19. März 2026

Bundesvorstand tagte in München: Das rege Gemeinschaftsleben für die Zukunft sichern

Das Gemeinschafts- und Kulturleben der Siebenbürger Sachsen blüht in jüngster Zeit richtig auf. Trotz leicht sinkender Mitgliederzahlen entfalten die Siebenbürger Sachsen in Deutschland und den anderen Ländern der Föderation vielseitige und zahlreiche Tätigkeiten auf hohem Niveau. Der Zusammenhalt wird dadurch gestärkt, die junge Generation macht begeistert mit, die verschiedenen Einrichtungen sind gut vernetzt, auch über die Landesgrenzen hinaus. Die Siebenbürger Sachsen wirken aktiv in die bundesdeutsche Gesellschaft hinein und erweisen sich als zuverlässige Partner in einem schwierigen europäischen Umfeld, das vom Krieg in der Ukraine und anderen globalen Herausforderungen gekennzeichnet ist. Über diese Entwicklungen wurde in der Frühjahrssitzung des Bundesvorstandes des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland berichtet, die am 7. März 2026 im Haus des Deutschen Ostens in München stattfand. Zudem wurde über Möglichkeiten beraten, den Verband für die Zukunft zu sichern.
Der Bundesvorstand des Verbands vor dem Haus des ...
Der Bundesvorstand des Verbands vor dem Haus des Deutschen Ostens in München, jeweils von links nach rechts, vorne: Reinhold Sauer, Gerlinde Zurl-Theil, Michael Konnerth, Ingwelde Juchum, Ute Brenndörfer, Rainer Lehni, Dr. Bernd Fabritius, Heidi Mößner, Elfriede Schnell und Natalie Bertleff; hinten: Manuel Krafft, Petra Volkmer, Radu Nebert, Dr. Johann Kremer, Doris Hutter, Dagmar Seck, Herta Daniel, Dr. Stefan Măzgăreanu, Manfred Binder, Werner Kloos, Ecaterina-Luise von Simons, Robert Sonnleitner und Martin von Hochmeister. Fotos: Siegbert Bruss
Eine kurze Andacht hielt Dekan i.R. Hans-Gerhard Gross, Vorsitzender der Gemeinschaft evangelischer Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben im Diakonischen Werk der EKD – Hilfskomitee. Ausgehend von dem Wochenspruch „Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes“ (Lukas 9,62), legte er dar, wie wichtig es sei, „in der Spur, entschlossen und gleichzeitig besonnen zu bleiben“. Wir dürfen dabei dankbar sein, am Reich Gottes mitzuarbeiten und Teil einer Gemeinschaft zu sein, sagte Gross.

Kulturförderung nach § 96 BVFG soll neu ausgerichtet werden

Bundesvorsitzender Rainer Lehni begrüßte unter den Teilnehmern Radu Nebert, Vorsitzender des Siebenbürgenforums, der aus Klausenburg angereist war, Dietmar Gross, ständiger Vertreter der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien im Bundesvorstand, der per Videokonferenz zugeschaltet war, sowie die Ehrenvorsitzenden Herta Daniel und Dr. Bernd Fabritius. Dieser überbrachte als Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten die besten Grüße der Bundesregierung und berichtete über die positiven Veränderungen, die durch die Zusammenführung der Zuständigkeiten für die Angelegenheiten deutscher Heimatvertriebener, Aussiedler und Spätaussiedler sowie deutscher Minderheiten in den Staaten Mittel- und Osteuropas im Bundesministerium des Innern erzielt wurden. Die Mittel würden dadurch besser dort ankommen, wo sie gebraucht werden, sagte Fabritius. In der laufenden Wahlperiode sollen die Grundsätze für Projektförderung weiterentwickelt und die Kulturförderung nach § 96 BVFG neu ausgerichtet werden. Dass eine langfristige Sicherung der kulturellen Arbeit von zentraler Bedeutung ist, ging aus dem Gespräch hervor, das der Bundesaussiedlerbeauftragte am 4. März in Berlin mit Dr. Irmgard Sedler, Vorsitzende des Siebenbürgischen Museums e.V., geführt hatte (diese Zeitung berichtete). Eine institutionelle Förderung des Museums werde ebenso angestrebt wie jene des Kulturreferates für Siebenbürgen, den Karpatenraum, Bessarabien und die Dobrudscha.

