5. April 2018

Wo Graf Dracula und Prinz Charles zu Hause sind

Vom 21. bis 28. September vergangenen Jahres reiste Eckehard Fröhmelt mit einer Reisegruppe nach und durch Siebenbürgen. Der frühere Gemeindepfarrer (Mönchengladbach und Wuppertal) ist während seiner Dienstzeit immer wieder mit Siebenbürgern in Kontakt gekommen und hat sie unter anderem als „sehr verlässliche Küster“ in guter Erinnerung. „Dadurch habe ich viel über Siebenbürgen erfahren“, so Fröhmelt. „Mein Interesse an Land und Leuten wuchs und nun im Ruhestand habe ich den Wunsch wahr gemacht, nach Siebenbürgen zu reisen. Meine Erwartungen haben sich erfüllt. Siebenbürgen interessiert mich weiterhin. Wunderschön ist diese Region und sehr freundlich die Menschen und höchst spannend die Geschichte und Kultur.“
Pastor i. R. Eckehard Fröhmelt staunte mit seiner Reisegruppe nicht schlecht: Selbst Japaner und Chinesen treten in großen Trauben auf. Ob es an der weltberühmten Romanfigur von Bram Stoker liegt, dem Vampir Dracula? Der soll angeblich als grausamer Fürst Vlad III., der Pfähler, in Transsilvanien gegen die Osmanen gekämpft haben, im 15. Jahrhundert auf der hoch auf einem Felsen aufragenden Törzburg in der Nähe von Kronstadt. Schauerlich eindrucksvoll.

Trans silva, jenseits des großen Waldes, siedelten seit dem 12. Jahrhundert in Wellen (nicht nur) Deutsche (Saxones, „Sachsen“, genannt). Sie kamen auf Geheiß der ungarischen Könige, bebauten mit großem Fleiß den fruchtbaren Boden und nannten das Land Siebenbürgen. Land der sieben Städte und Burgen. Land der Kirchenburgen, wo Kirchen zugleich als mächtige Fluchtburgen der Bevölkerung Schutz boten. 1920 kam Siebenbürgen zum neuen Großstaat Rumänien, bis 1947 als Monarchie von Hohenzollern regiert. Wie Mehltau legte sich schließlich die kommunistische Diktatur Ceauşescus über den Freiheitswillen der Menschen. Seit den 1970er Jahren und besonders seit 1990 verließen Hunderttausende unterdrückte deutschsprachige Siebenbürger den einstigen Unrechtsstaat. Die meisten gingen nach Deutschland. Heute sollen knapp 40.000 Deutschsprachige in Rumänien leben.

Die Reisegruppe um Eckehard Fröhmelt bekam die Geschichte Siebenbürgens so nebenbei mit. Auch, dass derzeit ein Siebenbürger Sachse, Klaus Johannis, Staatspräsident ist und dass Rumänien ein ausuferndes Korruptionsproblem hat. Die Reiseteilnehmer wollten vor allem die Schönheiten dieses Berglandes sehen. Diese liegen mitten im heutigen Rumänien, umgeben von einem langen Gebirgsbogen der Karpaten. Zunächst gab es nach der Landung in Bukarest eine Rundfahrt durch Rumäniens Hauptstadt, die nur so strotzt vor großartigen Monumentalbauten. Fantastische Architektur. Fast 50 Jahre war die Habsburgermonarchie daran beteiligt.
Das Katharinentor in Kronstadt. ...
Das Katharinentor in Kronstadt.
Danach ging es eine Woche lang Tag für Tag zu den bekannten Städten und weniger bekannten Ortschaften und Klöstern Siebenbürgens, u. a. Städte wie Mediasch, Hermannstadt (Kulturhauptstadt Europas), die „Perle“ Schäßburg, Kronstadt. Orte wie Sibiel (Übernachtung in Privatpensionen, einzigartiges Glas-Ikonenmuseum bäuerlicher Malkunst), Baaßen, Bonnesdorf, Birthälm, Deutsch-Weißkirch waren weitere Stationen. Bei Kronstadt fand ein Abstecher ins Bärenreservat von Zeiden statt, und der buchstäblich krönende Abschluss war der Besuch des märchenhaften Schlosses Peleş bei Sinaia, Sommersitz der rumänischen Könige. Kronstadt mit seiner berühmten „Schwarzen Kirche“ und einer lebendigen, modernen Innenstadt gefiel der Reisegruppe besonders gut. Eine geniale Idee sind die umklappbaren Kirchenbanklehnen! So sitzt man beim Gottesdienst zum Altar und beim Konzert zur Orgel. Nachahmenswert! In Hermannstadt beherrschte ein Oktoberfest den zentralen Platz und verdeckte etwas die historische Ansicht. Schäßburg besitzt viel mittelalterlichen Charme. Außerdem soll dort Fürst Dracula ein Stadthaus bewohnt haben. Im obersten Raum liegt er in seinem „Bett“, einem offenen Sarg. Viel Klamauk! In dem 450-Seelen-Dorf Deutsch-Weißkirch scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, aber darum ist es auch etwas mystisch-magisch. Es ist das Dorf der „Wollsocken“ und anderer Strickwaren, die an Haustüren und Scheunentoren hängen. Prinz Charles liebt dieses Dorf und besitzt am Ortsrand ein Haus, das „blaue Haus“. Fast jedes Jahr im Mai kommt er zu Besuch. Ökologische Seminare ziehen Fachleute an.

Schön und traurig zugleich war die Kutschfahrt von Baaßen zur Kirchenburg in Bonnesdorf. Am Ziel angekommen, fand man eine im Verfall befindliche Kirche vor. Nicht die einzige in Siebenbürgen! Der Besucher wird unwillkürlich von starken Gefühlen erfasst: als sei gerade erst der Gottesdienst zu Ende. Doch über allem liegt der Staub seit den 1990er Jahren, als die Siebenbürger Sachsen massenhaft auswanderten.

Der deutschsprachige Reiseleiter hieß nicht nur Gabriel, er war für Eckehard Fröhmelts „Frauen und Männer“ ein wahrer Engel. Jederzeit aufmerksam und kundig führte er auch durch orthodoxe Kirchen und Klöster. Die jeweils zentrale Ikonenwand, farbintensive Wandmalereien, zum Gebet einladende Einzelikonen machen jede orthodoxe Kirche zu einem ungemein andächtigen, heiligen Raum, zu einem Stück Paradies auf Erden. Den Pastor Eckehard Fröhmelt machte das sehr nachdenklich. Was für eine Betriebsamkeit zu Hause und die bergende, heilsame, gelassene Stille vor Ort.

Nach einer Woche trat man mit überfließendem Herzen den Heimflug an, im Gepäck noch den Anfang der siebenbürgischen Hymne: „Siebenbürgen, Land des Segens, Land der Fülle und der Kraft …“. Heute wieder!

Schlagwörter: Reise, Siebenbürgen, Geschichte, Tourismus, Reisebericht

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