3. Oktober 2024

Evakuierungsgedenken in Bistritz/Amtseinführung von Stadtpfarrer Andreas Hartig

„Der Exodus der Siebenbürger Sachsen 1944 war ein unumkehrbarer Einschnitt mit harten Folgen für Bistritz, für Nordsiebenbürgen. Dieser Exodus ging leider während der Jahre des Kommunismus besonders nach 1970 weiter.“ Mit diesen Worten begann der Bürgermeister von Bistritz, Ioan Turc, seine kurze Ansprache am Freitagnachmittag, dem 13. September, im Beisein von Sachsen aus dem Ausland, Vertretern der Kirche und des Forums, einer stattlichen Anzahl von Bürgern und der örtlichen Behörden, die des 80. Jahrestages des Exodus der Sachsen aus Nordsiebenbürgen gedacht haben.
Sächsische Trachtenträger vor dem ...
Sächsische Trachtenträger vor dem Evakuierungsdenkmal in Bistritz Fotos: Gigi Cherechesiu
Die Veranstaltung fand bei bestem Spätsommerwetter am vor zehn Jahren eingeweihten Evakuierungsdenkmal auf dem Dominikanerplatz in Bistritz statt. Unter den Anwesenden waren der Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen in Siebenbürgen, Martin Bottesch, der Vorsitzende der HOG Bistritz-Nösen, Dr. Hans Georg Franchy, der Bürgermeister von Bistritz, Ioan Turc, der Vizebürgermeister Sorin Hangan, der Vizepräsident des Kreisrates Bistritz-Nassod, Camelia Tabără, der Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen in Bistritz, Cristian Roth-Gross, sowie die Leitung der evangelischen Kirchengemeinde. Musikalisch umrahmt wurde die Gedenkstunde von der Militärkapelle der Bistritzer Garnison, geleitet von Bogdan Bejenaru. Sie spielte nach der Hymne Rumäniens das speziell für diesen Tag einstudierte „Ich bete an die Macht der Liebe“, den Trauermarsch von Frédéric Chopin und die Europahymne von Beethoven.

Durch die Evakuierung und die Ausreise der Siebenbürger Sachsen hätten Bistritz, Siebenbürgen und Rumänien nur verloren, so Bürgermeister Turc, denn sie seien ein Katalysator für die Entwicklung Rumäniens gewesen. „Wir begegnen ihnen mit Respekt. Sei es, wenn es um unsere Partnerschaften mit Wels in Österreich, mit Drabenderhöhe oder Setterich in Deutschland geht, sei es, wenn es um die Bewahrung ihrer großen kulturellen Leistungen in der Stadt, besonders dem Symbol der Stadt, die renovierte Ev. Kirche geht, die wir im vorigen Jahr feierlich geweiht haben.“ Turc betonte den Beitrag, den die sächsische Gemeinde zur Entwicklung der Stadt, der Region und Siebenbürgens geleistet hat. „Was die Sachsen hinterlassen haben, ist noch heute sichtbar.“ Das alte Bistritz sei ein lebendiges Zeugnis des sächsischen Organisa­tionstalents und Fleißes. „Wir, die Gemeinde aus Bistritz, empfinden eine unverhohlene Bewunderung für alles, was den Einfluss der Sachsen auf Bis­tritz ausmacht“, sagte Turc.
Gottesdienst zur Amtseinführung des Bistritzer ...
Gottesdienst zur Amtseinführung des Bistritzer Pfarrers, vorne rechts in Tracht: Altbürgermeister Ovidiu Crețu, Dr. Hans Franchy, Horst Göbbel.
Den historischen Moment im September 1944, als rund 35000 Sachsen den Weg in die Ungewissheit einschlugen, beschwor Martin Bottesch herauf, der dazu aufrief, alle Umstände zu verstehen, die zur Evakuierung der Sachsen führten. „Die Flucht der Nordsiebenbürger Sachsen vor der heranrückenden Roten Armee hat dem Lebensweg vieler tausend Menschen eine Richtung gegeben, die sie sich vorher nicht vorstellen konnten.“ Sie bedeutete einen Verlust für das Land, das sie verließen. „An diese Evakuierung müssen und wollen wir uns erinnern, denn sie ist Teil der Geschichte der sächsischen Bevölkerung und der Geschichte Rumäniens. (…) Die Evakuierung vor 80 Jahren fand unter den Bedingungen einer Diktatur statt. (…) Wir verneigen uns vor dem Leid, in das viele hineingerissen wurden, ohne sich wehren zu können. Gehen wir unvoreingenommen an dieses Ereignis der Geschichte heran und mit der gebührenden Achtung vor der damaligen Generation. Sie verdient diese Achtung“, betonte Bottesch.

