31. Oktober 2014

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Tagung in Bad Kissingen: Rumäniens „Telerevolution“ von 1989

Zeithistorische Brisanz verspricht die Tagung „Die ‚Telerevolution‘ von 1989. Der politische Umbruch in Rumänien vor 25 Jahren im Spiegel der Medien“, die vom 12. bis 14. Dezember 2014 in der Bildungs- und Begegnungsstätte „Der Heiligenhof“ in Bad Kissingen stattfindet. Aufgabe des Seminars ist es, die Ereignisse der Revolution durch politische Analysen, Dokumentar- und Spielfilme aufzuklären sowie einen Blick auf die politischen Entwicklungen nach 1989 bis heute zu werfen. Hochkarätige Referenten wirken mit.
„Der Diktator ist gestürzt! Das Volk hat gesiegt! Rumänien ist unser! Gott hat uns geholfen!“ Mit diesen Worten verkündete der Dichter Mircea Dinescu am Abend des 22. Dezember 1989 im „Freien Rumänischen Fernsehen“ den Sieg der Revolution. In Rumänien war und ist bis heute strittig, ob es im Dezember 1989 überhaupt eine Revolution gegeben hat oder einen Staatsstreich moskauorientierter Reformkommunisten als Gegenspieler des nationalkommunistischen Regimes unter Nicolae Ceauşescu. Wenn es eine Revolution war, so ist es sicher, dass diese Revolution sehr bald „dem Volk gestohlen“ worden ist. Die Ereignisse im Dezember 1989 und die mediale Berichterstattung darüber sind Musterbeispiele von Falsch- und Desinformationen in den damaligen Massenmedien. So wurde die Zahl der Toten während der Kämpfe (zwischen wem?) Ende Dezember zunächst auf bis zu 70000 angegeben. Tatsächlich sind in diesen Tagen über 1000 Menschen gewaltsam ums Leben gekommen. Strafrechtlich ist dafür fast niemand belangt worden.

Nach dem revolutionären Taumel folgte für viele rumänische Bürger ein verkatertes Erwachen. Für rund die Hälfte der Landesbewohner, vor allem für die Landbevölkerung, hat sich die wirtschaftliche und soziale Lage verschlechtert. Sie sind nach dem Zusammenbruch der LPGs und Staatsbetriebe vielfach nur noch Selbstversorger in kleinbäuerlichen Betrieben. Bis zu drei Millionen Menschen sind mangels persönlicher und beruflicher Perspektiven seither aus Rumänien ausgewandert, darunter und unmittelbar nach den „Dezemberereignissen“ rund 150000 Deutsche, so dass deren Zahl auf derzeit 40000 Menschen gefallen ist. Die Eliten des alten Systems fanden sich in der neuen Zeit gut zurecht, nutzten ihr Wissen und ihre Netzwerke, gründeten Unternehmen mit Kapital aus unklaren Finanzquellen, beteiligten sich erfolgreich an der Privatisierung des Volksvermögens, erwarben billigst Grundstücke, Produktionsstätten und Rohstoffquellen. Manche wurden Millionäre, gar Milliardäre, schufen Medienimperien und gingen in die Politik.

Folgende Referenten haben ihre Teilnahme zugesagt: Peter Miroschnikoff, ehemaliger Südosteuropakorrespondent der ARD, der mit gleich drei Filmreportagen vertreten sein wird: Ich erschoß die Ceauşescus, 1990, Bilder aus Hermannstadt und Das Erbe des Diktators. Die Literatur- und Politikwissenschaftlerin Dr. Anneli Ute Gabanyi spricht über Revolutionsdiskurse, Friederike Mönninghoff zu 1989 – Die rumänische Revolution und die Deutschen Rumäniens. Ergebnisse einer empirischen Forschung aus biographischer Perspektive. Es ist auch Gelegenheit für die Teilnehmenden aus dem Publikum, ihre Revolutionserlebnisse zu berichten. Neben diesen Vorträgen werden folgende einschlägige Spiel- und Dokumentarfilme gezeigt: 12.08 Uhr östlich von Bukarest (A fost sau n-a fost?), eine Tragikomödie von Corneliu Porumboiu, und Kapitalismus, unser geheimes Rezept (Kapitalism reţeta noastra secretă) von Alexandru Solomon sowie das Politdrama Das Papier wird blau sein (Hârtia va fi albastră) von Radu Muntean.

Die Veranstaltung beginnt am Freitagabend mit dem Abendessen um 18.00 Uhr und endet am Sonntagmittag. Die Tagungsteilnahme kostet 60 Euro (ermäßigt für Studenten, Auszubildende, Teilnehmer aus Rumänien etc. 20 Euro), inklusive Unterkunft und Verpflegung, zuzüglich Kurtaxe (3,40 Euro), gegebenenfalls Einzelzimmerzuschlag (20 Euro) für den gesamten Zeitraum. Die Tagung wird von der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert. Weitere Informationen bei Gustav Binder. Anmeldungen bei: Der Heiligenhof, Kennwort: „Telerevolution“, Alte Euerdorfer Straße 1, 97688 Bad Kissingen, ­Telefon: (09 71) 71 47 14, Fax: (09 71) 71 47 47, E-Mail: studienleiter[ät]heiligenhof.de.

Schlagwörter: Tagung, Bad Kissingen, Medien, Umbruch 1989, Rumänien

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