Bundesaussiedlerbeauftragter Dr. Bernd Fabritius ...
Bundesaussiedlerbeauftragter Dr. Bernd Fabritius wartete mit spannenden Informationen auf, im Hintergrund Reinhold Sauer, Vorsitzender der Carl Wolff Gesellschaft.
Ausführlich beraten wurde auch über die Zukunftssicherung von Strukturen der Selbstorganisationen, eine in die Breite wirkende Kulturarbeit und Wissenstransfer an die junge Generation. Eine Delegation des Bundesvorstandes des Verbandes wird am 21. April dieses Jahres die angesprochenen Themen bei einem Antrittsbesuch auf Einladung des Bundesaussiedlerbeauftragten in Berlin vertiefen.

Bundesvorsitzender Rainer Lehni berichtete, wie auch die stellvertretenden Bundesvorsitzenden, die Landesgruppenvorsitzenden und anderen Mitglieder des Bundesvorstands, über ein reges Gemeinschaftsleben und vielseitigen Austausch, z.B. mit dem Hilfsverein „Stephan Ludwig Roth e.V.“, den Einrichtungen auf Schloss Horneck, dem HOG-Verband, Bund der Vertriebenen u.v.a. Ermöglicht werden die vielseitigen Veranstaltungen dank des Einsatzes tausender Ehrenamtlichen und der Förderung durch Bund und Länder. „Wir sind dankbar, dass die Förderung in Hessen gut läuft und nur geringfügig gekürzt wurde. Hätten wir diese Förderung nicht, wären unsere Reserven bald ausgeschöpft“, betonte Ingwelde Juchum, stellvertretende Bundesvorsitzende und Vorsitzende des Landesverbandes Hessen. Aus den Berichten ging auch hervor, dass es einzelnen Kreisgruppen nicht gelingt, einen Nachfolge-Vorstand zu finden. Die Kreisgruppen werden dadurch aufgelöst und die Mitglieder einer benachbarten Kreisgruppe zugordnet.

Dank des Einsatzes der Arbeitsgruppe Mitgliederwerbung und der jeweiligen Kreisgruppen kommen immer mehr neue und vor allem jüngere Mitglieder hinzu, insgesamt nimmt die Mitgliederzahl leicht ab: Am Anfang dieses Jahres verzeichnete der Verband 16.472 zahlende Mitglieder, um 300 weniger als ein Jahr zuvor. Eine erfreuliche Entwicklung zeigte Rainer Lehni in der Landesgruppe Nordrhein-Westfalen auf. Nach mehr als 16 Jahren sei die Mitgliederzahl zum Jahresanfang 2026 nicht gefallen, sondern gegenüber dem Vorjahr genau gleichgeblieben: 2.797. Von den 14 Kreisgruppen in NRW verzeichneten sechs eine positive Mitgliederentwicklung: Wiehl-Bielstein, Drabenderhöhe, Herten, Setterich, Köln und Düsseldorf.
Intensive Arbeitsatmosphäre in der ...
Intensive Arbeitsatmosphäre in der Bundesvorstandssitzung im Haus des Deutschen Ostens.

Berichte aus Siebenbürgen

Aus Siebenbürgen berichtete Radu Nebert, Vorsitzender des Siebenbürgenforums. Das 35. Sachsentreffen am 19.-20. September 2025 in Zeiden sei ebenso gelungen gewesen wie der Lehrertag, der am 11. Oktober in Mühlbach stattfand und 200 Teilnehmer verzeichnete. Nebert lud zum 36. Sachsentreffen vom 18.-20. September 2026 nach Schönau ein.

Dietmar Gross freute sich, dass die Evangelische Kirche A.B. in Rumänien einen leichten Zuwachs verzeichne. Sie zähle knapp 11.000 Mitglieder in fünf Kirchenbezirken, was vor allem auf die neuen Mitglieder im Sonderstatus, die aus Deutschland kommen, zurückzuführen sei. Die Heimatkirche wolle ihre Organisationsstruktur erneuern, die Gemeindeverbände stärken und kleinere Kirchenbezirke möglicherweise zusammenlegen, führte Grosss aus.

