29. Oktober 2021

Video "Die Schulen der Siebenbürger Sachsen" feiert Premiere auf YouTube

Das Video „Die Schulen der Siebenbürger Sachsen“ mit zahlreichen historischen Bildern feiert Premiere am 1. November 2021 um 19.00 Uhr auf dem YouTube-Kanal von Siebenbuerger.de unter dem Link https://youtu.be/_K3L48VPXr0. Die Macher des Videos Michael Schneider, ehemaliger Leiter des Schulmuseums Nürnberg, und Doris Hutter, Geschäftsleiterin des Hauses der Heimat (HdH) Nürnberg und Ehrenamtliche im Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, im Gespräch mit der Siebenbürgischen Zeitung.
Startbildschirm der YouTube-Premiere „Die Schulen ...
Startbildschirm der YouTube-Premiere „Die Schulen der Siebenbürger Sachsen“
Das Thema „Die Schulen der Siebenbürger Sachsen“ leuchtete erstmals im Jahre 2005 auf, als Titel einer Ausstellung des Schulmuseums Nürnberg. Doch wie kam das Schulmuseum – eine Gemeinschaftseinrichtung der Universität Erlangen-Nürnberg und der Museen der Stadt Nürnberg – überhaupt zu diesem Thema?

Michael Schneider: Zunächst als mein ganz persönliches Wunschthema als damaliger Leiter des Schulmuseums. Als Siebenbürger Sachse wollte ich nach langjähriger Tätigkeit am Schulmuseum und an der Universität Erlangen-Nürnberg und zahlreichen schulgeschichtlichen Ausstellungen einen sichtbaren Akzent setzen und mich zu meiner siebenbürgischen Herkunft und der in Siebenbürgen genossenen Schulbildung deutlich bekennen. Auch hoffte ich, dass mit den Mitteln einer staatlichen Einrichtung dem allseits beklagten Defizit im Wissen über die Siebenbürger Sachsen und ihre kulturellen Leistungen wirkungsvoller begegnet werden könne.

Dieses Thema wurde doch sicher begeistert aufgenommen?

Michael Schneider: In den Gremien, die die Tätigkeit des Schulmuseums koordinierten, begegnete man dem Vorhaben erst mal mit Skepsis. Ob denn hinreichend Substanz dahinterstecke, ob Exponate vorhanden seien, ob auch genügend interessierte Besucher für dieses Thema vorausgesetzt werden könnten, ob eine Ausstellung über das Schulwesen der osteuropäischen EU-Beitrittskandidaten nicht sinnvoller sei? Dem Einwand zur mangelnden Substanz begegnete ich mit Hinweis auf die beiden Bände der angesehenen Reihe „Monumenta Germaniae Paedagogica (Bd. 6 und 13), in denen Friedrich Teutsch (1852-1933) gegen Ende des 19. Jahrhunderts die siebenbürgisch-sächsischen Schulordnungen publiziert hatte, mit den Arbeiten der Sektion Pädagogik und Schulgeschichte im Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde (AKSL) sowie mit den Publikationen von Prof. Walter König (1925-2015). Die Schulgeschichtliche Sammlung der Universität besaß allerdings nur wenige Exponate zur siebenbürgisch-sächsischen Schulgeschichte…

Was machte Sie dann zuversichtlich, dass die Ausstellung zu stemmen sei?

Michael Schneider: Die Zusagen des Siebenbürgischen Museums und des Siebenbürgen-Instituts (beide Gundelsheim) sowie das breite Echo auf einen Aufruf in der Siebenbürgischen Zeitung machten zuversichtlich. Eine ältere Leserin dieser Zeitung bot großzügig Leihgaben aus ihrer Schulzeit in Siebenbürgen an und beteuerte: „Wir hatten in Siebenbürgen die besten Schulen der Welt.“ Das war gut gemeint, die Ausstellung sollte aber strengen wissenschaftlichen Ansprüchen genügen und Wertungen nach Möglichkeit vermeiden.
Das Video „Die Schulen der Siebenbürger Sachsen“ ...
Das Video „Die Schulen der Siebenbürger Sachsen“ feiert Premiere am 1. November 2021 um 19.00 Uhr auf dem YouTube-Kanal von Siebenbuerger.de
Damit dürfte dem Vorhaben nichts mehr im Wege gestanden haben, oder?

Michael Schneider: Die Ausstellung wurde am 11. Oktober 2005 im Schulmuseum feierlich eröffnet, u.a. mit einem Kulturprogramm unseres Kreisverbandes Nürnberg, und ging dann ab 2006 auf Wanderschaft, u.a. nach Dinkelsbühl, Wels (Österreich), München, Herzogenaurach, Stuttgarter Rathaus, Mössingen, Tübingen, Erlangen, Fürth, Hermannstadt und Kronstadt. Eine portable Version der Ausstellung wurde vom Kreisverband Nürnberg für Heimatortstreffen u.Ä. ausgeliehen. Die Ausstellung wurde mit ca. 40 Standorten und Tausenden Besuchern zu einer der erfolgreichsten Ausstellungen des Schulmuseums Nürnberg.

Gratulation, Herr Schneider! Sind Sie damit wunschlos glücklich?

