4. August 2012

Das 17. Carl-Filtsch-Wettbewerb-Festival in Hermannstadt

Das zwischen dem 9. bis 15. Juli in Hermannstadt ausgetragene 17. Carl-Filtsch-Wettbewerb-Festival nähert sich seiner Volljährigkeit. 39 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Rumänien, der Republik Moldau, Weißrussland, Russland, Bulgarien, Frankreich und erstmalig auch aus Belgien und Dänemark traten zum Wettbewerb an. Die Kleinsten der Kategorie A (bis 12 Jahren) überraschten die international besetzte Jury, bestehend aus Walter Krafft, Leiter des Münchener Musikseminars, Tatiana Levitina aus Russland, Daniela Andonova aus Bulgarien sowie Csiky Boldizsár, Smaranda Ilea und Valentin Gheorghiu aus Rumänien und dem Vorsitzenden der Jury Peter Szaunig aus Deutschland als kompakte Gruppe mit reifen Interpretationen, die teilweise dem Schwierigkeitsgrad der nächstfolgenden Kategorie gleichkamen.
Jüngste Teilnehmerin der Kategorie A war die sechsjährige Augustina Solomon, die ein Diplom erhielt. Sie trug unter anderem drei der erst kürzlich vom amerikanischen Musikwissenschaftler Ferdinand Gajewski entdeckten sechs kleinen Präludien von Carl Filtsch vor. Keiner konnte jedoch dem elfjährigen Igor Voronin aus der Republik Moldau den 1. Platz streitig machen. Mit seiner extrem ausgereiften Bach-Interpretation des Präludiums und der Sarabande aus der englischen Suite in a-Moll, einer sensiblen und einfühlsamen Interpretation der Barcarolle von Filtsch, einer gekonnt technisch vorgetragenen Etüde von Liszt sowie dem Walzer Op. 10 Nr. 2 von Rachmaninow entlockte er der Jury höchste Punktzahlen. Leider kam nicht das ganze Ausmaß seiner außerordentlichen Begabung am Sonntag beim Preisträgerkonzert zum Tragen, da er nur den Walzer von Rachmaninow interpretierte. Den zweiten Preis in der Kategorie A (bis 12 Jahre) erhielt die Bulgarin Katrin Terzich Goran, die auch den 1. Kompositionspreis für das beeindruckende Stück „Bulgarische Impressionen“ erhielt. Zwei dritte Preise gingen an Bianca Florentina Stănescu und Stefan Pretuleac, beide zehn Jahre alt. Einen zweiten Kompositionspreis erhielt die neunjährige Eva Maria Garlea aus Rumänien. Belobigungen gingen an Christian Paul Ionescu, Elena Rusu und die Bulgarin Atanosova Todorova Tsveta.

In der Kategorie B (12-16 Jahre) brillierte die vierzehnjährige Mihaela Culea aus der Republik Moldau, die in dieser Kategorie den 1. Platz belegte und durch ihr ausdrucksstarkes Spiel die anderen Mitstreiter in den Schatten stellte. Die Zuhörer des Preisträgerkonzertes kamen in den Genuss ihrer konzentriert-verinnerlichten Wiedergabe von Bachs Präludium und Fuge in g-Moll, der virtuos perlenden „Schwarze Tasten Etüde“ von Chopin und der grandios ausgereiften Interpretation der Etude-Tableau von Rachmaninow. Den zweiten Preis erhielt in dieser Altersgruppe Ovidiu Cristian Coruga, der von der Jury auch mit dem Filtsch-Preis für seine Interpretation der Mazurka bedacht wurde. Verdient hätte diesen Preis auch Mihaela Culea, die das „Adieu“ von Filtsch mit einer erstaunlich ergreifenden Emotionalität vorgetragen hat. Einen zweiten Preis für Komposition erhielt in der Kategorie B Sebastian Solomon aus Rumänien.
Große Leistung des kleinen Igor Voronin beim Carl ...
Große Leistung des kleinen Igor Voronin beim Carl-Filtsch-Wettbewerb-Festival in Hermannstadt. Im Hintergrund Peter Szaunig und Walter Krafft (rechts). Foto: Marianne Hügel
Von den acht Teilnehmern der Kategorie C (16-25 Jahre) schafften nach dem Pflichtprogramm den Sprung in die zweite Etappe sechs Pianisten. So konnte z. B. Tony Nguyen aus Dänemark sein interessantes Repertoire in der dabei nicht darbieten, da er nach der ersten Etappe aufgrund nicht einwandfreier Technik ausschied. Die Jury vereinnahmte der 24-jährige Dmitry Masleev für sich. Seine subtile Bachinterpretation des Präludiums und der Fuge in Cis-Dur, die Neuinterpretation der Sonate in D-Dur von Haydn und die brillanten Interpretationen der beiden Chopin-Etüden sowie die fulminante Wiedergabe des b-Moll Impromptus von Carl Filtsch überzeugten die Jury. Dmitry Masleev, der sich 2008 bei diesem Wettbewerb einen 2. Platz erspielt hatte, bewies einmal mehr, dass der Weg der Preis ist. Keiner kam an ihn heran. Am beeindruckendsten war jedoch die Interpretation seiner Rachmaninow-Transkription von Danse macabre aus der Saint-Saens/F. Liszt/W. Horowitz-Transkription, die einen höchsten pianistischen Schwierigkeitsgrad darstellt. Für seine außergewöhnliche Leistung wurde er von der Jury mit höchster Punktzahl und vom Publikum im Preisträgerkonzert mit stürmischem Applaus belohnt. Der zweite Preis wurde in dieser Kategorie nicht vergeben. Die Belgierin Cao Thanh Lan sowie Bogdan Marian Nicola und Attila Csaba Pentek waren Gewinner je eines dritten Preises. Letzterer erhielt auch einen Kompositionspreis für seine Etüde in cis-Moll, in der er seiner technischen Fertigkeit Ausdruck verlieh und innerhalb rascher donnernder Oktavenskalen diese überzeugend zu Gehör brachte.

