17. Dezember 2010

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Bertha von Brukenthals "Missa Solemnis" wird in München aufgeführt

Als wir die Musikwoche der Gesellschaft für deutsche Musikkultur im südöstlichen Europa e.V. für 2010 vorbereiteten, konnten wir nicht erahnen, welche Wellen die Aufführung von Werken einer bisher verschollenen Komponistin schlagen würden. Obzwar man über wenige Informationen zum Wirken der Komponistin verfügte, ist es der Musikwissenschaftlerin Dr. Rita Fischer zu verdanken, dass wir heute nicht mehr vor einem Rätsel stehen.
Die Komponistin Bertha von Brukenthal wurde am 14. März 1846 in Wien als Bertha Czekelius von Rosenfeld geboren. In ihren bei bedeutenden Verlegern gedruckten Werken nennt sie sich „Bertha von Brukenthal, geborene Baronin von Rosenfeld“. 1865 heiratete sie den Baron Hermann (Ármin) Károly József von Brukenthal, der 1872 in Hermannstadt verstarb. Sie überlebte ihn um 36 Jahre und starb 1908.

Dr. Rita Fischer konnte im Coburger Musikarchiv zahlreiche im Druck erschienene Werke dieser Komponistin entdecken, auch die Sechs Chöre für 4 Männerstimmen, op.14, gewidmet „Seiner Hoheit dem Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha“. Zu den Werken dieser Sammlung gehören meist Kammermusikstücke, Lieder und Chöre. So auch Zwei Lieder, op.20, gewidmet der Wiener Malerin Rosa Schweninger (1854-1918). Es ist anzunehmen, dass sich die beiden Frauen gut kannten, denn das einzige uns bekannte Porträt der Komponistin stammt von dieser Malerin und befindet sich im Besitz des Brukenthal-Museums in Hermannstadt (Inv.-Nr. 1288 (XVIII.h.). Titelseite der Missa Solemnis von Bertha von ...Titelseite der Missa Solemnis von Bertha von Brukenthal Bertha von Brukenthal schrieb außerdem einige Kirchenmusikwerke, die stark vom Stil des damals vorherrschenden Cäcilianismus geprägt sind. Ihr Vorbild war der in Augsburg geborene Komponist und spätere Wiener Kirchenmusiker Otto Müller (1837-1920), der vermutlich auch ihr Lehrer war.

Die meisten ihrer Kompositionen, die wir bisher kennen, tragen Widmungen Adliger jener Zeit wie auch vieler Künstler, so „Princesse Julie Montenuovo née Comtesse Batthyany“, Francesco Pandolfini, Baronin Marie Kress von Kressenstein, Graf François Gatterburg, Gräfin Gabrielle Wurmbrand, geborene Gräfin Bussy, „Meinem lieben Patenkinde Comtesse Bertha Kolowrat“, Gräfin Melanie Palffy, geborene Gräfin Almasy usw.

Besonders interessant ist ihre Missa Solemnis, op. 7, die sie dem damaligen Erzbischof von Kalocsa, Dr. Ludwig Haynald, gewidmet hat. Dieser ist 1816 geboren, studierte in Gran, Tyrnau und Wien und promovierte 1841 in Theologie. 1842-1846 war er Professor der Theologie in Gran/Esztergom. Er beschäftigte sich intensiv mit Naturwissenschaft, besonders mit der Botanik. Im Jahre 1851 wurde er Koadjutor des Bischofs zu Karlsburg/Alba Julia und 1852 Bischof von Siebenbürgen. 1863 entsagte er seinem Bistum und lebte in Rom, bis er 1867 als Erzbischof von Kalocsa nach Ungarn zurückkehrte. Am 12. Mai 1879 wurde er von Papst Leo XIII. zum Kardinal erhoben.

Erzbischof Haynald war ein bedeutender Förderer der Musik. So war er Mitglied jenes Kuratoriums, das die Franz Liszt-Musikhochschule in Budapest gegründet hat. Wir finden ihn auf einem Foto neben Franz Liszt anlässlich dessen 50. Künstlerjubiläums. Haynald hat in seiner Zeit als Bischof von Siebenbürgen die Statuten des Hermannstädter Kirchenmusikvereins genehmigt. Bertha von Brukenthal hat ihre Missa Solemnis 1871 in Innsbruck veröffentlicht und sofort fand diese Komposition eine größere Verbreitung. Wir wissen, dass dieses Werk, komponiert für Chor, Orgel und Orchester, auch in der katholischen Pfarrkirche (Jesuitenkirche) in Hermannstadt aufgeführt wurde, wie im Inventarium der Kirche festgehalten wurde. Die Messe wurde in vielen Gottesdiensten bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts mehrmals aufge- führt.

Der Kirchenchor & Banater Chor St. Pius, München führt dieses Werk am 19. und 25. Dezember 2010, jeweils um 9.30 Uhr, in St. Pius (München, U2, U5 Innsbrucker Ring, Nähe Ostbahnhof) auf. Bereits am 4. Dezember erklang diese Messe der Hermannstädter Komponistin in der Kirche St. Franz Xaver (München-Trudering), aufgeführt vom dortigen Kirchenchor.

Dr. Franz Metz

Schlagwörter: Musik, Konzert, München

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