9. Mai 2026

Heinz Ackers Melodram „Hexenszenen“ wird am Samstag, dem 23. Mai, in Dinkelsbühl aufgeführt

Die Auseinandersetzung mit einem wahrlich dunklen Kapitel siebenbürgischer Geschichte in Dinkelsbühl hat begonnen: Seit dem 25. April ist Sieglinde Botteschs „Hexenzyklus“ im Haus der Geschichte zu sehen. Die heute in Ingolstadt lebende Künstlerin arbeitet darin die Erschütterung auf, die sie verspürte, als sie sich erstmals mit den Hexenverfolgungen in ihrer Heimatstadt Hermannstadt beschäftigte (siehe auch Folge 6 dieser Zeitung vom 21. April 2026, S. 3). Ein anderer Hermannstädter Künstler, Heinz Acker, ließ sich von Botteschs Bildern zur Komposition der „Hexenszenen“ inspirieren. Im Rahmen des Heimattages wird sein „siebenbürgisches Melodram für Soli, Chor und ein Instrumentalensemble“ in der St. Paulskirche aufgeführt. Eine Gelegenheit, die man nicht verpassen sollte!
Wer im August 2024 in Hermannstadt war, konnte der Uraufführung des Melodrams im Rahmen des Großen Sachtreffen beiwohnen. Aufbauend auf Archivmaterial aus Siebenbürgen, zeichnet Acker darin in vier Sätzen („Verdächtigung“, „Im Kerker“, „Tanz mit dem Teufel“, „Der Prozess“) und anhand dreier Beispiele unterschiedliche Gerichtsverfahren nach. Auf Anregungen aus dem Publikum fügte er im Nachgang des Sachsentreffens noch einen versöhnlichen fünften Satz hinzu. Dieses Requiem sei, wie er im Programmheft schreibt, „eine Totenmesse für die vielen zu Unrecht verfolgten, gemarterten und oftmals hingerichteten Frauen“.

Erstmals zu hören war das Requiem beim Abschlusskonzert der Löwensteiner Musikwoche im April 2025 in Heilbronn. Die deutsche Erstaufführung der Hexenszenen mit ihren nunmehr fünf Sätzen fand im Oktober 2025 in Heidelberg statt. Nun kommt das Gesamtwerk in Dinkelsbühl zu Gehör.
Uraufführung der „Hexenszenen“ von Heinz Acker in ...
Uraufführung der „Hexenszenen“ von Heinz Acker in der Evangelischen Stadtpfarrkirche in Hermannstadt. Der Autor dirigiert ein deutsch-rumänisches Orchester mit den Solisten Melinda Samson (Sopran) und Tim Lucas (Bariton). Foto: Konrad Klein
Mit Blick auf die Aufführung am 23. Mai um 18.00 Uhr in der Dinkelsbühl St. Paulskirche sind mehrere Elemente hervorzuheben:

1. Das Zusammenspiel: Der Heimattag bietet die seltene Gelegenheit, sich sowohl die Bilder ansehen als auch die Musik anhören zu können.

2. Leidenschaft und ganz viel Herz: „Soli, Chor und Instrumentalensemble“ – das lässt auf viele Beteiligte schließen. Mit der Siebenbürgischen Kantorei (Leitung: Andrea Kulin) konnte nicht nur ein fähiger Gesangskörper, sondern dankbarerweise auch ein Sponsor des Konzertes gefunden werden. Doch auch zusammen mit der Förderung des Kulturwerks der Siebenbürger Sachsen reichen die Mittel eigentlich nicht aus, um solch ein Konzert auf die Beine zu stellen. Wie schafft Heinz Acker es trotzdem? Mit großer Ausdauer, einem tragfähigen Netzwerk und ansteckender Begeisterungsfähigkeit. Wenn über ein Dutzend Profimusiker – ehemalige Schüler und Studenten Ackers – unentgeltlich zwei Tage lang mit ihm probt und ein Konzert spielt, hat er als Lehrer, Freund und Weggefährte – und als Motivator! – alles richtig gemacht. Unter seinem Dirigat befördern zwei Solisten (Marion Egner/Mezzosopran und Tim Lucas/Bariton) – das dramatische Geschehen, gestützt von einem Instrumentalensemble. Im Schluss-Satz tritt die Siebenbürgische Kantorei hinzu und führt das Werk zu klanglicher Überhöhung und befriedendem Ausklang. Schon im Vorfeld sei allen Beteiligten für dieses großzügige Engagement herzlich gedankt!

3. Die Parallelen zu Franken: So tragisch es auch ist, dass die Hexenverfolgung ein gesamteuropäisches Phänomen war, so einfach lassen sich dadurch Verbindung von Siebenbürgen nach Franken und konkret zur vielzitierten „Welthauptstadt der Siebenbürger Sachsen“ Dinkelsbühl schlagen. Für den Blick über den Tellerrand sei allen Interessierten daher noch einmal der Vortrag Prof. Dr. Markus Hirte, dem Direktor des Mittelalterlichen Kriminalmuseums in Rothenburg ob der Tauber am 13. Mai um 19.00 Uhr ans Herz gelegt. Im Haus der Geschichte Dinkelsbühl spricht er zu „Hexenwahn und Hexenglaube. Entstehung und Verlauf einer der größten Tragödien der Frühen Neuzeit – Globale und regionale Betrachtungen“.

Gäste des Heimattags können am 22. Mai um 16.30 Uhr ferner an der Stadtführung „Hexen, Hexer, Teufelsbanner“ teilnehmen: Die Teilnehmer werden dabei auf eine Reise in die frühe Neuzeit mitgenommen. Die Führung startet in der Dokumentation zur Hexenverfolgung im Alten Rathaus, erläutert die Hintergründe der damaligen Massenhysterie und führt weiter zu den Orten der Gerichtsbarkeit in der Reichsstadt. Der Treffpunkt ist am Infostand vor dem katholischen Münster und die Teilnahme ist kostenlos – wofür wir der Stadt Dinkelsbühl ganz herzlich danken!

Die Führung wird so enden, dass Sie im Anschluss direkt an der Midissage von Sieglinde Botteschs Ausstellung „Mythos und Historie. Bilder der Hexenverfolgung“ im Haus der Geschichte teilnehmen können. Freuen Sie sich am 22. Mai um 18.00 Uhr auf das Künstlerinnengespräch mit Dr. Heinke Fabritius, Kulturreferentin für Siebenbürgen am Siebenbürgischen Museum. Botteschs Ausstellung wird bis zum 25. Mai in Dinkelsbühl zu sehen sein.

Dagmar Seck

Schlagwörter: Heimattag 2026, Musik, Dinkelsbühl, Hexenverfolgung, Heinz Acker

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