10. Mai 2010

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Ein Freund auch der Siebenbürger Sachsen: Zum Gedenken an Heinrich Lauer

Zu den Journalisten nichtsiebenbürgischer Herkunft, die oft und gerne siebenbürgische Belangen behandelt haben, gehört auch Heinrich Lauer. Er tat dies vor allem in den Jahren seines Wirkens bei der Bukarester Tageszeitung Neuer Weg (1953-1974). Seine Reportagen und Berichte waren gut dokumentiert und zugleich eine angenehme Lektüre, vielleicht auch, weil nicht nur journalistisches Talent aus ihnen sprach, sondern auch Ehrlichkeit, eben ein anderer Ton als der in jener Zeit sonst übliche.
Wegen seiner mutigen Weigerung, von der Obrigkeit geforderte Zustimmungserklärungen im Namen anderer zu verfassen, musste er im Juli 1974 die Redaktion des Neuen Weg verlassen, wurde aber dank einiger ebenfalls mutiger Kollegen in anderen Redaktionen aufgefangen und durfte bis kurz vor seiner Auswanderung bei der Neuen Literatur arbeiten.

Der 1934 in Sackelhausen bei Temeswar geborene Banater Schwabe war mehr als 40 Jahre Journalist und Schriftsteller, bis 1980 in Rumänien, danach in München und in der Welt. Als Redakteur der Zeitschrift der Deutschen Bundesbahn Schöne Welt konnte er seine Begabung für die Reisereportage mehr als zehn Jahre voll zur Geltung bringen. Diese Zeit beim Süddeutschen Verlag war für ihn somit eine beruflich besonders fruchtbare.

Heinrich Lauer. ...Heinrich Lauer. Literarisch war Lauer schon in Rumänien auf den Plan getreten, unter anderem mit zwei Sammelbänden: „Ein Trojanisches Pferd gesucht“ (1974) und „Nahaufnahme“ (1978). In Deutschland hat er in namhaften Publikationen (Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Die Zeit) ganzseitige Essays und Artikel veröffentlicht. Sein Hauptwerk, der autobiographische Roman aus der Sicht eines elfjährigen Banater Flüchtlingskindes, „Kleiner Schwab – großer Krieg“, ist dann 1987 im Wort und Welt Verlag Innsbruck erschienen, eine zweite Auflage als Taschenbuch bei Ullstein und in einem belgischen Verlag auch eine französische Übersetzung des Romans („L’enfant de Timişoara“). Lobende Erwähnung gebührt der Anthologie aus Lauers Schriften „Vorsicht, Adjektive. Rumäniendeutsche Grenzgänge“ (Südostdeutsches Kulturwerk, München, 2000). Für sein publizistisches und literarisches Gesamtschaffen wurde Heinrich Lauer 1997 mit dem Donauschwäbischen Kulturpreis geehrt.

Es darf hier auch erwähnt sein, dass Heinrich Lauer 30 Jahre Mitglied der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen war, und zwar nicht nur, weil seine Ehefrau Ilse Lauer, geborene Brandsch, väterlicherseits aus einer bekannten sächsischen Familie stammt, nämlich der des Abgeordneten Rudolf Brandsch.

Heinrich Lauer hatte ein zahlreiches und dankbares Leserpublikum und viele Freunde, denn Freundlichkeit und gelebte Freundschaft prägten sein Wesen. Nach mehrjähriger unheilbarer Krankheit, in Geduld ertragen, ist Heinrich Lauer am 14. April 2010 in München gestorben. Wer ihn kannte, weiß, was für einen wertvollen Menschen wir verloren haben.

Ewalt Zweyer

Schlagwörter: Nachruf, Journalismus, Banater

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