20. August 2020

Kunst, die in Bann zieht: Emil Michael Klein empfängt hochdotierten Schweizer Kunstpreis

Es schneit in Heltau, als sich Amalia Wilhelmine Klein im Winter 1966 auf den Weg macht. Alle kennen sie als Frau des ehemaligen Obernotärs und Richters Michael Klein und grüßen respektvoll. Oma-Klein steigt in den Bus nach Hermannstadt, wo sie Weihnachtsgeschenke suchen will. In der großen Buchhandlung auf der Heltauergasse, früher „Krafft & Drotleff“, wird sie fündig: Ein großes, schönes Buch vom Berner Pestalozzi-Verlag fällt ihr auf. Dies dürfte ihrem talentierten Enkel Peter Klein gefallen.
Emil Michael Klein, der prämierte Künstler mit ...
Emil Michael Klein, der prämierte Künstler mit siebenbürgisch-sächsischen Wurzeln. © Foto: Kunstmuseum Bern
„10000 Jahre Schaffen und Forschen“ heißt der prächtige Band von 1940 und die schönen Abbildungen stammen vom Schweizer Künstler Paul Boesch. Der 13-jährige Enkel ist begeistert von „Klein-Omamas“ Geschenk. Er lebt in Schäßburg mit seiner Schwester Christiane und den Eltern Erhardt Michael und Hermine, geborene Gündisch. Peter zeichnet auch sehr gern, und das Buch mit den schönen Holzschnitten begleitet ihn auf allen Wegen: zum Kunststudium nach Bukarest und München sowie später in die Schweiz, wo seine Frau Ursula aufgewachsen ist.

Der Kreis schließt sich

Am Berner Theater bildet Peter Klein zeitweilig Bühnenmaler aus und später lässt er sich mit seiner Familie im malerischen Dorf Ernen im Wallis nieder. Dort lebt er als freischaffender Künstler, stellt vielfach aus und unterrichtet als Gymnasiallehrer in Brig. Die Kinder Emil Michael, Lena und Flora sind auch künstlerisch begabt und leben heute in Zürich, Basel und Berlin. Doch ihre Wege führen sie häufig zurück nach Ernen, wo Emil Michael mit seinem achtjährigen Sohn Gustav inzwischen auch seinen zweiten Wohnsitz hat. Am 20. August 2020 wird Emil Michael Klein nach Bern fahren. Dort lebte Paul Boesch bis 1969 als Künstler und unterrichtete. Dessen Tochter Liselotte führt seine guten Absichten weiter und fördert seit 2014 junge Künstler durch die Paul-Boesch-Stiftung. Den diesjährigen Kunstpreis der Stiftung, dotiert mit 50000 Schweizer Franken, wird Emil Michael Klein, der 1982 in München geborene Sohn von Peter und Ursula Klein, nun im Berner Kunstmuseum empfangen. Damit schließt sich der Kreis zum eingangs erwähnten Bildband.
Der Künstler Emil Michael Klein mit seinem ...
Der Künstler Emil Michael Klein mit seinem dreidimensionalen Werk. Foto: Robert Wenger, Paul Boesch Stiftung, Bern

Emil Michael Kleins Kunstwerke

Wer im Internet nach seinem Namen sucht, findet sehr viele Bilder von seinen Ausstellungen und Werken sowie Expertenkommentare, die „hinter die Kulissen“ seiner Kunst blicken. So schreibt Prof. Chus Martinez, Dozentin und Leiterin des Kunstinstituts an der Hochschule in Basel, zu Kleins diesjähriger Ausstellung „Mono Cross“ in der renommierten Züricher Galerie Francesca Pia: „Aufmerksamkeit ist ein Hauptelement in der Arbeit von Emil Michael Klein.“

Dies kann auch ich bestätigen: Seine Konzentration und Energie, die er in seine Werke einbringt, ziehen einen völlig in ihren Bann. Je nach Blickwinkel und Lichteinfall erkennt man neue Kräfte, Gedanken und Gefühle. Als Klein vor einigen Jahren den Manor-Kunstpreis Basel erhält, stellt die Kuratorin des Kunstmuseums Jacqueline Uhlmann fest, dass er „die Zweidimensionalität seiner Arbeiten durch ein Zusammenspiel von Überlagerungen, Flächen und Transparenz“ ausdehnt und eine eigene Objektsprache entwickelt.
Emil Michael Klein, Ohne Titel, 2019, Öl auf ...
Emil Michael Klein, Ohne Titel, 2019, Öl auf Leinwand, 187 x 141 cm. © Foto: Galerie Francesca Pia, Zürich
Tatsächlich, seine „organischen Linien“ streben beim Betrachten über das Bild hinaus und die abgegrenzten Flächen dehnen sich auch weiter aus. Zu Kleins Ausstellung „Darkotic“ 2018 in der Kunsthalle Zürich bemerkt die Kunsthistorikerin Meredith Stadler: „Zwischen Stimmung und Aussage herrscht eine ständige Bewegung, weder unkontrolliert noch planbar, ein zyklisches Schwanken in dem Bereich, wo es eben dunkel und chaotisch ist.“ Doch auch international ist EMKs Kunst anerkannt, bis nach Tiflis, Georgien, oder Mailand, wo Federico Vavassori in seiner Galerie auch Kleins Objekte „Vorhänge“ ausstellt.

EMK – der Künstler

Auch bei so viel Anerkennung bleibt Emil Michael Klein bescheiden, ohne Allüren. Das Malen sieht er nicht als „erlösende Tätigkeit“, sondern als eine andere Form des Denkens. Dabei führen seine Hände nicht unbedingt „Regie“, obwohl er mit 16 Jahren erst ein „Handwerk“ erlernen wollte vor dem Kunststudium in Basel und Lausanne. In der Schule für Holzbildhauerei in Brienz findet er die passende Ausbildung und später vermittelt er, als Dozent des Kunst-Instituts an der Hochschule in Basel, den angehenden Künstlern gern auch die Grundlagen des Malens. Stammen die begabten Hände der Kleins von ihren siebenbürgisch-sächsischen Wurzeln ab? Emil Michael erinnert sich gern an ihren Familien-Besuch in Heltau, Schäßburg und Kronstadt. Ganz besonders gefällt ihm als Kind das Spielen am Michelsberger Bach. Eines Tages wird sich wohl sein Sohn Gustav daran erinnern, wie gern er im Atelier seines berühmten Vaters in Zürich, am Boden liegend, schon große Bilder malte.

Melita Tuschinski

Schlagwörter: Maler, Schweiz, Heltau, Schäßburg, Auszeichnung, Kunst

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