12. Februar 2021

Aktueller Corona-Bericht aus Rumänien

In ihrem aktuellen Bericht über die Corona-Lage in Rumänien thematisiert die Korrespondentin der Siebenbürgischen Zeitung, Nina May, die Impfkampagne und andere Maßnahmen der rumänischen Regierung zur Eindämmung der Pandemie, eine statistische Hochrechnung, die vor einem explosiven Anstieg der Covid-19 Neuinfektionen warnt, sowie einen zweiten Großbrand in einem Corona-Klinikum.
Kronstadt gehört zu den Risikogebieten in ...
Kronstadt gehört zu den Risikogebieten in Rumänien. Foto: Peter Simon
Bukarest – Seit Beginn des ersten Auftretens von SARS-CoV-2 in Rumänien am 26. Februar 2020 haben sich insgesamt 743.343 Menschen mit dem Virus infiziert, 18.809 sind gestorben. Trotz der Abnahme der täglichen Neuinfektionen, die zum Höhepunkt Mitte bis Ende November zwischen 8.000 und 9.000 lagen, auf derzeit 2.611 Fälle (Stand 6. Februar) sinkt die Kurve der täglichen Intensivpatienten nur wenig. Immer noch werden rund tausend Covid-19-Patienten auf Intensivstationen behandelt. Die durchschnittliche Anzahl der Tagestoten im Februar beträgt 65. Derzeit gibt es landesweit nur noch 35.060 aktive Fälle.

Für die Diskrepanz zwischen den nach offiziellen Daten deutlich rückläufigen Infektionszahlen und der vergleichsweise hohen Rate an Intensivpatienten sorgt vermutlich eine Dunkelziffer an Infizierten, die sich gar nicht oder nur mit selbst erworbenen Antigentests testen und erst bei lebensbedrohlichen Verlauf ärztliche Hilfe suchen.

Die Impfkampagne verläuft nach ersten Lieferschwierigkeiten der Hersteller zufriedenstellend: 3,35 Prozent der Bevölkerung haben bereits die erste Dosis erhalten, 1 Prozent ist mit zwei Dosen durchgeimpft. Bisher stehen zwei Impfstoffe zur Verfügung, von Pfizer-BioNTech und seit kurzem von Moderna.

Mittlerweile ist die Zahl der Landkreise im „roten Szenario“ mit Inzidenzrate über 3 (Fälle pro 1000 Einwohnern, kumuliert über 14 Tage) auf einen gesunken: nur Temesch weist noch eine Rate von 3,38 auf. Zehn Landkreise liegen zwischen 1,5 und 3, der Rest darunter.

Am 8. Februar wurden die Schulen und Kindergärten je nach Inzidenzwert in den betreffenden Orten gemäß dem Ampelsystem wieder eröffnet: In Ortschaften mit Inzidenz zwischen 0 und 1 („grünes Szenario“) soll durchgehend Präsenzunterricht stattfinden. Im „gelben Szenario“ zwischen 1 und 3 nehmen nur Kindergartenkinder, Grundschüler und Schüler der Abschlussklassen 8 und 12 physisch am Unterricht teil, während im „roten Szenario“ für alle Stufen außer Grundschule und Kindergarten weiterhin nur Online-Unterricht erlaubt ist.

Statistiker warnt vor hochinfektiösen Mutationen

Der Statistiker Valentin Pârvu, Betreiber der Webseite www.graphs.ro zur Corona-Statistik in Rumänien, basierend auf den offiziellen Daten, warnte Anfang Februar in einer Studie vor einem explosiven Anstieg der täglichen Covid-19 Neuinfektionen. Diese könnten bis Ende März auf 9.000 bis 20.000 steigen, wenn die angekündigten Lockerungsmaßnahmen – die landesweite Schulöffnung sowie die Eröffnung von Restaurants, Veranstaltungsräumen und Spielhöllen in Bukarest und Kreisen mit Inzidenzwert unter 3 – tatsächlich beibehalten werden. „Die Verantwortlichen folgen blind dem alten System, als ob keine neuen Mutanten aufgetaucht wären“, kritisierte Pârvu auf G4Media. Nach Meinung des Statistikers wären noch zwei Monate Vorsicht geboten, bis 33 Prozent der Bevölkerung geimpft seien.

