21. November 2020

„Lockdown light“ in Rumänien

Bukarest – Seit die Fallzahlen in Rumänien am 6. November die Schallgrenze von zehntausend Neuinfektionen pro Tag überschritten hatten, wurden strengere Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie vorangetrieben, um einen völligen Zusammenbruch des ohnehin stark überlasteten Gesundheitssystems zu verhindern. Seit dem 9. November befindet sich das Land für voraussichtlich 30 Tage unter einem sogenannten „Lockdown light“. Staatspräsident Klaus Johannis hatte der Regierung Schulschließungen im ganzen Land, Ladenschluss um 21.00 Uhr, nächtliche Ausgangssperren und allgemeine Maskenpflicht empfohlen, ferner das Verbot von Veranstaltungen und privaten Feiern sowie die vorübergehende Schließung aller Märkte in Hallen. Er versicherte jedoch, dass die Parlamentswahlen am 6. Dezember stattfinden. Der Staatschef dementierte Gerüchte über eine totale Stilllegung des Landes um die Weihnachtszeit.
Unter strengen Hygienevorschriften: ...
Unter strengen Hygienevorschriften: Pressekonferenz mit Staatspräsident Klaus Johannis im Cotroceni-Palast. Foto: www.presidency.ro
Die Maßnahmen wurden per Regierungseilverordnung umgesetzt. Seit 9. November gilt eine nächtliche Ausgangssperre zwischen 23.00 und 5.00 Uhr, erlaubte Ausnahmen wie medizinische Notfälle, Todesfall in der Familie, beruflich verordneter Nachtdienst oder Durchreise müssen mit einer eidesstattlichen Erklärung legitimiert werden. Von der Ladenschlusspflicht um 21.00 Uhr sind nur Apotheken, Lieferservices und Tankstellen ausgenommen.

Arbeitgeber müssen ihre Angestellten, soweit möglich, im Homeoffice beschäftigen. Arbeitgeber mit über 50 Angestellten sind verpflichtet, ihr Personal in zeitlich versetzten Schichten einzusetzen, um eine Überfüllung öffentlicher Verkehrsmittel zu vermeiden. In der Öffentlichkeit besteht unabhängig vom Inzidenzwert landesweit Maskenpflicht. Der Unterricht erfolgt ausschließlich online. Die Auflage, Bauernmärkte in Hallen zu schließen, sorgte zunächst für großen Unmut, doch konnte laut Landwirtschaftsminister Oros für die meisten eine „Alternative“ gefunden werden, so dass tatsächlich nur 20 Prozent schließen mussten. Gegen die Verlagerung des Unterrichts auf ausschließlich online protestierte der Nationale Schülerausschuss: Die Entscheidung sei unbegründet, da viele Gemeinden weniger als drei Neuinfizierte pro tausend Einwohnern in zwei Wochen verzeichneten.

Seit Einführung der strengeren Maßnahmen scheint sich die Zahl der täglichen Neuinfektionen zumindest auf einem Plateau von 10000 täglichen Neuinfektionen einzupendeln. Am 14. November lag die Zahl der aktiven Fälle bei 105321, die der Intensivpatienten bei 1172. An verschiedenen Orten ist die Bettenkapazität bereits erschöpft.

Wegen extrem hoher Inzidenzwerte befindet sich seit dem 11. November Baia Mare unter Quarantäne, seit dem 14. auch Hermannstadt und drei umliegende Orte: Talmesch, Schellenberg und Heltau.

Während Staatspräsident Johannis mit den Behörden bereits Details einer landesweiten Impfstrategie bespricht, zeigt eine jüngst erfolgte Umfrage, dass knapp 40 Prozent der Bevölkerung eine Impfung rundum ablehnen. 30 Prozent würden sich nur dann impfen lassen, wenn bereits geimpfte Personen deren Verträglichkeit ausdrücklich bestätigen.

NM

Schlagwörter: Rumänien, Corona, Politik, Gesundheit, Klaus Johannis

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