15. September 2006

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Praktisches Touristenhandbuch über Schäßburg

Ein neuer Reiseführer über Schäßburg in deutscher Sprache war notwendig, denn das, was in den letzten Jahrzehnten erschienen ist, war meist von der rumänischen Geschichtsschau bestimmt. Der Verfasser des Buches Der "Stadtführer Schäßburg/Sighişoara (mit Birthälm)", Anselm Roth, ist ein Enkel des siebenbürgisch-sächsischen Politikers Hans Otto Roth und wohnt zurzeit in Hermannstadt.
Die Altstadt von Schäßburg ist die besterhaltene mittelalterliche Stadt Rumäniens, sie wurde 1999 zum Weltkulturerbe erklärt und ist der Tourismusmagnet Rumäniens, wobei der Akzent, wie der Autor hervorhebt auf "der" liegt.

Der "Stadtführer Schäßburg/Sighişoara (mit Birthälm)" bietet in den beiden ersten Teilen, "Wissen" und "Sehen", einen kurzen Überblick über die 800-jährige Geschichte der Stadt und die wichtigsten Sehenswüdigkeiten. Die historischen Ausführungen sind dabei äußerst dürftig, vor allem was das 20. Jahrhundert betrifft. Der Leser erfährt kaum etwas über die Veränderungen in der Bevölkerungszusammensetzung, der nicht eingeweihte Leser bekommt nicht mit, warum man in dieser einst deutschen Stadt heute kaum noch deutsch sprechen hört, der Exodus der Sachsen wird übergangen, dafür jedoch beispielsweise das Pro-Ethnica-Festival präsentiert, das seit 2001 jedes Jahr in der Stadt stattfindet. Das findet allerdings nur an drei Tagen im August statt.


Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten werden anhand eines Spazierganges kurz vorgestellt - der Stundturm, Klosterkirche, Rathaus, Haus mit Hirschgeweih, Burgplatz, Schulgasse, Schülertreppe, Bergschule, Bergkirche, Bergfriedhof, entlang der Ringmauer die erhalten neun von den einst 14 Verteidigungstürmen, untere Stadt mit orthodoxer Kathedrale, Hotel "Stern", Sichhofskirche u.a.

Ausführlicher wird der Leser über Kauf-, Essen- und Übernachtungsmöglichkeiten auf 27 Seiten informiert, so als ob der Tourist wegen dieser Angebote nach Schäßburg kommt. Der Geschichte und den Denkmälern werden bloß 19 Seiten eingeräumt. In dem Kapitel über "Staunen" wird die Problematik des "Dracula"-Hauses auf der Burg und des missglückten Planes zur Errichtung eines "Dracula"-Vergnügungsparks auf der Breite sowie die Projekte zur Wiedereinführung der Schmalspureisenbahn, der "Wusch", die einst Schäßburg über Agnetheln mit Hermannstadt verband, behandelt.

Wichtige Adressen von Botschaften, Hotels, Pensionen, Campings in Schäßburg und Umgebung, Internet, Taxis und Eisenbahn, ferner ein kleines deutsch-rumänisches Wörterbuch sowie Literaturhinweise findet man unter "Merken". Dem Anhang gehört auch ein Stadtplan an. Unerklärlich bleibt dem Rezensenten, warum bei den Literaturhinweisen, die wichtigen Dokumentationsbände, die die Heimatortsgemeinschaft Schäßburg in der Bundesrepublik herausgegeben hat, nicht angegeben werden, und zwar "Schäßburg. Bild einer siebenbürgischen Stadt" (1998) und der "Bildband Schäßburg aus Vergangenheit und Gegenwart" (2003). Dafür werden unter anderen Romane von Eginald Schlattner empfohlen, die mit Schäßburg in keiner Verbindung stehen.

Der Reiseführer empfiehlt auch einen Abstecher nach Birthälm mit der ebenfalls zum Weltkulturerbe gehörenden Kirchenburg und zur Besichtigung der Großkopischer Kirchenburg und gibt dazu auch entsprechende Informationen mit Illustrationen. Der Reiseführer ist somit eher ein praktisches Touristenhandbuch als ein kulturhistorisches Reisebuch. Die Illustrationen sind allgemein von guter Qualität und bieten zum Teil ungewöhnliche Blickwinkel und Aspekte des Treibens in der Stadt. Wer sich länger in Schäßburg aufhalten möchte, der wird die Informationen über Restaurants und Hotels gerne zu Rate ziehen.

Michael Kroner

Anselm Roth: Stadtführer Schäßburg/Sighişoara (mit Birthälm), hora Verlag, Hermannstadt, 2006, 94 Seiten, über 70 Farbfotos, fadengebunden, ISBN 973-8226-47-3, Preis 11,80 Euro, zu bestellen im SiebenbuergeR.de-Shop oder direkt beim Verlag, Telefon: (00 40) 269-21 18 39.

Schlagwörter: Rezension, Reise, Schäßburg

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