29. April 2014

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Ehemaliger Hoteldirektor Erich Haas: „Hinter den Kulissen großer Hotels“

Ein Leben so voller Erinnerungen, Geschichten und Bonmots, dass eine Stunde des unterhaltsamen Erzählens nicht ausreicht. Erich Haas, der in diesem Jahr seinen 95. Geburtstag feiern kann, berichtete am 9. April im Haus des Deutschen Ostens in München aus seinem Leben als Hotelchef. Unter dem Vortragstitel „Hinter den Kulissen großer Hotels“ entführte er die Zuhörer in die 1950er und 60er Jahre und schilderte eine Welt, in der sich das Who is Who der Wirtschafts-, Politik- und Kulturprominenz die sprichwörtliche Klinke in die Hand gab.
Am 14. Juli 1919 in Hermannstadt geboren, war Haas schon früh durch die exotischen Geschichten eines Bekannten der Familie fasziniert vom Hotelgewerbe. Durch die Kriegswirren zerschlug sich zunächst sein Traum vom Hotelier, gemeinsam floh die Familie nach Deutschland. Durch eine glückliche Fügung wurde Erich Haas in der Hotelfachschule in Heidelberg angenommen, die er als Bester seines Jahrgangs 1948 abschloss. Ein Empfehlungsschreiben brachte ihn schließlich nach München, in das legendäre Hotel Bayerischer Hof.

Ungeachtet der Widrigkeiten der Anfangszeiten stellte sich Haas der Herausforderung und arbeitete dort zwölf Jahre als Empfangschef. In dieser Zeit wuchs das Hotel, das nach dem Krieg gerade einmal noch zehn Zimmer hatte, auf 400 an. Haas empfing illustre Gäste wie Theodor Heuss, der ihn sofort als Siebenbürger Sachse erkannte aufgrund seines Dialekts. Gemeinsam mit dem ersten Bundespräsidenten der Bundesrepublik blieb er im Hotelaufzug stecken, der wieder einmal streikte. Der deutsche Politiker und Industrielle Philip Rosenthal erklärte Haas einmal, dass das Leben aus drei Ebenen bestehen würde. Lernen – Können – Weitergeben. Vor allem das Weitergeben, Werte zu vermitteln und zu transportieren, war für Erich Haas immer wichtig.

Erich Haas. Foto: Sarah Hummler ...Erich Haas. Foto: Sarah Hummler Neben bekannten Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft waren es die Anekdoten über die Kunstschaffenden, die die Zuhörer im Haus des Deutschen Ostens fesselten. Haas erzählte von Hans Albers, der die Zimmermädchen gerne in den Po kniff, von Hildegard Knef, die sich gerne beschwerte und drohte, aus dem zweiten Stock zu springen, von Elvis Presley, der seinen Frühstücksspeck auf dem Tischtuch mit der flachen Hand zerkleinerte, oder von Louis Armstrong, der ein Auge auf die Hotelbademäntel geworfen hatte und sich ein Dutzend nach New York schicken ließ. Mit einem Schmunzeln erzählte Haas, dass Marika Rökk ihn liebevoll „Häschen“ nannte. Pragmatisch half er Josephine Baker, ihren Stubentiger unter dem Bett hervorzulocken, und bekam zum Dank zwei Karten für ihre Vorstellung geschenkt.

Während seiner Zeit als Hoteldirektor auf Rhodos, Anfang der 1960er Jahre, buchte sich die Crew des Films „Die Kanonen von Navarone“ ein. Die Dreharbeiten wurden von der griechischen Königsfamilie besucht, unter anderem von der heutigen Königin von Spanien, Sofia von Griechenland. Viele lustige Stunden verbrachte er gemeinsam mit der Königin. Später einmal schrieb er ihr einen Brief, „damals waren Sie Prinzessin und heute Königin“, und legte ein Foto bei. Der Hofmarschall antwortete ihm, bedankte sich herzlich im Namen der Königin und fragte, ob er wohl noch weitere Fotos schicken könnte. Haas meinte, er würde die Fotos auch gerne selbst vorbeibringen, und „spekulierte auf eine Tasse Tee“. Zu dieser Teestunde kam es dann aber leider nicht.

Haas legte noch einige Stationen auf der ganzen Welt ein, bis er 1985 in Rente ging. Dies hielt ihn trotzdem nicht davon ab, noch bis in das Jahr 2002 einmal in der Woche für die Arabella Hotelgruppe tätig zu sein. Mit viel Witz und Charme gelang es Erich Haas, die Zeit für die Zuhörer im Flug vergehen zu lassen, so dass man gerne noch ein Weilchen sitzen geblieben wäre, um den spannenden und unterhaltsamen Geschichten zu lauschen. Weitere Erinnerungen von Erich Haas finden sich in seinem Buch „…eines Freundes Freund zu sein“ (ISBN: 978-3-935227-14-8), das 2009 in München erschienen ist und im Buchhandel oder bei info[ät]forummuenchen.org für 12 Euro erhältlich ist.

Sarah Hummler

Schlagwörter: Vortrag, München, HDO, Gesellschaft

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