In seiner Ansprache hob Horst Göbbel die Einzigartigkeit des Evakuierungsdenkmals hervor. „Das Denkmal, vor dem wir heute hier stehen, ist eigentlich ein Wunder. Jahrzehntelang konnten wir davon nicht einmal träumen. Nicht träumen, dass es hier in Bistritz oder sonst wo in Rumänien ein Denkmal zur Evakuierung der Nordsiebenbürger Sachsen im Herbst 1944 geben könnte.“ Er dankte dem Künstler Mircea Mocanu und dem Architekten Petre Podaru für die zukunftsorientierte Gestaltung eines leidvollen Vorgangs, der Stadtverwaltung des Munizipiums Bistritz für ihre Weitsicht, ihren Mut, ihre Tatkraft, allen, die das Zustandekommen dieses Meilensteins im historischen Gedächtnis der Stadt Bistritz geplant, überlegt und finanziell (die Stadt stellte 300000 Euro bereit) unterstützt haben. Schließlich allen, „die heute zu dieser Stunde gerade hier mit uns gedenken“. Er hob hervor, dass dieses Denkmal auch ein beispielhaftes Mahnmal sei. „Ähnlich wie das Denkmal zu Ehren der jüdischen Opfer des Holocaust aus der Stadt und der Umgebung von Bistritz, mahnt es uns alle und die künftigen Generationen, mit dem eindringlichen Appell: Nie wieder! Nie wieder Evakuierung, nie wieder Deportation, nie wieder Holocaust, nie wieder Krieg und Diktatur.“
Der neue Bistritzer Stadtpfarrer Andreas Hartig ...
Der neue Bistritzer Stadtpfarrer Andreas Hartig (links) und Pfarrer Ortwin Galter danken. Foto: Gigi Cherechesiu
In seiner Ansprache hob Michael Schemel, Mitglied des Bistritzer Presbyteriums, die Rolle der Siebenbürger Sachsen in der Geschichte Siebenbürgens hervor und bezog sich dabei auf eine Aussage des großen Historikers Nicolae Iorga von 1919: „Der siebenbürgische Boden, kulturell so deutlich durchtränkt durch sächsischen Fleiß, kann nicht zu eng sein für 210000 Menschen, die Ehre, Arbeit, Wirtschaftskraft darstellen und ein Gefühl für Recht und Freiheit besitzen.“ Seine Worte seien eine gerechte Anerkennung des unermesslichen Beitrags der Siebenbürger Sachsen am kulturellen und materiellen Aufbau Siebenbürgens, einer Bevölkerung, die ungefähr 900 Jahre „Geschichte auf diesem Boden geschrieben hat, und nicht irgendwie, sondern als Vorbild für andere.“ Michael Schemel blickte zurück auf das Leid der Menschen während der Evakuierung und nach der erzwungenen Rückkehr besonders nach 1945. „Die Trennung von der Heimat, von den Häusern und dem Besitz, fiel ihnen schwer. Der Aufbruch in eine ungewisse Zukunft war beängstigend, die Umstände schwer zu ertragen.“ Sie haben es jedoch geschafft, sowohl diejenigen in der siebenbürgischen Heimat als auch die ausgewanderten Siebenbürger Sachsen.

