6. Januar 2019

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"Mixed Pickles": Humoresken und Satiren von Kurt H. Binder

Der Schiller Verlag aus Hermannstadt/Bonn hat im vierten Quartal 2018 mit einer letzten Überraschung aufgewartet: Kurt H. Binders zweites Buch in diesem Jahr. Der Autor, geboren 1933 in Hermannstadt, hat vor wenigen Monaten im selben Verlag seine mit Witz geladenen Limericks publiziert, ist daher dem lesenden Publikum wohlbekannt (siehe Folge 14 dieser Zeitung vom 10. September 2018, Seite 6). Sein neuer Titel „Mixed Pickles“ ist für den in kulinarischen Angelegenheiten nicht bewanderten Menschen erläuterungsbedürftig.
„Gemischtes Eingelegtes“ ist die Übersetzung des aus dem Englischen übernommenen Ausdrucks. Erst der Untertitel, fast schon barock anmutend, „Humoresken und Satiren aus dem ,ganz normalen‘ Alltag in Siebenbürgen und anderswo“, eröffnet dem Leser, dass Kurt H. Binder sich treu geblieben ist und „Begegnungen als Zufall auf Ebene des Humors“ liefert. Der ganz „normale Alltag“ ist dann doch in Hochkommata gesetzt, denn was ist bei Kurt H. Binder schon „normal“? Seine Themen entnimmt er tatsächlich dem Alltag, aber die humoristische Brille mit der ganz speziellen satirischen Fassung, durch die er das Geschehene betrachtet, hat Einmaligkeitscharakter. Und doch kann man Parallelen mit einer Größe des Genres herstellen: Ephraim Kishon, dessen Schwerpunkt in der humoristischen Darstellung des israelischen Alltags und seines Familienlebens lag.

Die „Mixed Pickles“ von Binder haben meist Erlebtes aus Siebenbürgen zum Thema und schaffen es, alle Seiten des Humors vorzuführen und die feine Gratwanderung bis zur Satire zu bewältigen. Bei einem Stammtisch-Treffen von Landsleuten sucht man anhand des Familiennamens den Verwandtschaftsgrad zu finden, und tatsächlich, jedes Mal lässt sich die Verwandtschaft mit der zufälligen Tischnachbarin herstellen. Als es so weit geht, dass laut Stammbaum Binder feststellen muss, er sei sein eigener Sohn und gleichzeitig sein Urgroßvater, stellt er seine Besuche beim Stammtisch ein (Adam ist überall). z ... Die Literatur ist oft Trägerin und Vermittlerin von erlebter Historie. Das, was Geschichtsbücher nicht unbedingt vermitteln können – so den herrschenden Mangel an Fleischwaren in der dunklen Diktaturzeit der 1980er Jahre in Rumänien – wird in einer kurzen bühnenreifen Skizze dargestellt. Als ein Zeitdokument ist Binders Besuch in einem Restaurant an der Schwarzmeerküste zu werten und der Wunsch, „Mititei“ zu essen (Die Sache mit den „Mititei“).

In vielen seiner Kurzgeschichten sind politische und sozial-geschichtliche Aspekte anzutreffen, die ein buntes Panorama seiner Landsleute, aber auch des Landes, in dem er geboren wurde, zeichnen. In Binders Erzählweise vereint sich die Satire des rumänischen Kurzprosa-Meisters Ion Luca Caragiale mit der funkelnden Prosa von Gregor von Rezzori. Denn die geistige Heimat Binders ist tatsächlich das utopische Land Maghrebinien. Die sprichwörtliche Gastfreundschaft in Rumänien wird, laut Binder, „heute noch groß geschrieben; manchmal – sehr groß“. Die nicht aufhörende Aufforderung, sich zu bedienen und zu essen, trägt pantagruelische Ausmaße und kann nur im Absurden enden (Bedienen Sie sich!).

Als Prolog wird dem Buch ein „dialogisiertes Vorwort“ in Form eines „Interview mit meinem Alter Ego“ vorangestellt. So erfahren wir von Binders Absicht, den Menschen mittels seiner Texte den Spiegel vorzuhalten. Seine „Themen liegen auf der Straße“, meint er, und so kann manches Ereignis der Anlass für eine amüsante Geschichte sein. Binders Humoresken und Satiren sind mehr als „amüsante“ Geschichten, sie sind kleine Meisterwerke des Humors, uns so reiht sich Kurt H. Binder in die Reihe der großen Erzähler neben Ephraim Kishon und Gregor von Rezzori ein. Wenn seine Kurzprosa gute Übersetzer fände, könnte der siebenbürgische Humor Kurt H. Binders weltweit bekannt werden. In deutscher Sprache aber eignen sich seine Limericks und Pickles wunderbar als (Weihnachts-)Geschenk.

Josef Balazs

Kurt H. Binder: „Mixed Pickles. Humoresken und Satiren aus dem ,ganz normalen‘ Alltag in Siebenbürgen und anderswo“. Schiller Verlag, Hermannstadt/Bonn, 2018, 221 Seiten, 11,80 Euro bzw. 49 Lei zzgl. Versand, ISBN 978-3-946954-43-9. Bestellung auf www.schiller.ro, Telefon: (0228) 90919557 oder im Buchhandel.

Schlagwörter: Rezension, Humor, Hermannstadt

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