24. April 2016

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In Dinkelsbühl schlägt ein Herz für die Siebenbürger Sachsen

In Dinkelsbühl schlägt nicht nur zu Pfingsten das Herz für die Siebenbürger Sachsen. Das zeigte sich im letzten Sommer, als die Notsituation in Gundelsheim publik wurde. Dem Spendenaufruf zum Ankauf von Schloss Horneck folgend, wurde die VR Bank mit 100000 Euro Gründungsmitglied des Trägervereins. Über die Motivation und Hintergründe dieses Engagements sprach Chefredakteur Siegbert Bruss mit Dr. Christoph Glenk, Vorstandsvorsitzender der VR Dinkelsbühl.
Am 29. September 1955 in Stuttgart geboren, machte Christoph Glenk eine Banklehre in Neustadt an der Weinstraße, studierte von 1978 bis 1981 Betriebswirtschaftslehre in Saarbrücken und stieg als Verbandsprüfer beim Genossenschaftsverband der Volksbanken Raiffeisenbanken ein, wurde danach Vorstandsassistent und wirkte in Führungspositionen bei der Volksbank in Rosenheim und Worms, bevor er 1992 Vorstandsvorsitzender der VR Bank in Dinkelsbühl wurde. Seine Bank öffnet sich zunehmend für alle Siebenbürger Sachsen. Dr. Christoph Glenk hält im Rahmen des Heimattages, am 14. Mai um 15.45 Uhr, zusammen mit Helmut Batz einen Vortrag zum Thema „Vermögensanlage – auch in Zeiten der Nullzinspolitik“ (siehe Programm des Heimattages).

Weshalb hat sich die VR Bank Dinkelsbühl für die Rettung von Schloss Horneck in Gundelsheim engagiert?
Das Engagement für Schloss Horneck kommt aus der Historie unserer Bank, die viele siebenbürgische Mitarbeiter und Kunden hat. Und wir sind in Dinkelsbühl beheimatet. Hier werden die Pfingstfeiertage durch die Heimattage der Siebenbürger Sachsen geprägt. Da sieht man eine Menge Siebenbürger Sachsen, fast doppelt so viele wie die Stadtbewohner. Das lässt einen aufhorchen, und als offener Mensch pflegt man den einen oder anderen Kontakt und lernt die Landsmannschaft und diesen eigenständigen Kulturbereich kennen. So haben wir verstanden, dass Not am Mann war und Schloss Horneck als siebenbürgisches Kulturzentrum vielleicht hätte untergehen können. Deshalb habe ich Mitte August 2015 den Bundesvorsitzenden Dr. Bernd Fabritius angerufen und gefragt, ob wir helfen könnten. Er sagte, die Siebenbürger Sachsen stünden vor einer Herkulesaufgabe und müssten dem Insolvenzverwalter in einigen Tagen Bescheid geben, ob sie eine Million Euro stemmen können oder nicht. Sie seien erst bei 700000 Euro. Das hat uns dazu bewegt, von unserem Haus eine kräftige Unterstützung zu geben, um Schloss Horneck retten zu können.
Im Nachhinein war das eine mutige Entscheidung, denn manche Außenstehende, die keinen Kontakt zu den Siebenbürger Sachsen haben, konnten das nicht verstehen. Auf der anderen Seite sollte man auch nie so engstirnig sein, sondern wenn Not am Mann ist, der eigenen Landsmannschaft im Sinne des heutigen Europa helfen. Das war eine sehr gute Entscheidung, denn das Schloss ist nun als Gebäude gerettet und kann sinnvoll genutzt werden.

Vorstandsvorsitzender Dr. Christoph Glenk. Foto: ...Vorstandsvorsitzender Dr. Christoph Glenk. Foto: VR Bank DinkelsbühlSie haben auch argumentiert, dass die VR Bank gewissermaßen eine siebenbürgisch-sächsische Bank ist.
Ja, in einer übertragenen, großzügig gesehenen Bezeichnung sind wir eine siebenbürgisch-sächsische Bank, weil wir nicht nur viele Mitarbeiter, sondern auch viele Kunden der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen haben. Im täglichen Umgang merkt man ihr Gedankengut, ihre sparsame Art. Als Banker freut man sich über Kunden, die anders denken und sparsam sind. Wir sind die Drehscheibe des Geldes. Es ist unsere Aufgabe, Geld sicher anzulegen und auf der anderen Seite wieder sicher auszugeben. Bei den Siebenbürger Sachsen ist es so gut wie immer garantiert, dass sie die Kredite wieder zurückbezahlen.

Dinkelsbühl pflegt seit zehn Jahren eine Städtepartnerschaft mit Schäßburg. Sind Sie auch an diesen Beziehungen zu Siebenbürgen beteiligt?
Bei der Gründung des Freundeskreises Dinkelsbühl – Schäßburg war ich dabei und reiste vor zehn Jahren nach Schäßburg. Ich war von Anfang an beeindruckt von dem schönen Kulturgut, das noch vor Ort vorhanden ist. 2015 haben wir die zehnjährige Partnerschaft bei uns in Dinkelsbühl gefeiert, dieses Jahr wollen wir mit einer Delegation nach Schäßburg fahren. Schauen wir, ob ich die Reise vom Datum her mitmachen kann. Ich war überrascht, wie hoch das deutsche Kulturgut vor Ort gehalten wird. Es ist dringend notwendig, hilfsbereit zu sein, weil die Zustände vor zehn Jahren noch weit hinter jenen der Bundesrepublik waren. Ich war wiederholt in Schäßburg und in Siebenbürgen überhaupt, um das Land besser verstehen zu können. Und ich freue mich jedes Mal, wenn ich sehe, wie es doch vorangeht. Bedauerlicherweise werden die Deutschen immer weniger. Wichtig ist es zu versuchen, die verschiedenen Gemeinden zu retten, vor allem die Kirchenburgen.

