12. September 2005

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Zum Heimattreffen der Neppendorfer reisen Freunde aus Bad Goisern an

Unter dem Motto „Tage der Begegnung, des Kennenlernens und des Verstehens“ beteiligten sich 41 Bewohner von Bad Goisern am 5. Heimattreffen der Neppendorfer, das am 6. und 7. August in Siebenbürgen stattfand. Mit der seitens des Presbyteriums der Kirchengemeinde von Neppendorf ausgesprochenen Einladung zu diesem Fest sollte der Gemeinde von Bad Goisern für ihre Gastfreundschaft bei den vergangenen Landlertreffen gedankt werden. Viel hatte man schon über die drei Gemeinden Neppendorf, Großau und Großpold gehört und diesmal wollte man dabei sein, wenn die Nachkommen der einst aus dem Salzkammergut Vertriebenen sich in der alten Heimat treffen.
Auf der Hinreise machten wir eine kleine Pause in Großpold, wo wir von Familie Georg und Ramona Kramer mit echtem Großpolder Wein, Schnaps, Kuchen und der bekannten siebenbürgischen Gastfreundschaft empfangen wurden. Es bot sich auch die Gelegenheit, einen typisch landlerischen Bauernhof zu besichtigen, ehe es nach Neppendorf ging. Im Hof der Evangelischen Akademie Siebenbürgens, wo die Gäste für die nächsten fünf Tage untergebracht wurden, empfing sie die bekannte Neppendorfer Blasmusik unter der Leitung von Kapellmeister Mathias Hubner mit einem Marsch. Kurator Samuel Gromer hieß die Gäste herzlich willkommen in der Heimat der einst vor 270 Jahren Zwangsdeportierten aus dem Salzkammergut. Am Abend gab es ein gemeinsames Essen – gespendet von der Kirchengemeinde Neppendorf. Als „Nachtisch“ spielten die Musikanten bei gutem Wein und Schnaps einige bekannte Melodien. In aller Regel gelingt bei diesen Begegnungen das Kennenlernen und Verstehen leichter als bei den offiziellen Feierlichkeiten. Obendrein konnten sich die Gäste mit den Neppendorfern in ihrem oberösterreichischen Dialekt, also landlerisch unterhalten.

Eröffnung der Ausstellung Dr.Hellmut Klima durch Monica Vlaicu. Foto: Renate Bauinger
Eröffnung der Ausstellung Dr.Hellmut Klima durch Monica Vlaicu. Foto: Renate Bauinger

Nach einer Stadtrundfahrt in Hermannstadt am nächsten Vormittag unter Führung von Prof. Sara Konnerth ging es nach Heltau, um den Gästen aus Oberösterreich jene Kirche zu zeigen, in der die ersten Landler 1734 einen evangelischen Gottesdienst mit einem richtigen Pfarrer erleben durften und ihr Bekenntnis zum evangelischen Glauben ablegen mussten. Man war tief beeindruckt von dieser Kirche und dem Ort, wo die Transmigranten von den damaligen sächsischen Bewohnern herzlich empfangen wurden. Kurator Herbert Kefer aus Bad Goisern meinte: „Eins ist es, wenn man liest und hört, was mit den eigenen Landsleuten vor 270 Jahren geschehen ist. Aber unbeschreiblich ist das Gefühl, auf deren Spuren zu wandeln“. Alle zusammen stimmten wir den Lutherchoral „Ein feste Burg ist unser Gott“ an.

Am Samstag (6. August) läuteten um 10 Uhr die Neppendorfer Glocken, und viele Menschen folgten diesmal ihrem Ruf. Der Festgottesdienst wurde von Pfarrer Heinz Galter sen. abgehalten. Man merkte es nicht nur an seiner Predigt, sondern auch an seinem Gesichtsausdruck, mit welcher Zufrieden- und Ergriffenheit er den vielen Menschen das Wort Gottes verkündete. Die Blasmusik begleitete uns beim Gesang der bekannten Kirchenchoräle. Den Höhepunkt dieses Gottesdienstes bildete die Enthüllung einer Gedenktafel für Pfarrer Dr. Hellmut Klima. Mit dieser Gedenktafel bedankte sich die Kirchengemeinde Neppendorf für 40 Jahre ununterbrochenen Dienst Pfarrer Klimas in und an der Gemeinde. Mit einfühlsamen Worten beschrieb Pfarrer Heinz Galter sen. das Leben und Wirken seines Vorgängers, der nicht nur Theologe, sondern auch Historiker war. Kurator Kefer überreichte einen aus dem Dachsteingebirge stammenden Stein mit dem Bildnis der Goiserer Kirche als Geschenk an die Kirchengemeinde Neppendorf. Eine kleine finanzielle Spende war auch dabei. Vor dem Heldendenkmal wurde der Toten der beiden Weltkriege sowie der in die Sowjetunion Deportierten gedacht. Am Fuße des Denkmals legten zwei Kriegsteilnehmer einen Kranz nieder. Dazu spielten die Musikanten Trauerchoräle.

