9. April 2011

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Ochsenlauf durch Nürnberg

Beim ältesten Faschingszug der Welt am 6. März in Nürnberg waren wir mittendrin: mit einem Faschings- bzw. Aschermittwochsbrauch aus Nordsiebenbürgen, dem Ochsenlauf mit Winteraustreibung.
Das Jubiläumsjahr des Kreisverbandes Nürnberg wurde mit verschiedenen Aktivitäten begrüßt. Kaum war Silvester vorüber, begannen die Vorbereitungen für die Faschingsveranstaltungen. In Herzogenaurach, Schwabach, Fürth, Nürnberg und Roßtal wurde ausgiebig gefeiert. Dem schlossen auch wir uns am Faschingswochenende an, als wir am 6. März beim ältesten Faschingszug der Welt in Nürnberg mitliefen. Für viele der Teilnehmer war die Nacht recht kurz geworden, denn in Roßtal hatte die Nachbarschaft zum Faschingsball eingeladen. Aber noch bevor der Zug sich in Bewegung setzte, kam Stimmung auf, als man die Vorbereitungen vor dem Abmarsch traf. Die Kostüme wurden bestaunt, denn seit letztem Jahr haben wir Zuwachs bekommen und neue Kostüme mussten her. Der Pflug und der Bollerwagen mussten ausgeladen und aufgestellt werden. Helmut Miess kümmerte sich um den Transport der Geräte. Als sich der Zug in Bewegung setzte, wurden wir von den Zuschauern am Straßenrand durch viel Applaus belohnt.

Letztes Jahr mussten wir noch mit einem Eisenpflug Vorlieb nehmen. Inzwischen konnte Hans Wagner einen Original-Holzpflug ersteigern und einen Bollerwagen dazu. Beides musste aus Bingen am Rhein und Jülich abgeholt werden. Wieder kam eine Menge Arbeit auf unseren nimmermüden Johann Nierlich zu, der den Pflug (wieder) startklar machte. Die Kostüme und die Vorbereitungen für den Lauf wurden von fleißigen Händen der Frauen und Männer aus der Nösner Nachbarschaft und Melitta Faff von der Nachbarschft Roßtal gefertigt. Ihnen gebührt unser audrücklicher Dank.Faschingsumzug in Nürnberg. Foto: Hans Wagner ...Faschingsumzug in Nürnberg. Foto: Hans Wagner „Der Ochsenlauf“ wurde in verschiedenen Gemeinden Nordsiebenbürgens am Aschermittwoch vorgeführt. Er diente im übertragenen Sinne dazu, den Winter zu vertreiben und das Land für das Frühjahr vorzubereiten. Allen voran laufen im Zug die Schneemänner bzw. -frauen, die von Hexen gejagt werden. Es folgt ein „Ochsengespann“, geführt vom Altknecht, bestehend aus zehn bis zwölf Männern und Burschen der Nachbarschaft und Jugend in ihren weißen Gewändern, die mit bunten Bändern und Schellen bestückt sind, als Ochsen eingespannt und den Pflug ziehen, den der Bauer lenkt. Auf dem Pflug steht ein Pärchen, Peter und Gretchen genannt, sich an den Händen haltend, die Freude ausdrückend, dass der Winter vertrieben wurde und bald das Frühjahr kommt. Ein Ochsentreiber spornt das Ochsengespann mit der Peitsche, die er immer wieder schnalzen lässt, zu Höchstleistungen an. Zwei Sämänner laufen hinterher und streuen das Saatgut für das Frühjahr aus (in unserem Fall waren es Süßigkeiten und Konfetti). Die Vogelscheuchen haben die Aufgabe, die Saatkrähen zu vertreiben. Der Finanzmann (Frack und Zylinder) treibt den Sold in Naturalien ein. Die Zigeunerinnen sagen schon mal die Zukunft voraus. Die blau-rot kostümierten „Läufer“ sorgen für gute Laune und auch schon mal dafür, dass sie ihren Spaß mit den Zaungästen treiben … Früher mussten die vorlauten Kinder für ihr loses Mundwerk büßen.

Nach dem Faschingslauf trafen wir uns alle zum Feiern im Genossenschaftssaalbau in Nürnberg-Bauernfeind, wo wir zusammen mit Freunden bis spät in den Abend hinein bei Tanz und Gesang beisammen waren. Für gute Stimmung sorgte unser Landsmann Hansi Müller.

Wir sind stolz und dankbar, dass wir diesen Nordsiebenbürger Faschingsbrauch wieder ins Leben gerufen haben, dass wir mit Unterstützung des Kreisverbandes, des Hauses der Heimat und durch verschiedene Spenden es geschafft haben, bei diesem großen Ereignis dabei zu sein. Wir danken herzlich der Nachbarschaft Roßtal, der Jugendtanzgruppe Nürnberg und all unseren Siebenbürger und Banater Freunden für die Unterstützung und das Mitmachen. NOSA Helau!

Annemarie Wagner

Schlagwörter: Nürnberg, Fasching, Umzug

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