Entschädigungszahlungen für Russlanddeportierte und andere politische Opfer des Kommunismus

Wie der Bundesvorsitzende Rainer Lehni berichtete, sind die Meldungen des Verbandes zu den Entschädigungszahlungen weiterhin größtenteils positiv. Es falle aber auf, dass immer wieder Zahlungen ausbleiben. Viele Kreisgruppen und Landesgruppen unterstützen ihre Mitglieder, indem sie die Lebensbescheinigungen bestätigen, die halbjährlich bis zum 31. März und 30. September bei den Auszahlungsbehörden der Landkreise in Rumänien vorgelegt werden müssen.

Betreffend die zehnprozentige Kürzung der Entschädigungszahlungen wurde eine Verletzung des EU-Rechts aufgezeigt: Berechtigte mit Wohnsitz im Ausland dürfen nach dem vorrangigen Recht der Europäischen Union nicht in das Krankenversicherungssystem in Rumänien einbezogen werden. Diese und andere offene Fragen sollen in der nächsten Sitzung der deutsch-rumänischen Regierungskommission im Juli 2026 in München thematisiert werden, sagte der Aussiedlerbeauftragte Bernd Fabritius.

Relaunch von Siebenbuerger.de geplant

Internetreferent Robert Sonnleitner berichtete über neue Projekte. So seien die Panorama-Bilder von 150 Kirchenburgen (mit einer Million ­Dateien) neuerdings auf Siebenbuerger.de zu sehen. Die Startseite soll für Gastnutzer umgestaltet werden und Informationen über Siebenbürgen für Außenstehende bieten. Dies sei nur ein Teil eines umfassenden Relaunches: Die Homepage soll mit prägnanten Texten, einer klaren Seitenstruktur und einer stärkeren Nutzerorientierung modernisiert werden, führte Sonnleitner aus.

Zukunft des Verbandes und der Zeitung sichern

Die Siebenbürgische Zeitung begleitet und verstärkt das eingangs erwähnte vielseitige Gemeinschaftsleben. Allerdings sei das Verbandsblatt strukturell unterfinanziert, sagte Chefredakteur Siegbert Bruss. Aus dem Jahresbeitrag von 58 Euro fließen pro Mitglied 21 Euro in den Haushalt der Zeitung, das sind nur 1,05 Euro pro Zeitung, die 20-mal im Jahr erscheint. Um den Verband und die Zeitung für die Zukunft zu sichern, wird es nötig sein, größere Spenden und Erbschaften zu gewinnen – ein Ziel, das bereits in der Resolution des Verbandstages 2023 kurz thematisiert wurde.

Pfingsttreffen und weitere Termine

Den Heimattag 2026 in Dinkelsbühl werden das Sozialwerk der Siebenbürger Sachsen und die Siebenbürgisch-Sächsische Jugend in Deutschland als Mitausrichter gestalten, die Planungen des Pfingstfestes sind in großen Zügen schon abgeschlossen (siehe Bericht in der SbZ Online). Darüber hinaus wird zu zahlreichen Tagungen und Treffen eingeladen, hier nur eine kleine Auswahl:
25.-27. September: Tagung des Bundesfrauenreferates in Bad Kissingen
10. Oktober: 75-Jahr-Feier der Landesgruppe Nordrhein-Westfalen in Köln
16.-18. Oktober: Presseseminar der Siebenbürgischen Zeitung in München
24. Oktober: Heimattag der Nordlichter, mitgestaltet von hessischen Kulturgruppen.

Tag des Siebenbürgisch-Sächsischen geplant

Der Bundesvorstand beschloss, dass der Verband der Siebenbürger Sachsen beim Tag der europäischen Sprachen mitmachen und den 26. September als Tag des Siebenbürgisch-Sächsischen begehen wird. Auch das Siebenbürgenforum und der Bundesverband der Siebenbürger Sachsen in Österreich werden eingeladen, sich dieser Aktion anzuschließen.

Die Haushaltsübersicht 2025 und der Haushaltsplan 2026, die von der Bundesgeschäftsführerin Ute Brenndörfer vorgelegt wurden, wurden einstimmig angenommen.

Die nächste Bundesvorstandssitzung findet am 31. Oktober 2026 in Rüsselsheim statt, die Frühjahrssitzung am 6. März 2027. Vom 5.-6. November 2027 wird der Bundesvorstand im Heiligenhof in Bad Kissingen tagen, wo anschließend, vom 6.-7. November, der Verbandstag des Verbandes der Siebenbürger Sachsen stattfinden wird.

Siegbert Bruss

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Schlagwörter: Bundesvorstand, Sitzung, Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland

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