Am Nachmittag wurde eine Ausstellung zu Ehren Dr. Hellmut Klimas in der Evangelischen Akademie eröffnet. Monica Vlaicu vom Kultur- und Begegnungszentrum Friedrich Teutsch in Hermannstadt führte gekonnt durch die Ausstellung, die eine bis dahin wenig bekannte Seite des Gefeierten zeigte: den Sammler. Anschließend stellte Pfarrer Wolfgang Rehner die Monographie über Neppendorf, herausgegeben von Renate Bauinger, geborene Liebhart, vor. Neppendorf hat endlich auch ein Heimatbuch. Wie Maria Klima in ihrem Grußwort an die Gemeinde aufzeigte, ist das Erscheinen des Heimatbuches ein später Dank an ihren Mann. Durch dieses Buch sei der sehnlichste Wunsch von Pfarrer Dr. Klima in Erfüllung gegangen.

In diesem Jahr wäre er 90 Jahre alt geworden. Am frühen Abend versammelte man sich auf dem schönen Friedhof – wenn auch nicht mehr so gepflegt wie einst, wird er noch immer gut instandgehalten von den wenigen Landsleuten, die noch in Neppendorf leben. Vor den Gräbern der Ahnen und Freunde in die eigenen Gedanken versunken, lauschten alle den bewegenden Worten von Pfarrer Galter und keiner schämte sich seiner Tränen bei den Klängen der Trauermusik. Nach dem Innehalten auf dem Friedhof ging es zurück in den Gemeindesaal, wo noch viel getanzt und geplaudert wurde. Bei einem Gläschen Wein, spendiert von unserem Landsmann Michael Rastel, fanden Neppendorfer und Goiserer immer mehr Gesprächsstoff, so dass beim Auseinandergehen manch neue Freundschaft geknüpft war.

Am Sonntag (7. August) nahmen die Gäste an den Feierlichkeiten in Großau teil. Empfangen wurden sie vom Großauer Kurator Mathias Krauss, und geschlossen ging es zum Festgottesdienst. Michael Liebhart las in landlerischem Dialekt sein Gedicht „Gibt es eine Mehrzahl für Heimat“ vor. Eine Mehrzahl für Heimat gibt es nicht. Dafür aber gab es viele Tränen. Sogar die Goiserer Gäste schämten sich ihrer Tränen nicht. In einem im Burghof aufgestellten Zelt empfing die Blasmusik zu einem guten Mittagessen. Zuvor übergab Kurator Kefer sein Gastgeschenk an die Großauer. Die Theatergruppe unter der Leitung von Maria Schenker führte vor, wie die Großauer zu ihrer Turmuhr kamen. Da der Regen nachließ, zeigten die Jugendlichen auch noch, dass sie die sächsischen Volkstänze beherrschen. Sie begeisterten unsere Gäste so sehr, dass diese sich mit zwei österreichischen Volksliedern bedankten. Zum Schluss sangen alle fest umschlungen das Siebenbürgenlied. Mit Freude im Herzen angesichts dieser schönen Stunden in Großau verabschiedeten sich die Gäste und wieder ging es zurück nach Neppendorf.

Gedenkfeier am evangelischen Friedhof in Neppendorf. Foto: Renate Bauinger
Gedenkfeier am evangelischen Friedhof in Neppendorf. Foto: Renate Bauinger

Am 8. August empfingen uns Pfarrer Wilhelm Meitert mit Ehefrau und Kurator Kirr in Großpold und führten uns in die Kirche. Nach einigen Daten zur Geschichte der Kirche und einer kleinen Andacht gingen wir in den Gemeindesaal. Nach siebenbürgischer Art wartete man uns Krapfen, Nussstrudel und Kaffee auf. Der Wein der Großpolder stand auch auf dem Tisch. Geplaudert wurde auch, denn inzwischen hatten die Freunde aus Österreich schon manches zu erzählen, was sie in den letzten Tagen erlebt hatten. Die Gäste aus Österreich erhielten zum Abschied ein auf Porzellan gemaltes Bildnis der Kirche von Großpold. Anschließend unternahmen sie noch eine Erkundungsfahrt in die umliegenden Hirtendörfer von Hermannstadt und waren sehr begeistert von der wunderschönen Landschaft dieser Gebirgsdörfer. Als es am Morgen des 9. August Abschied nehmen hieß, war ich als Organisatorin dieser Fahrt überzeugt, dass das Motto dieser Reise erfüllt war.

Eva Hoffmann


Schlagwörter: Landler, Österreich

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