21. Oktober 2015

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"Siebenbürgisch-sächsische Kulturgruppen im Wandel"

Die alljährliche Tagung des Frauen- und Kulturreferats des Landesverbandes Bayern fand am 26. und 27. September in Roßtal bei Nürnberg statt dank Unterstützung und Förderung durch das Haus des Deutschen Ostens München. In dem Workshop „Die Kulturgruppen: wichtige Bausteine des Kreisverbandes“ wurde aufgrund der Beobachtungen aus der eigenen Kreisgruppe lebhaft über die Aufgaben diskutiert, die den Verband der Siebenbürger Sachsen insgesamt gut gerüstet in die Zukunft führen könnten.
In den Mittelpunkt rückten das Mitgestalten des gesellschaftlichen Lebens durch die Kulturgruppen und die Antworten, was Mitgestaltung konkret bringt: Traditionen bewahren, unser Brauchtum, Gemeinschaft pflegen und weiterentwickeln. Das können wir bei Auftritten in Kirchen, Altenheimen oder bei Veranstaltungen des Bundes der Vertriebenen (BdV). Uns der Gesellschaft präsentieren kann auch über Trachtenumzüge, Vorträge passieren, so dass unsere Mitbürger nicht nur Respekt vor, sondern auch Interesse an einem Besuch unserer Heimat Siebenbürgen bekommen. Darüber hinaus bringt die Mitgestaltung in einheimischen Vereinen, bei Stadtteilfesten, interkulturellen Veranstaltungen, im Senioren- oder Integrationsbeirat der Kommunen und aktuell auch in der Flüchtlingshilfe durch echte Begegnungen erstmals den Abbau von Ängsten vor möglichen Benachteiligungen oder sogar Überfremdung der neuen Heimat. Im Gegenteil: Es wurden die Vorteile herausgearbeitet! Schon aus unserer Erfahrung als Minderheit in Rumänien, aus unserem christlichen Glauben und der gewachsenen Tradition der siebenbürgisch-sächsischen Gemeinschaft heraus erwächst uns die Verpflichtung, auch am Brückenbau zwischen Einheimischen und Ausländern zu arbeiten, so unsere Kultur zu präsentieren und der Gesellschaft Deutschlands, die uns einst aufnahm und unterstützte, etwas zurückzugeben. Somit könnten wir die friedlich-kulturelle Eingliederung unserer Mitbürger unterstützen und uns als Europäer, sogar Weltbürger beweisen. Damit kann man viel bereichernde Dankbarkeit erleben. Wie vorgehen? Durch persönliche Vorbilder, Ausprobieren, indem wir den Kindern zuhören, aus unserer mitgebrachten christlichen Tradition heraus und, was vielleicht am Anfang stehen sollte: durch das Relativieren unseres eigenen Schicksals.

Abwechslung nach diesem hoch konzentrierten Gedankenaustausch brachte der Besuch der Galerie „Destillarta“ von Martin Kress (siehe gesonderten Bericht von Antje Krauss-Berberich) und die kurze Wanderung auf dem Fledermauslehrpfad - ein guter Einstieg in den folgenden Vortrag von Christa Wandschneider über „Hildegard von Bingen – Biografie und Rezepte“, fanden wir doch am Wegesrand all das, was uns an die Jugend in Siebenbürgen erinnerte: Heilkräuter, Schlehen, Äpfel und Birnen, Hagebutten und vieles mehr. Als besonderes Highlight folgte eine musikalisch untermauerte Sandmalerei der Künstlerin Tatjana Schneider zum Thema „Frauennetzwerke“. Am frühen Abend begrüßte uns der Vorsitzende der Nachbarschaft Roßtal Hans Stühler mit Ehefrau.

Auch die sächsische Rockenstube erlebt in Deutschland eine Veränderung, die man in kurzen Szenen ohne viel Aufwand in Veranstaltungen der Kreisgruppe einbauen kann. Wie und wie viel Spaß das macht, führte Doris Hutter anhand des Workshops „Moderne Rockenstube“ vor. In gesellig-heiterer Runde entstanden gute Tipps für die nächste heimische Veranstaltung. Kultur- und Frauenreferentinnen mit Martin Kress ...Kultur- und Frauenreferentinnen mit Martin Kress vor dessen Galerie „DESTILLARTA“. Foto: Katharina Thiess Den Sonntag leitete Christa Wandschneider mit besinnlichen Worten zum Erntedank ein. Unter ihrer Leitung wurde danach beim Workshop „Gründung von Frauennetzwerken im Verband“ anhand der Café-Etikette erst in drei Gruppen diskutiert und dann im Plenum vorgetragen. Dabei lagen die Schwerpunkte auf den Fragen, wie ein Netzwerk zustande kommt, wobei u. a. auch das Kennenlernen anderer Gruppen betont wurde, wie das Netz in die Gemeinschaft eingebracht werden kann und welche schon gut funktionierenden Beispiele nachahmenswert sind. Man war sich einig, dass das eigene Vorbild wichtig ist, die Weitergabe von Erkenntnissen und persönliches Ansprechen immer noch an erster Stelle stehen, dass aber die regelmäßige Übermittlung der Daten, Termine und Erfahrungen unverzichtbar ist, genauso wie das Einbinden von Jugendlichen und der neuen Medien wie Facebook und WhatsApp. Datenschutz und Vorsicht wurden angemahnt: Auf allen Ebenen der Vernetzung muss die Verantwortung übernommen werden für alles, was in die Welt hinausgeschickt wird! Besonders wertvoll waren die konkreten Beispiele, die aus den Kreisgruppen präsentiert wurden. Die Wanderausstellung „Gedenkjahr 2015“ von Horst Göbbel mit den Themen Völkermord, Flucht und Vertreibung, Zerstörung Nürnbergs und Deportation in die Sowjetunion wurde von Doris Hutter kurz vorgestellt. Sie kann auch nach 2015 im Haus der Heimat Nürnberg ausgeliehen werden.

