7. März 2017

200 Jahre Brukenthalmuseum in Hermannstadt

Das international renommierte Brukenthalmuseum in Hermannstadt feiert 2017 sein 200-jähriges Jubiläum. 1817 wurde die von Baron Samuel von Brukenthal (1721-1803) hinterlassene umfangreiche Kunstsammlung von europäischem Rang der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. „Zu dem Wappen der von Samuel von Brukenthal gegründeten Einrichtung gesellt sich heute ein Zeichen der Wertschätzung seitens des rumänischen Staates”, sagte Staatspräsident Klaus Johannis bei der Auftaktveranstaltung zum 200. Jubiläum des Brukenthalmuseums, die am „Geburtstag” des Museums, dem 25. Februar 2017, stattfand. Seine Wertschätzung zeigte Staatspräsident Klaus Johannis durch die Verleihung des Kulturverdienstordens im Rang eines Kommandeurs an die Leitung des ältesten Museums in Rumänien.
Der Baron Samuel von Brukenthal hat schon 1790 seine Sammlungen in dem Palais am Großen Ring der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und per Testament 1803 der Evangelischen Kirchengemeinde A. B. Hermannstadt geschenkt. Staatspräsident Johannis bezeichnete Brukenthal als Vorbild in Sachen Aufklärung und Engagement für das Gemeinwohl und forderte die aktuelle Leitung und den Verwaltungsrat auf, gemeinsam und mit Unterstützung der lokalen und nationalen Behörden dieses Vorbild sowie dessen Erbe und Botschaft weiterhin zum Nutzen der Menschheit zu fördern und ins rechte Licht zu stellen. Johannis erinnerte an das Jahr 2007, in dem auch das Brukenthalmuseum im Zeichen des EU-Beitritts Rumäniens und des Kulturhauptstadtjahres in Hermannstadt unter ausgezeichneten Auspizien gestanden habe. „Vor zehn Jahren hat das Kulturhauptstadtjahr eine spirituelle Neugründung Hermannstadts bewirkt, deren Mitgifttruhe das von Samuel von Brukenthal gegründete Museum darstellte.”

Das Brukenthalmuseum bleibe das „Fenster, durch das unsere Eltern das Licht der Freiheit und der europäischen Werte erblicken konnten. Es ist der Ort, wo wir unsere eigene Identität verstehen lernen in Beziehung zu der kulturellen Vielfalt der Menschheit, von der sie nicht getrennt werden kann.” Das Museum werde über Generationen „einer jener Orte bleiben, die eine Perspektive eröffnen auf das Europa der Kulturen, des Dialogs und der Toleranz.” Dergestalt sei Brukenthals Erbe „gleichermaßen Quelle und Inspiration für das moderne Schicksal Rumäniens”, schloss Staatspräsident Klaus Johannis sein Grußwort.
Rumäniens Staatspräsident Klaus Johannis (rechts) ...
Rumäniens Staatspräsident Klaus Johannis (rechts) überreichte dem Generaldirektor des Brukenthalmuseums, Prof. Dr. Sabin Adrian Luca, den Kulturverdienstorden im Rang eines Kommandeurs im Rahmen der Auftaktveranstaltung im Barocksaal im ersten Stock des Brukenthalpalais. Foto: Fred NUSS
Weitere Grußworte an die zahlreichen Anwesenden richteten Kulturminister Ionuţ Vulpescu, Hermannstadts Bürgermeisterin Astrid Fodor, die Kreisratsvorsitzende Daniela Cîmpean, Landeskirchenkurator Friedrich Philippi (der das Grußwort von Bischof Reinhart Guib verlas), Metropolit Laurenţiu von Siebenbürgen (der das Grußwort von Daniel, dem Patriarchen der Rumänisch-Orthodoxen Kirche vorlas), der Apostolische Nuntius in Bukarest, Monsegniore Miguel Maury Buendía, der Botschafter des Großherzogtums Luxemburg, Christian Biever, und seitens der Rumänischen Akademie Akademiemitglied Dr. Victor Spinei.