Was finden Sie besonders an der siebenbürgisch-sächsischen Kultur?
Das Faszinierende an der siebenbürgisch-sächsischen Kultur ist der starke Zusammenhalt, fast der Drang, sich gegenseitig zu unterstützen, was man so im deutschen Alltag gar nicht kennt. Im Ausland kenne ich die eine oder andere Gruppierung, die zusammenhält, aber in Deutschland ist es mir nie so aufgefallen wie bei dieser Landsmannschaft. Es fasziniert mich, dass das eine Selbstverständlichkeit ist, vielleicht begründet in der Geschichte, in den schwierigen Zeiten, die man über Jahrhunderte mitmachen musste, um zu überleben, um seine Rechte zu erkämpfen und zu erhalten. Der starke Zusammenhalt war und ist für die Siebenbürger Sachsen immer ein wichtiges Gut, auch heute in dieser freidenkenden Zeit.

Die VR Bank Dinkelsbühl ist Gründungsmitglied im Siebenbürgischen Kulturzentrum Schloss Horneck e.V. Welches sind Ihre Eindrücke von den Sitzungen, wie entwickelt sich das Projekt aus Ihrer Sicht?
Ich war von Anfang bei den Versammlungen des Trägervereins dabei und bin beeindruckt von den einheitlichen Zielen, die man umsetzen möchte, um dem Siebenbürgischen Kulturzentrum mit Museum, Bibliothek und Archiv, Siebenbürgen-Institut u.a. eine Heimstatt zu bieten und um eine Begegnungsstätte einzurichten. Jede Richtung, die im Vorstand sitzt, hat das gleiche Ziel mit unterschiedlichen Blickwinkeln. Das ist wiederum der Reiz, dass man versucht, alle unter einen Hut zu bringen, und das wird man auch meistern, da besteht überhaupt keine Frage. Es gibt lebhafte Gespräche über Flächenanteile, die man im Schloss benötigt, um sich entsprechend zu präsentieren. Es geht um Restaurierungen und Geld, um die gemeinsamen Ziele umsetzen zu können. Alle ziehen an einem Strang, selbst Außenstehende wie ich, um Schloss Horneck in neuer Blüte erstehen zu lassen.

Wie kann man diese guten Vorsätze umsetzen?
Das Projekt wird gelingen durch die grundsätzliche Einstellung der Landsmannschaft und der begleitenden Freunde, die – so wie unser Haus – mitgehen. Es wird anstrengend werden, weil es eine Kostenfrage sein wird. Wir brauchen noch viele Unterstützer. Mit den Spenden wurde erst das Schloss gekauft. Es wird eine aufwändige Aufgabe sein, das repräsentativ und gut umzusetzen. Die Begegnungsstätte muss so gut gelingen, dass auch andere gern kommen. Denn es ist wichtig, dass nicht nur Siebenbürger Sachsen die Begegnungsstätte nutzen, sondern sich auch andere Menschen hier treffen können. Neben den üblichen Spendenaufrufen sollten wir für Schloss Horneck auch Spendenbausteine anbieten, um eine höhere Identifikation zu ermöglichen: Da habe ich diese Tür oder dieses Zimmer oder jenen Baustein im Schloss gespendet. Diese Identifikation wird an die nächste Generation weitergegeben. „Hier hat mein Großvater geholfen, mich animiert es auch“, sagt einige Jahrzehnte später der Enkel, wenn wieder eine Renovierung ansteht.

Sie haben die Idee, dass sich die VR Bank in Dinkelsbühl den siebenbürgisch-sächsischen Kunden in ganz Deutschland öffnet.
Wir sind eine Regionalbank, eine Genossenschaftsbank, in der viele Siebenbürger Sachsen als Mitarbeiter tätig sind und – wir sitzen ja in Dinkelsbühl – ein Herz für Siebenbürgen schlägt. Wir haben deshalb gern für Schloss Horneck gespendet und wollen mit der Landsmannschaft auch die siebenbürgisch-sächsische Kultur weitertragen. Auf der anderen Seite würden wir uns freuen, wenn wir noch mehr Siebenbürger Sachsen als Kunden hätten, weil die Zeiten gar nicht so einfach für uns sind. Die Europäisierung wird bedingen, dass die kleineren Banken immer mehr an die Wand gedrückt werden. Wir sind gesund, wunderbar, wir schauen aber auch, dass wir vorankommen. Da würden wir uns freuen, den einen oder anderen Siebenbürger beraten zu dürfen auf der Anlagenseite – wir haben sehr gute, bundesweit anerkannte Anlageberater – als auch auf der Finanzierungsseite, im Kreditbereich, mit allen möglichen Förderkrediten. Als erster Ansprechpartner für alle Siebenbürger Sachsen in Deutschland bietet sich Georg Schuster, eine eine anerkannte Persönlichkeit, an. Er ist ehrenamtliches Mitglied im erweiterten Vorstand des Landesverbandes Bayern und Vorsitzender der Kreisgruppe Dinkelsbühl-Feuchtwangen des Verbandes der Siebenbürger Sachsen.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Schlagwörter: Wirtschaft, Dinkelsbühl, Schloss Horneck, Heimattag 2016

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