Derzeit wurden im ganzen Land bereits über 50 Fälle mit der Großbritannien-Mutation B.1.1.7 identifiziert. Die meisten Infizierten hatten weder Reisen nach Großbritannien unternommen noch Kontakte zu Reisenden. Man geht daher bereits von kommunitärer Verbreitung aus. Im wahrscheinlichsten Szenario verursacht B.1.1.7 derzeit 0,1 Prozent der Neuinfektionen.

Hochgerechnet ergeben sich dann für Ende März mit den geplanten Lockerungen rund 9000 tägliche Fälle, davon ca. 1.300 mit B.1.1.7. Im pessimistischen Fall könnte B.1.1.7 bereits für ein Prozent der Neuinfektionen verantwortlich sein und wäre dann bis zur ersten Märzhälfte im ganzen Land dominant.

Erneuter Großbrand in Covid-19-Klinikum

Im Klinikum für Infektionskrankheiten „Matei Balș“ in Bukarest gab es am 29. Januar einen Großbrand, der 15 Todesopfer forderte. Vier Covid-19-Patienten kamen in den Flammen ums Leben, ein fünftes Opfer wurde kurz darauf verkohlt in einem Badezimmer entdeckt. Nach dem Brand in Piatra Neamţ im November 2020, der ebenfalls 15 Opfer forderte, ist dies die zweite Brandkatastrophe in einem Covid-19-Krankenhaus.

Die maroden elektrischen Installationen und die erhöhte Sauerstoffkonzentration auf Covid-19 Stationen sorgen generell für Brandgefahr in rumänischen Spitälern. Um einer weiteren Tragödie vorzubeugen, schlug Gesundheitsminister Vlad Voiculescu (USR-PLUS) einen Investitionsfonds für die Sanierung maroder Krankenhäuser vor. Außerdem soll der Bau neuer Spitäler rasch in Angriff genommen werden. Nach einem Bericht, basierend auf den landesweiten Erhebungen nach der Brandkatastrophe von Piatra Neamţ, seien über 1900 Mängel in rumänischen Krankenhäusern festgestellt worden.

Während Dutzende Demonstranten, mobilisiert von der Rechtsaußenpartei „Allianz für die Vereinigung der Rumänen“ (AUR), den Rücktritt von Vlad Voiculescu forderten, äußerten sich Stimmen in den rumänischen Medien zur eigentlichen Ursache. Der Ruf nach einer Reform des Gesundheitssystems sei fehl am Platze, meint Florin Negruţiu in republica.ro: „Reformen haben wir schon, was wir brauchen sind Krankenhäuser. Der Bau des Krankenhauses Matei Balș stammt von 1953!“ Journalist Paul Stan in Adevărul beklagt den üblichen Verschleppungsprozess: Nach den Kontrollen, die auf die Tragödie in Piatra Neamţ erfolgten, wisse man bis heute nicht, in welchen Krankenhäusern Unregelmäßigkeiten entdeckt wurden, welche Sanktionen ausgesprochen wurden und wie die Probleme gelöst wurden.

„Die Wahrheit ist, dass die Mehrheit unserer Krankenhäuser an chronischer Unterfinanzierung leiden“, schrieb Gesundheitsminister Vlad Voiculescu auf Facebook. Wegen der anhaltenden Corona-Epidemie funktionieren die Krankenhäuser in Rumänien an der Belastungsgrenze.

Nina May

Schlagwörter: Rumänien, Corona, Politik, Medizin, Gesundheit

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