Der Sonntag klang noch mit einer Führung durch die Altstadt Nürnbergs aus, vorbei an der Friedenstafel, die anlässlich des Bürgerfestes zur Verleihung des Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreises aufgestellt worden war.

Während der Tagung wurden wir von unserem Landsmann Ralph Lienerth nicht nur vorbildlich bedient, sondern auch mit kulinarischen Spezialitäten aus Siebenbürgen verwöhnt. Man kann den „Kapellenhof“ in Roßtal, der auch Übernachtungsmöglichkeiten hat, nur empfehlen. Wir verabschiedeten uns mit der Gewissheit, ein informatives und interessantes Wochenende miteinander verbracht zu haben, danken allen Teilnehmerinnen für ihre konstruktive Mitarbeit und freuen uns auf ein nächstes Treffen.

Doris Hutter und Christa Wandschneider


Kultur- und Frauenreferententagung - Arbeit und Erlebnis


Zuerst kam etwas Traurigkeit auf, als ich erfuhr, dass die Tagung weit außerhalb Nürnbergs stattfinden soll; das heißt, dass es keine Möglichkeit geben wird, etwas von den vielen Angeboten der fränkischen Kulturhochburg wahrnehmen zu können. Wir werden ohne Unterbrechung und willkommene Ablenkung arbeiten; was wohl auch richtig sein wird. Als der Ort unserer Begegnung bekanntgegeben wurde, spürte ich ein freudiges „Klick“ in meinen Gedankengängen: Markt Roßtal. Habe ich richtig gehört? Das mittelfränkische „Roschdal“? Eine 900-Seelen-Ortschaft, die in einem lieblichen Tal mit saftigen Wiesen und Obstgärten gelegen, keinerlei Attraktionen vorweisen kann, außer der Tatsache, dass hier eine Gemeinschaft von Landsleuten lebt und eine urige Pension existiert, die, von einer siebenbürgischen Familie betrieben, herrliche heimische Gerichte serviert.

Doch ist da noch etwas: nämlich d e r kulturelle Geheimtipp Nürnbergs schlechthin. In knapp 2 km Entfernung, in Buchschwabach, befindet sich die Kunststätte GALERIE DESTILLARTA, geführt von Barbara und Martin Kreß. Dort, in der mittelalterlichen Kunstmühle, die liebevoll - fast im Urzustand - erhalten ist, „kommt die Kunst des Destillierens mit der Bildenden Kunst in unmittelbare Berührung…“ und zieht Kenner dieser Sparten magisch an. Neben Lesungen, Buchveröffentlichungen und Konzerten in der urigen Scheune, weist das Ehepaar, außer mit ökologischer Landwirtschaft und Obstgärten, eine Hochland-Rinderzucht aus. Herz, was willst du mehr. Sofort meldete ich mein Wissen weiter an Doris Hutter, eine Organisatorin der Tagung, die immer offene Ohren für besondere Tipps hat. Schnell waren sich Doris und Familie Kreß einig und unsere Tagung in Roßtal wurde zum Erfolg auf allen Ebenen. Bunt gemischt mit harter Arbeit bis spät in die Nacht, unterbrochen von köstlichen Speisen, Kunst-, Naturgenuss und historischer Mühlenlandschaft.

Wenn auch die eigens für uns verlängerte Ausstellung „Paradiesvögel“ des Nürnberger Künstlers Udo Kaller nicht jeden Geschmacksinn abdeckte, erreichte das die von Martin Kreß angebotene Wein- und Schnapsprobe alsbald. Somit wanderten wir - nach einem kurzen Fototermin vor der Mühle (siehe Bild) - leichten Fußes durch die Obstgärten, bestaunten die zotteligen Hochlandrinder hinter gesicherten Zäunen und schöpften Kraft für die nächsten Arbeitsstunden.

Antje M. Krauss-Berberich

Schlagwörter: Tagung, Kulturreferenten, Frauenreferenten, Nürnberg, Roßtal, Haus des Deutschen Ostens München

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