Michael Schneider: Eine Erwartung hat sich leider nicht erfüllt: Auch mit dieser Ausstellung ist es nach meiner Wahrnehmung nicht gelungen, Nichtsiebenbürger nachhaltig für siebenbürgische Kulturleistungen zu interessieren. Bei den Siebenbürger Sachsen jedoch scheint die Ausstellung einen sensiblen Nerv getroffen zu haben, was wir so deuten, dass die Schule für sie in hohem Maße identitätsstiftend war bzw. noch ist. Die Ausstellung hat sie darin bestärkt, zu erkennen: Ja, die siebenbürgisch-sächsischen Schulen und auch die in ihrer Tradition stehenden deutschsprachigen Schulen hatten bzw. haben ein beachtliches Niveau; wir haben eine gute Schulbildung vorzuweisen und können zumindest in dieser Hinsicht jedem selbstbewusst und auf Augenhöhe begegnen. Auch wenn es diese Schulen längst nicht mehr gibt, bleibt vieles von dem, was sie verkörperten, auch heute aktuell: Genannt seien hier die große Wertschätzung der Schule in der Gesellschaft sowie das hohe Berufsethos vieler Lehrerinnen und Lehrer, die sich nicht dem Staat, sondern den Schülern und Eltern verpflichtet fühlten. Die höheren Schulen waren bis zum Einzug des Nationalsozialismus offen für alle Nationalitäten Siebenbürgens und gewährten den Schülern über die Coeten (Schülerverbindungen) ein hohes Maß an Selbstbestimmung.

Schade, dass die beiden Ausstellungen inzwischen in Lagerräumen des Schulmuseums, bzw. Haus der Heimat (HdH) Nürnberg liegen und zu verstauben drohen. Dem wolltest du, Doris Hutter, offensichtlich abhelfen. Wie ist dein Bezug zur Ausstellung?

Doris Hutter: Michael Schneider suchte frühzeitig den Kontakt zum HdH und Kreisverband Nürnberg, damit bei der Eröffnung auch junge Menschen mit Wurzeln in Siebenbürgen mitwirken. Ich leitete damals im Rahmen des Kreisverbands Nürnberg das Jugendtheater Nürnberg. Die Uni Erlangen-Nürnberg wünschte ein altes Volkslied und etwas Aktuelles mit Kindern. So kam das Singspiel „Medche, wällt’den Kanter niën?“, das ich mit der heutigen Bundeskulturreferentin Dagmar Seck, damals Gymnasiastin, aufführte, ins Programm. Ebenso der Einakter des Jugendtheaters „Auch Füller können fremd sein“, den ich somit im Auftrag schrieb und im Übergangswohnheim verortete. Der Film „Schulzeit in Siebenbürgen“, den ich als Kulturreferentin des Landesverbands Bayern im Rahmen eines Jugendprojektes 2005 produzierte, kam ins Begleitprogramm der Ausstellung.

Und wie kamst du auf die Idee, die Ausstellung als Video zu gestalten?

Doris Hutter: Das Thema finde ich überaus wichtig, weil unsere ehemaligen Schulen unsere Geschichte über Jahrhunderte geprägt haben, also Teil unserer auch heutigen Identität wurden, und Respekt hatte ich schon immer vor dieser Ausstellung. Oft habe ich sie zu Veranstaltungen mitgenommen und durfte Herrn Schneider als Referentin vertreten, wenn er nicht dabei sein konnte. So wuchs sie mir ans Herz und der Gedanken reifte, als wir uns als Bundesvorstand des Verbandes der Siebenbürger Sachsen coronabedingt auf digitale Formate umstellten. Was, wenn nicht unsere Schulen, wären wert, digital um die Welt geschickt zu werden?!

Hast du die Inhalte und Fotos der Ausstellung einfach digitalisieren lassen?

Doris Hutter: Ehrlich gesagt, so einfach hatte ich es mir vorgestellt! Herr Schneider erlaubte mir, den Text für das Video zu kürzen, und wir suchten die Fotos aus. Das ging flott. Dann aber wurde es mühsam, weil die Bildrechte für Ausstellungen nicht automatisch für Videos gelten. Es begann die Suche nach Autoren, Verlagen, damaligen Bildausleihern. Dem Blick und den Erwartungen von heute geschuldet kamen neue Bilder, ein neues Ende, Musik und die Sprecherin Stefanie Schmidts hinzu.

Hast du das alles mit Michael Schneider alleine gestemmt?

Doris Hutter: Natürlich nicht! Dafür hat man funktionierende Netzwerke. Gespräche mit dem Siebenbürgen-Institut und Siebenbürgischen Museum waren aufschluss- und hilfreich, Annette Folkendt bearbeitete die Bilder, Konrad Klein steuerte Daten zu alten Verlagen bei, die Postkarten herausgegeben haben, und Hermann Depner zeichnet für den Videoschnitt. Herzlichen Dank auch allen Bildgebern, dem Schulmuseum Nürnberg und dem Nürnberger Kulturbeirat zugewanderter Deutscher im Haus der Heimat, der seitens der Stadt Nürnberg das Vorhaben finanziell fördert!

Am 1. November 2021 um 19.00 Uhr ist Premiere des 45-minütigen Videos „Die Schulen der Siebenbürger Sachsen“, und zwar auf dem YouTube-Kanal von Siebenbuerger.de Direktlink zur Live-Premiere: https://youtu.be/_K3L48VPXr0. Hoffen wir, dass die digitale Version noch mehr Publikum erreichen wird als die erfolgreiche Ausstellung.

Doris Hutter: Das Video ist nicht nur für uns, unsere Nachkommen und hoffentlich auch viele Nichtsiebenbürger gedacht, sondern auch als Dank an unsere Vorfahren, die so klug waren, den unbezahlbaren Wert guter Schulen zu erkennen, zu verteidigen und somit in unser geistiges Erbe einzupflanzen.

Danke für das Gespräch.

Schlagwörter: Medien, Schulgeschichte, YouTube, Siebenbuerger.de, Nürnberg, Doris Hutter

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