Bürgermeisterin Astrid Fodor erwähnte in ihrer Ansprache, dass die Stadt Hermannstadt die Kultur in einen „Motor der Entwicklung verwandelt hat” und „unsere Kultureinrichtungen die lebendige Substanz des Stadtgeistes” seien. In diesem Sinn sei der Wert des Brukenthalmuseums auch von Rumäniens Staatspräsident anerkannt worden durch die Verleihung des Kulturverdienstordens im Rang eines Kommandeurs. Astrid Fodor sagte: „Ich nehme diese Gelegenheit wahr, um Herrn Staatspräsident Johannis für diese Ehre zu danken, die auch auf das Image der Kulturstadt zurückstrahlt.” Die Bürgermeisterin beglückwünschte das Management des Brukenthalmuseums, Herrn Sabin Adrian Luca und seine Mitarbeiter für deren täglichen Einsatz im Dienste des Museums und der Gemeinschaft, der sie angehören, und wünschte dem Team des Brukenthalmuseums „Erfolg bei seinen Aufgaben in einer dermaßen besonderen Stadt wie Hermannstadt”.

Im Anschluss an die Feierstunde wurden drei Ausstellungen im Beisein der hohen Gäste eröffnet: Im zweiten Stock die von 23 auf 43 Gemälde aufgestockte Ausstellung „Meisterwerke der Brukenthalschen Gemäldesammlung” und die von Alexandru Sonoc kuratierte Sonderausstellung „Helden, Götter und einfache Menschen” bzw. im Stichekabinett die dem Künstler Franz Neuhauser d. J. gewidmete Ausstellung „Zooming Neuhauser” (Kuratorin Laura Coltofean).

Am Sonntag nach der Auftaktveranstaltung konnten die Hermannstädter und die Besucher der Stadt alle Abteilungen des Brukenthalmuseums kostenlos besichtigen.
Kultureller Mittelpunkt einer auch sonst sehr ...
Kultureller Mittelpunkt einer auch sonst sehr lebendigen Stadt: das altehrwürdige Baron Brukenthalische Museum auf dem Großen Ring in Hermannstadt (2010). Foto: Konrad Klein
Aus Anlass des Jubiläumsjahres sei in Kürze auf die Stationen der Rückgabe des Palais und der Sammlungen des Barons hingewiesen: Am 29. November 2005 wurden das Palais und die Sammlungen des Freiherrn Samuel von Brukenthal an den rechtmäßigen Besitzer, die Evangelische Kirchengemeinde A. B. in Hermannstadt rückerstattet. Die gute Nachricht überbrachte Premierminister Călin Popescu-Tăriceanu am 1. Dezember 2005 anlässlich seines Besuches in Hermannstadt. Am 28. Dezember 2005 unterschrieben der damalige Kulturminister Adrian Iorgulescu und Bischof D. Dr. Christoph Klein eine Vereinbarung über den Status des Brukenthalmuseums. In der Vereinbarung anerkennt das Kulturministerium das Eigentumsrecht der Evangelischen Kirchengemeinde A. B. über die mobilen und immobilen Güter, die sich zum Zeitpunkt der Nationalisierung im Besitz des Brukenthalmuseums befanden. Ein damals in Aussicht gestellter Regierungsbeschluss über die Organisation und den Betrieb des Brukenthalmuseums steht immer noch aus. Dies stellte Bischof Reinhart Guib in seinem Grußwort fest, das von Landeskirchenkurator Friedrich Philippi verlesen worden ist.

Am 10. November 2006 wurden 19 der wertvollsten Gemälde der Brukenthalschen Gemäldesammlung dem rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben. Diese Gemälde waren 1948 von den damaligen Machthabern beschlagnahmt und nach Bukarest in die Nationalgalerie gebracht worden. Der damalige Bürgermeister Klaus Johannis schlussfolgerte im Namen der deutschen Minderheit: „Uns widerfährt Gerechtigkeit. Dies ist das bedeutendste Ereignis im Rahmen der Vorbereitungen für das Kulturhauptstadtjahr 2007.” Bischof Klein sagte damals, „mit deren (der Gemälde) Rückgabe ist das Kulturerbe der evangelischen Kirche um ein Weiteres vervollständigt worden.” Die Bemühungen der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien um die Rückgabe bezeichnete der damalige Landeskirchenkurator Dr. Paul Niedermaier in seinem Grußwort beim Neujahrsempfang 2006 im Bischofspalais als „Akt der Selbstachtung”, wobei er hinzufügte, er sei davon überzeugt, „dass wir damit nicht nur über die Mauern unserer Kirche hinausblicken, sondern auch in größerem Maße das Vertrauen unserer Mitbürger gewinnen können.”

Beatrice Ungar

(Nachdruck aus der Hermannstädter Zeitung vom 2. März 2017)

Schlagwörter: Brukenthal, Brukenthalmuseum, Hermannstadt, Jubiläum, Feier, Klaus Johannis, Fodor, Kunst

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