1. April 2008

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Rings um Richard Gobers „philosophische Weltbetrachtungen“

In Folge 4 der Siebenbürgischen Zeitung vom 10. März 2008, Seite 10, erwies der Verein Vöcklabruck in Oberösterreich seinem langjährigen Mitglied und Mäzen Richard Gober in einer kurzen Würdigung die Reverenz. Der am 17. Februar 1918 im burzenländischen Wolkendorf Geborene ist aus dem Leben des Vereins aus mehrfachem Grund nicht wegzudenken.
Erst am 23. Februar fand sich dann im Vöcklabrucker Siebenbürgerheim eine aus rund 150 Menschen bestehende Verehrergemeinde zusammen, um den Neunzigjährigen anlässlich seines Geburtstages mit Wort, Musik, Lied, Gedicht, Speis und Trank zu ehren. Die Geburtstagsfeier wurde jedoch für den Beobachter über den Anlass hinaus zur Demonstration der Selbstbestätigung einer Gemeinschaft, wie sie dieser Art nicht allein in Österreich kaum anzutreffen ist: ein Paradebeispiel der Integration infolge von Kriegs- und Nachkriegsereignissen aus Siebenbürgen westwärts geflüchteter oder ausgewanderter Deutscher, die sich im neuen Heimatland in dessen Gesellschaft fügten – wenn auch oft erst nach langwierigen Prozessen –, ohne ihre Besonderheiten preiszugeben. Vereinsobmann Kons. Hans Waretzi gratuliert ...Vereinsobmann Kons. Hans Waretzi gratuliert Richard Gober (rechts). Foto: Christine Morenz Mehr noch: die manches vom Mitgebrachten in einer Weise an die Menschen des Aufnahmelandes herantrugen, dass diese es sich willig zu eigen machten, ja sogar ihrerseits sich ins gesellige und kulturelle Leben der Ankömmlinge fanden. Dass z. B. der Obmann des Vöcklabrucker Vereins der Siebenbürger Sachsen, Rolf Morenz, kein Siebenbürger ist, dass zur Singgemeinschaft der Vöcklabrucker Sachsen ebenso selbstverständlich Oberösterreicher gehören, dass die Turnerbrüder des Geburtstagsgeehrten sich um nichts weniger selbstverständlich im Siebenbürgerheim zu Hause fühlen oder Richard Gober als weithin geachteter Intarseur im Kunstverein der Stadt seinen „angestammten“ Platz hat u. v. a.: Dies alles sind Zeichen einer sozialen Synthese aus Alt- und Neu“eingesessenen“, wie sie sich geglückter nicht vorstellen lässt.

Entsprechend gelöst und zwanglos reihten sich bei der Nachmittagsbegegnung im weiträumigen Saal des Heimes Reden, Tänze, Lieder bald siebenbürgischen, bald oberösterreichischen Zuschnitts aneinander. Sie verflochten sich zu einem einheitlichen Ganzen, für das die Eheleute Frida, ein Kind des Salzkammergutes, und Richard Gober, der Burzenländer, stellvertretend als Verkörperung stehen.

Dass zu dieser Gemeinschaft Akademiker, Unternehmer und Handwerker, Haus- und berufstätige Frauen gehören und die für das leibliche Wohlbefinden verantwortliche freiwillige Damen­„truppe“ querbeet aus mehrerlei Berufs- und Volksschichten kam, betonte die Lebendigkeit des Bildes bis zur Speisekarte hin, auf der sich neben Grammelpogatscherln siebenbürgische Bratwurst fand, doch auch bis hin zur Musik mit dem sächsischen „Af deser Ierd“ und den alpenländischen Instrumentalmelodien. In dem mit großen Postern siebenbürgischer Städteansichten und den Wappen der ehemals deutschen Städte Siebenbürgens dekorierten Bühnensaal hatte Gober erst vor kurzem entstandene überdimensionale Intarsientafeln ausgestellt. Einer aus der Schar der Gäste, die dem Jubilar huldigten, nannte sie „philosophische Weltbetrachtungen“ und wies auf den Symbolgehalt etwa der über die Erde schwebenden fantastischen Vogelgebilde, auf den Schlangenbeschwörer und auf das zärtlich balzende Reiherpaar hin, die der schier unfassbar vitale Neunzigjährige als Einlegearbeiten in Holz komponierte.

Die Festgesellschaft mit zum Teil weither angereisten Gober-Freunden ging erst gegen Abend auseinander – nicht anders als bei vielen weiteren Gelegenheiten, zu denen sie an diesem Ort immer wieder zusammenkam und voraussichtlich noch lange zusammenkommen wird. An der „Richard-Gober-Linde“ vorbei, die zu Ehren des respektablen siebenbürgischen Vöcklabruckers vor dem Bau gepflanzt und als solche mit der Inschrift auf einer Metalltafel für jeden sichtbar ausgestattet wurde. Als Hinweis auf ein beispielhaft über das private Interesse hinaus bedachtes Leben: das des vor neunzig Jahren in Wolkendorf geborenen ehemaligen Fabrikanten Richard Gober.

Hans Bergel

Schlagwörter: Österreich, Kunsthandwerk, Jubilar

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