Pfarrer Andreas Hartig setzte am Denkmal vor der Europahymne den gewichtigen Schlusspunkt: „Lasst uns beten: Trost und Hoffnung begehrend, kommen wir heute vor Dich im Gedenken an die schweren Ereignisse vor 80 Jahren, als unsere Vorfahren aus Bistritz und der Umgebung ihre Heimat verlassen mussten. Wir gedenken all derer, die entwurzelt wurden, die damals ihre Häuser, ihre Felder, ihren Besitz, ihr vertrautes Leben zurückließen. Ihre Wege waren beschwerlich, von Angst, Verlust und Unsicherheit geprägt. Viele fanden den Tod. Andere in der Fremde ein neues Zuhause. Doch nichts konnte die Narben dieser Flucht auslöschen. Wir wollen innehalten und in der Stille an die Menschen denken, die diesen schweren Weg damals gehen mussten, an ihre Trauer, ihren Mut und ihre Hoffnung. Gott wir bitten Dich: Schenke uns die Weisheit, diese Erinnerungen wach zu halten, damit wir das Leid, das durch Krieg und Vertreibung verursacht wurde, nie vergessen. Stärke uns, damit wir Brücken des Friedens und der Versöhnung bauen, damit solche Tragödien nie wieder geschehen. Wir danken Dir für den Zusammenhalt, der damals entstand, für die Kraft, die Du den Vorfahren, unseren Vorfahren geschenkt hast, für die Gemeinschaft, die in der Fremde neu entstanden ist. Hilf uns, aus ihrem Mut, aus ihrem Glauben zu lernen. Segne heute alle, die an dieses Kapitel unserer Geschichte erinnern, sei nahe bei denen, die damals den Weg in die Ungewissheit antreten mussten. Und lass uns die Hoffnung auf eine gerechte und friedvolle Zukunft nicht aufgeben.“ Vor dem Gedenken beim Denkmal wurde die Fotoausstellung „Der Mensch. Das Land. Die Ewigkeit“ eines hochgeschätzten Forumsmitglieds, Toni Pal, im Beisein eines begeisterten Publikums im Bistritzer Löwenhaus eröffnet. Am Freitagabend versammelte sich die sächsische Gemeinde in der Evangelischen Kirche im historischen Zentrum von Bistritz, die zum Wahrzeichen der Stadt geworden ist, zu einem Symphoniekonzert des Neuen Transilvania Orchesters unter Leitung von Romeo Rimbu und des Transilvania Philharmonischen Chores, geleitet von Cornel Groza. Deren künstlerisches Können ist nicht nur in Rumänien besonders geschätzt. Aufgeführt wurden auf einem sehr hohen Niveau zunächst das Requiem in D-Moll K 626 für Solisten und Orchester von Wolfgang Amadeus Mozart (alle acht Passagen vom Introitus bis zur Communio), die Wassermusik und zum Abschluss das Stück Zadok der Priester, beide von Georg Friedrich Händel. Ebenfalls in der neu renovierten Kirche präsentierte Thomas Șindilariu die Ausstellung „800 Jahre Andreanum“. Am Abend trafen sich die zahlreichen Gäste aus Deutschland und Österreich zu einem gemütlichen Beisammensein im Untergeschoss des Gewerbevereins, heute Kulturpalast von Bistritz.

Den Neubeginn in Bistritz beinhaltet einerseits der jahrzehntelange Prozess der Wiederentstehung einer kleinen sächsischen Gemeinschaft nach der von den sowjetischen Besatzungsbehörden in Österreich befohlenen Rückführung von rund 6000 Evakuierten 1945 mit ihren Tiefen und Höhen während der bleiernen Jahrzehnte unter kommunistischer Herrschaft, vorwiegend unter kirchlicher Führung, das Wiederaufleben deutschen Lebens nach 1990 nach Aussiedlung und Wende, die fruchtbare Zusammenarbeit von Ev. Kirche, der Stadtverwaltung, dem Demokratischen Forum der Deutschen in Bistritz und der HOG Bistritz-Nösen (besonders nach 2005) und schließlich – als aktuelle Krönung – die festliche Amtseinführung von Pfarrer Andreas Hartig am 14. September 2024, am Tage nach dem breit angelegten Gedenktreffen am Evakuierungsdenkmal. Sie stand unter dem Bibelwort „Dies ist der Tag, den der Herr macht: lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.“ (Psalm 118, 24) Katharina Borsos begrüßte die zahlreichen Ehrengäste und natürlich den neuen Pfarrer Andreas Hartig mit warmen Worten: „Er ist ein Sohn dieser Stadt, unser gewesenes Mitglied. Seinen Lebensweg hat unser Vater im Himmel über die Ausbildung in Hermannstadt und die Pfarrstellen in Zeiden und Linz zurückgeführt in seine Heimatstadt Bistritz.“ Sie gab der Freude Ausdruck, dass er sich entschlossen habe, in seine Heimatstadt zurückzukommen und sicherte ihm die Unterstützung des Bistritzer Presbyterium zu. Den Freunden aus Österreich und Deutschland dankte sie für die Verbundenheit mit Bistritz auch in schweren Zeiten. Die Eingangsliturgie verrichtete Pfarrer Alfred Dahinten aus Mühlbach, aus dem Alten Testament (Jesaja 52,7-109) las der griechisch-katholische Dekan Cristian Goia, aus dem Neuen Testament (Johannes 15, 9-16) der reformierte Pfarrer András Peter, das apostolische Glaubensbekenntnis sprach der ev. Diakon Gabriel Catrintasu. Es predigte Bischofsvikar Dr. Daniel Zikeli, der auch die Amtseinführung von Pfr. Andreas Hartig vornahm, assistiert von Pfr. Ortwin Galter (Linz) und Pfr. Johann Zey (Sächsisch-Reen), das Hauptgebet sprachen Pfr. Andreas Hartig, Geréd Péter (röm.-kath.), Zoltán Tóth (ev. luth.) und Hildegard Depner-Servatius (ev. luth).

