27. Juli 2020

„Dokument der politischen Weitsicht“: Innenminister Strobl würdigt Charta der Heimatvertriebenen

Am 5. August jährt sich die Verkündung der Charta der deutschen Heimatvertriebenen zum 70. Mal. Aufgrund der Corona-bedingten Regelungen hat der Bund der Vertriebenen (BdV) den offiziellen Festakt „70 Jahre Charta der deutschen Heimatvertriebenen“ am 5. August um ein Jahr verschoben. Infolgedessen übermittelte der Stellvertretende Ministerpräsident und Innenminister des Landes Baden-Württemberg, Thomas Strobl, ein schriftliches Grußwort, in dem der CDU-Politiker die historische Bedeutung des Dokuments unterstreicht. Das gelte bereits für den seinerzeitigen Rahmen der Präsentation am 6. August 1950 bei der großen Kundgebung vor der Ruine des Neuen Schlosses in Stuttgart.
Thomas Strobl, Innenminister des Landes Baden ...
Thomas Strobl, Innenminister des Landes Baden-Württemberg
Die Charta der deutschen Heimatvertriebenen sei vielfältig von ihrer Entstehungszeit geprägt. Der Wunsch nach einem „sinnvollen Einbau aller Berufsgruppen der Heimatvertriebenen in das Leben des deutschen Volkes“ sei erfreulicherweise längst in Erfüllung gegangen, vor allem dank der großen Eigeninitiative der Heimatvertriebenen.

Strobl erinnert an die Situation der Flüchtlinge und Vertriebenen nach dem Krieg, die „zum Verzweifeln“ gewesen sei. Diese hätten „nicht nur ihnen wichtige Menschen oder das Elternhaus verloren, sondern zugleich die ganze Nachbarschaft, den ganzen Wohnort mit den Gräbern der Vorfahren und die ganze altvertraute Heimatlandschaft mit ihren Zeugen der Geschichte“.

1950 lebten die meisten Heimatvertriebenen noch in Lagern. Ihre damaligen Zukunftsperspektiven seien „sehr unklar“ gewesen angesichts der Konstituierung neuer, stalinistisch geprägter Staaten im sowjetischen Einflussbereich, welche die erhoffte rasche Rückkehr in die Herkunftsgebiete unwahrscheinlicher gemacht habe. Gleichwohl hätten die Vetriebenen auf ihrer ersten großen Demonstration mit ihrer Charta bestehende Spannungen nicht verstärkt, sondern „Wege zu einem konstruktiven Miteinander aufgezeigt – innerstaatlich, aber auch im Verhältnis zu anderen Völkern“. Innenminister Strobl hob anerkennend hervor, dass die Heimatvertriebenen radikalen Forderungen entsagten und „ihre berechtigten Wünsche nach einer besseren Eingliederung und Lastenverteilung“ verknüpft hätten mit der „Zusage, sich beim Wiederaufbau voll und ganz einzubringen – eine Zusage, die die Heimatvertriebenen vorbildlich erfüllt haben“. Zudem hätten die Heimatvertriebenen mit dem „expliziten Verzicht auf Rache und Vergeltung“ ihre Bereitschaft zu Verständigung und Aussöhnung bekundet.

Der Stellvertretende Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg würdigte die Ausrichtung auf ein geeintes Europa als „damals geradezu visionär“. Damit gehörten die Heimatvertriebenen zu den „Vorreitern der europäischen Einigung unter Einbeziehung unserer mittel- und osteuropäischen Nachbarn“. Die Charta der deutschen Heimatvertriebenen bleibe mit diesen Perspektiven ein „Wegweiser, der uns auch heute noch einen Pfad in eine gute Zukunft weist“, ein „Dokument, das von der beeindruckenden Selbstüberwindung und der politischen Weitsicht der deutschen Heimatvertriebenen zeugt“.

Schlagwörter: Politik, Vertriebene und Aussiedler, Charta der Heimatvertriebenen, Jubiläum, Gedenken, Baden-Württemberg, Innenminister, BdV

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