22. März 2015

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"Zweite Evakuierung" der Nordsiebenbürger Sachsen

Am 25. Dezember 1944 war Budapest von der Roten Armee völlig eingeschlossen (800.000 verbliebene Einwohner, ca. 70.000 Soldaten). Im Januar 1945 scheiterten mehrere deutsche Versuche, den Ring zu durchbrechen, wobei rund 100.000 deutsche und ungarische Soldaten ums Leben kamen.
Am 20. Januar 1945 schloss die ungarische Regierung mit der Sowjetunion einen Waffenstillstand und trat in den Krieg gegen das Deutsche Reich ein. Am 3. April begann die Schlacht um Wien. Ein Fall Wiens hätte den Sowjets Nieder- und Oberösterreich sowie Mähren und Böhmen geöffnet. Für die Evakuierten westlich und nördlich von Wien stand eine zweite Evakuierung bevor. Viktor Langer, ehemaliger Amtsleiter in Nordsiebenbürgen, schilderte 1952 die logistische Vorbereitung und Durchführung der sogenannten „Zweiten Evakuierung“.

Als die russische Offensive im Raum von Ödenburg immer mehr an Boden gewann, kam auch für uns die Aufbruchsstunde. Entsprechend unserer Planung für den „Fall b“ wurde die Evakuierung eingeleitet. […] Die alarmierten Gemeinden setzten sich programmgemäß und oft gegen den Willen der örtlichen Behörden in Bewegung. An vielen Orten wurden die durch die Behörden den Flüchtlingen abgenommenen Pferde und Wagen den österreichischen „Neubesitzern“ ohne viel Worte „rückenteignet“ und in Bewegung gesetzt … Der Aufbruch und die Fluchtdurchführung erwies sich als weit schwieriger als seinerzeit in Nordsiebenbürgen. Die Hoffnung auf ein gutes Kriegsende war dahin, die Angst um die Männer, die an allen Fronten kämpften, größer denn je. Mit diesen seelischen Schwierigkeiten hatten wir schwer zu kämpfen, und wir mussten viel Überredungskunst und Ruhe aufbringen, um die Flüchtlinge moralisch aufrecht zu erhalten. Die Disziplin und die gegenseitige Achtung wurden jedoch in keinem Falle ernstlich gefährdet. Die Fahrt durch Niederösterreich bis nach Freistadt und von dort weiter nach Deutschland hinein verlief ohne größere Vorfälle.

Textauswahl: Horst Göbbel

Schlagwörter: Evakuierung, Zeitzeugenberichte, Geschichte, Nordsiebenbürgen

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