Bischofsvikar Dr. Daniel Zikeli stellte seine Predigt anlässlich der Amtseinführung von Stadtpfarrer Andreas Hartig unter das Leitmotiv „Gott handelt im Verborgenen“, ausgehend von Psalm 127, in dem es heißt „Wenn der HERR nicht das Haus baut, dann ist alle Mühe der Bauleute umsonst. Wenn der HERR nicht die Stadt bewacht, dann wachen die Wächter vergeblich“, denn „ohne Gottes Segen ist alles umsonst!“ Andreas Hartig hätte es nicht leicht gehabt. „Es waren viele Fragen da und Zweifel, wechselseitige Gedanken und tiefe Überlegungen, die den Schlaf forderten. Aber auch in der Gemeinde Bistritz gab es Menschen, die keinen tiefen Schlaf fanden. Wird er wohl noch kommen – der neue Pfarrer? Wird er den Schritt zurück in seine Heimatgemeinde wagen? Werden wir ihm entsprechen?“ Im Psalm heißt es: „Denen, die er liebt, gibt Gott alles Nötige im Schlaf!“ Ein jeder unter uns sei bemüht, sein Lebenshaus zu bauen, einige seien dazu bestimmt, Verantwortung für die Stadt zu übernehmen, so auch Andreas Hartig. „Gott bleibt ein Geheimnis in seinem Wirken an uns, in der Kirche, in der Welt. (…) Das heißt nun so viel, dass Gott unser Leben so lenkt, wie es seinen Vorstellungen entspricht, dass Gott vollendet, was für uns brüchig erscheint, er verbindet, was auseinandergerissen wird, er bringt zusammen, was zusammengehört. Die Sorge und das Bangen, ob es wohl noch einen Pfarrer nach der Pensionierung von Stadtpfarrer Krauss geben wird, hatte sich ergeben. So, wie sich die Verzweiflung, ob die Kirche nach dem katastrophalen Brand von 2008 wieder hergestellt wird, sich gelegt hat und die Kirche emporragt als ein wunderbares Denkmal (aber auch als ein Mahnmal), so ist die Ungewissheit durch die wohlüberlegte Zusage von Andreas Hartig beendet. (…) Heute nun kehrt er zurück an diesem Ort, als ein erfahrener Pfarrer, mit vielfältigen Fähigkeiten und Gaben, der nicht nur an der Orgel spielen, sondern ganz gewiss unzählige Möglichkeiten dieser Gemeinde antasten wird.“

Am Ende des tief beeindruckenden zweisprachigen Gottesdienstes, an dem auch der Vorsitzende der Kammer der Abgeordneten aus Bukarest, Daniel Suciu, Minister Bogdan Ivan, Camelia Tabără, Stellvertretende Vorsitzende des Kreisrates, Teo Ciorbă, Präfekt des Kreises Bistritz-Nassod, sowie Martin Bottesch, Vorsitzender des Siebenbürgenforums, teilnahmen, sprachen noch Emanuel Vidican (gr.-orthodoxer Stadtpfarrer Bistritz), Vizebürgermeister Sorin Hangan und Dr. Hans Franchy ein Grußwort. Emanuel Vidican betonte die Einigkeit im christlichen Glauben, Sorin Hangan die enge Zusammenarbeit zwischen Ev. Kirche und dem Stadtmagistrat. Dr. Hans Franchy wünschte den Mitgliedern der Bistritzer evangelischen Kirchengemeinde, dem Presbyterium und Pfarrer Andreas Hartig viel Kraft und Gottes Segen für die Zukunft. „Bistritz ist eine besondere Stadt in Rumänien mit einer besonderen Geschichte und einer einzigartigen Situation. Wo hat man schon gesehen, dass als Zeichen des Respekts für die Geschichte der Stadt und die kleine deutsche Minderheit ein Bürgermeister die sächsische Tracht anzieht? Ovidiu Teodor Creţu hat das getan und wir danken ihm dafür. Gott segne Bistritz und seine Bürger!“

