens? Die Frage ist eigentlich leicht zu beantworten: Es ist das Wappen des Verbandes, denn das Wappen Siebenbürgens besteht aus drei Teilen, und zwar den Wappen der drei ständischen Nationen, des ungarischen Adels, der freien Szekler und der freien Sachsen. Auch auf dem heutigen Staatswappen Rumäniens ist Siebenbürgen durch sieben Burgen (Anordnung 4 : 3) unter Sonne, Halbmond und schwarzem Adler repräsentiert.

Heinrich Zillich mag recht gehabt haben, als er sagte, dass das Wappen mit den 3 : 3 : 1 geordneten Burgen vom fünften Sachsentag 1933 stammt. Es scheint sich jedoch vorerst nicht wirklich durchgesetzt zu haben. Ein Indiz dafür ist „Die Seite der Frau“, wo Ende 1957 die Farben aller wichtigen „Siebenbürger Wappen“ genannt werden, um den stickenden Frauen bei der Farbauswahl zu helfen. Das blau-rote Wappen mit den gelben Burgen (3 : 3 : 1) wird dort jedoch gar nicht erwähnt. Aus diesem Grund sah Zillich sich in der folgenden Ausgabe der Siebenbürgischen Zeitung gezwungen, auf den Beschluss des Sachsentages 1933 hinzuweisen. Und noch 1996 erkannte Dr. Günter von Hochmeister die Notwendigkeit, zu erwähnen: „Für Institutionen und Organisationen der großen Gemeinschaft der Siebenbürger Sachsen hingegen, kann als ‚richtiges‘ siebenbürgisch-sächsisches Wappen nur das bis heute verwendete Burgenwappen der Sächsischen Nationsuniversität, die sieben goldenen Burgen in einem blau-roten Schild, empfohlen werden. Das Zurückgreifen auf andere Wappenformen, die von den Siebenbürger Sachsen in vergangenen Jahrhunderten geführt worden sind, ist zwar zulässig, drückt aber stets eine (gewollte oder ungewollte) Abgrenzung aus.“

Ohne es mit Sicherheit sagen zu können, drängt sich doch der Verdacht auf, dass erst der zunehmende Gebrauch dieses Wappens durch den Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland und seine Untergliederungen zur weitreichenden Verbreitung geführt hat. Das ehemalige „Volkswappen“ wurde durch die Verwendung als Verbandswappen zum modernen Wappen der Siebenbürger Sachsen schlechthin, eine erstaunliche Entwicklung.

Erwähnt sei an dieser Stelle, dass das Wappen seit zehn Jahren EU-weit als Marke des Verbandes geschützt ist. Um ein modernes und einheitliches Auftreten zu sichern, bitten wir alle Verantwortlichen in den Landes-, Kreis- und Kulturgruppen des Verbandes, die alten Vorlagen zu löschen und nur noch das Wappen zu verwenden, das auf der Homepage zum Download bereit steht:

www.siebenbuerger.de/verband/informationen/wappen.php

Dort finden Sie auch eine Handreichung mit weiteren Hinweisen zur korrekten Verwendung.

Dagmar Seck

Festabzeichen gesucht

Für das Archiv unseres Verbandes sowie für Dokumentationszwecke werden die noch fehlenden Festabzeichen der Heimattage der Siebenbürger Sachsen in Dinkelsbühl gesucht aus den Jahren: 1950-1952, 1954, 1956-1965, 1968-1969, 1971. Wer solche hat, sie uns in digitalisierter oder materieller Form übergeben kann oder auch nur zur digitalen Erfassung zur Verfügung stellt – er erhält sie umgehend zurück –, soll sich bitte melden bei: Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e.V., Kulturreferat, Karlstraße 100, 80335 München, Telefon: (089) 23 66 09-24, Fax: (089) 23 66 09-15, E-Mail: kulturreferat[ät]siebenbuerger.de

Schlagwörter: Verband, Siebenbürgische Zeitung, Geschichte, Wappen, Heraldik, Siebenbürgen, Ortschaften, Layout

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