Nicht verliehen wurde der im Vorjahr vom Juryvorsitzenden Peter Szaunig initiierte Preis für die Interpretation einer modernen Komposition sowie der vom Rotary-Club Hermannstadt neu gestiftete Preis für einen Teilnehmer aus Hermannstadt. Zum Befremden der Jury und des Publikums stellte sich kein Hermannstädter zum diesjährigen Wettbewerb.

Ohne die langjährigen Sponsoren wäre dieser Wettbewerb nicht möglich. Dem Kreisrat Hermannstadt, dem Bürgermeisteramt Hermannstadt, dem Deutschen Generalkonsulat in Hermannstadt, dem Haus des Deutschen Ostens München, dem Münchener Musikseminar, dem Demokratischen Forum der Deutschen in Rumänien, der Siebenbürgisch-Sächsischen Stiftung in München, der Heimatgemeinschaft der Deutschen aus Hermannstadt, dem Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, dem Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen, und nicht zuletzt dem Freundeskreis Landshut-Hermannstadt sei an dieser Stelle gedankt.

Das kleine Preisträgerkonzert, organisiert von Walter Krafft, fand, wie in den Vorjahren in Mühlbach, dem Geburtsort Carl Filtschs, in der Evangelischen Stadtpfarrkirche statt.

Auf der abschließenden Pressekonferenz zogen die Veranstalter Bilanz. Gelobt wurden die Rahmenbedingungen, die optimalen Übungsbedingungen, der Thalia-Saal und die Stadt selbst als Austragungsort. Jury-Mitglied Boldizsár Csiky, unterstrich die Tatsache, dass es sich bei diesem Wettbewerb um den zweitbedeutendsten Wettbewerb nach dem Enescu-Festival handele, was die internationale Beteiligung und die Preisgelder angehe. Peter Szaunig betonte das immer anspruchsvollere und perfektere Spiel der Teilnehmer.

Nicht unerwähnt bleiben sollten die von Ion Bojin, Direktor der Philharmonie, organisierten Abendveranstaltungen. Dem vierhändigen Klaviervortrag von Valentin Gheorghiu und Roxana Gheorghiu folgte ein Kammermusikvortrag des Gaudeamus-Quartetts. Donnerstag gab es ein Flöten- und Klavierrezital mit Cristina Bojin und Cristina Mureşan. Am Freitag trat Adela Liculescu auf. Sie hatte sich in den Vorjahren in jeder Kategorie einen Preis erspielt und wartete mit einem Feuerwerk pianistischer Brillanz und Technik auf. Auch sie bewies einmal mehr, dass der Weg der Preis ist. Im nächsten Jahr wird das 18. Carl-Filtsch-Wettbewerb-Festival zwischen vom 8. bis 14. Juli stattfinden.

Dagmar Dusil

Schlagwörter: Filtsch, Wettbewerb, Hermannstadt, Musik, Carl Filtsch

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