Mit ergreifenden Dankesworten seitens des neuen Stadtpfarrers Andreas Hartig und seines Freundes Pfr. Ortwin Galter sowie einem bewegenden Orgelnachspiel von Dr. Steffen Schlandt (Joseph Haydns „Vollendet ist das große Werk“) endete der Amtseinführungsgottesdienst. Zu den Höhepunkten gehörte die großartige Vokalinterpretation von „Panis angelicus“ von Cesar Franck und von „Jesus bleibet meine Freude“ von Johann Sebastian Bach durch die weltberühmte Opernsängerin Anita Hartig, die Schwester des neuen Stadtpfarrers, die an der Orgel meisterhaft von Dr. Steffen Schlandt begleitet wurde. Anschließend lud die ev. Kirchengemeinde Bistritz alle aus dem Ausland angereisten und die zahlreichen kirchlichen und städtischen prominenten Gäste zu einem Festessen in das Hotel „Bistritz“ ein.

Ein großes Kammerkonzert am 13. September mit Claudiu Hontila und Horea Haplea (Gounod, Bach, Fauré, Massenet, Paganini, Paradis) und ein Orgelkonzert am 14. September mit Dr. Steffen Schlandt (Ole Bull, Pablo Bruna, Sweelinck, Johann Sebastian Bach, Ludwig van Beethoven, Joseph Haydn, Theodore Dubois) rundeten vor einem begeisterten Publikum in der Ev. Kirche die großen Gedenk- und Einführungsfeierlichkeiten ab.
Günter Klein würdigt den letzten deutschen ...
Günter Klein würdigt den letzten deutschen Bistritzer Bürgermeister Karl Sanchen auf dem Bistritzer Friedhof.
Auf dem evangelischen Friedhof versammelten sich am Nachmittag des 15. September zahlreiche Landsleute am Grab des letzten, vor 90 Jahren demokratisch gewählten sächsischen Bistritzer Bürgermeisters Karl Sanchen, dessen Todestag sich am 15. Oktober zum neunzigsten Mal jährt. Der Historiker Günter Klein präsentierte gekonnt und sehr überzeugend den Lebenslauf des Bürgermeisters und seine großen Leistungen für die Stadt zwischen 1919 und 1934. Sanchen gewann die Wahl von 1930 haushoch mit 91,7% der Stimmen. Das Wahlergebnis verdeutlichte, dass nicht nur die nationalen Minderheiten Karl Sanchen zum Bürgermeister wählten, sondern auch die überwiegende Mehrheit der Bistritzer Rumänen. Den nationalistischen Kreisen gelang es 1934, Sanchen abzusetzen. Karl Sanchen hat diese Ungerechtigkeit nicht verkraftet und verstarb am 15. Oktober 1934 an den Folgen eines Schlaganfalls im Alter von nur 60 Jahren. Bis 1990 gab es keine freien Wahlen mehr. Dr. Hans Franchy seitens der HOG Bistritz-Nösen und Vizebürgermeister Sorin Hangan seitens der Stadt legten zwei Kränze nieder.

Das Evakuierungsgedenken begann im Januar 2024 in Bad Kissingen, weitete sich über Nürnberg, Dorna Watra, Dinkelsbühl, Richtung Bistritz, Sächsisch-Reen und Wels aus, um im Herbst in Laupheim, Düsseldorf und Drabenderhöhe sowie im Dezember in Berlin abgeschlossen zu werden.

Horst Göbbel

Schlagwörter: Evakuierung, Gedenken, Bistritz

Bewerten:

26 Bewertungen: +

Neueste Kommentare

  • 03.10.2024, 16:29 Uhr von ingenius mobile: Ich bin dankbar, wenn über solch wichtige Ereignisse mit so viel Liebe zum Detail, ja fast schon ... [weiter]
  • 03.10.2024, 14:50 Uhr von AW-Nösen: Danke an Horst Göbbel für den Artikel, welcher uns Anwesende, bei diesen vielen bisher ... [weiter]

Artikel wurde 2 mal kommentiert.

Zum Kommentieren loggen Sie sich bitte in dem LogIn-Feld oben ein oder registrieren Sie sich. Die Kommentarfunktion ist nur für registrierte Premiumbenutzer (Verbandsmitglieder) freigeschaltet.