27. November 2010

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Bundesausschuss der Siebenbürger Sachsen in Österreich setzt sich mit Dr. Karl Scheerers Identitätsbegriff kritisch auseinander

Der Bundesausschuss des Bundesverbandes der Siebenbürger Sachen in Österreich hat am 13. November 2010 getagt und bezieht im Folgenden Stellung zu den Ausführungen des Historikers Dr. Karl Scheerer, stellvertretender Vorsitzender des Siebenbürgenforums, beim 20. Sachsentreffen am 18. September 2010 in Bistritz (siehe Beilage „Kirche und Heimat“, Siebenbürgische Zeitung vom 15. Oktober 2010, Seite 16). Scheerer hatte ein Thesenpapier erläutert, das bei der Tagung „Zukunft und Perspektiven der deutschen Minderheit in Rumänien vom 13. bis 15. November 2009 in Hermannstadt vorgelegt worden war. Erarbeitet wurde das Papier von einer Arbeitsgruppe des Siebenbürgenforums, bestehend aus Benjamin Józsa, Dr. Hans Klein, Dr. Paul Philippi, Dr. Karl Scheerer und Winfried Ziegler.
Wir Siebenbürger Sachsen in Österreich leben seit 1944 in diesem Land und fanden hier neue Heimat und Zukunft. Auch in der zweiten und dritten Generation lebt in unseren hier entstandenen Gemeinden und Kirchen noch immer siebenbürgisch-sächsische Identität. Sie hat sich in der neuen Heimat gewandelt und wurde zum „österreichisch-siebenbürgisch-sächsischen“ Selbstverständnis, wofür wir dankbar sind. Gemeinschaftssinn, evangelische Spiritualität, Pflege unserer Volkskultur, Geschichts- und Heimatverbundenheit sowie die traditionellen Nachbarschaften sind keineswegs „blutleer und virtuell“, sondern werden auch von offizieller Seite gesehen und als wertvoller kultureller und sozialer siebenbürgischer Beitrag geschätzt. Wir staunen, dass die Kinder und Enkelkinder der Erlebnisgeneration bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Wir wehren uns gegen jede Infragestellung, die unsere Bemühungen schwächt und ex cathedra über uns und unsere Identität entscheiden will. Bedeutet unsere Existenz außerhalb Siebenbürgens eine Bedrohung?

Gerade auch unsere Nordsiebenbürger in Österreich sind ihren Heimatkirchen, Geschichte und Traditionen verbunden und ihr Einsatz für die alte Heimat zeigt, dass sie es sich auch etwas kosten lassen. Die große Hilfsbereitschaft für die Bistritzer Stadtpfarrkirche und unsere aktive Teilnahme am 20. Sachsentag sind Beleg unserer siebenbürgisch-sächsischen Identität, Zeugnis unseres Hilfs- und Gemeinschaftsgeistes. Wir sind unseren Landsleuten zutiefst verbunden und fühlen uns als Teil unserer großen, weltweiten Gemeinschaft. Sollte dieses Gemeinschaftsgefühl, Interesse und die Verbundenheit zu unseren Landsleuten in Siebenbürgen tatsächlich „irritieren“?

Wer aber, aus welchem Grund auch immer, unsere siebenbürgische Identität in Frage stellt, stößt auf unser Unverständnis und Ärger. Unsere Identität hat sich in den vergangenen 66 Jahren verändert und wurde von der neuen Heimat mitgeprägt. Dennoch ist das siebenbürgisch-sächsische Selbstverständnis prägender Teil unserer altösterreichischen und neuösterreichischen Identität.

Auch die Siebenbürger Sachsen in der alten Heimat haben sich im Kommunismus und nach 1990 verändert. Wir freuen uns über diese Wandlung und neue Offenheit und würden nie auf den Gedanken kommen, ihnen ihre Authentizität abzusprechen.

Wenn uns in diesem Thesenpapier unsere österreichisch-siebenbürgisch-sächsische Identität abgesprochen wird, finden wir es genauso abwegig wie die Tatsache, dass der Papst die Evangelische Kirche nicht als Kirche gelten lassen will.

Bundesausschuss der Siebenbürger Sachsen in Österreich

Links:

Thesenpapier des Siebenbürgenforums in der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien

Bericht über der Tagung „Zukunft und Perspektiven der deutschen Minderheit in Rumänien", Siebenbürgische Zeitung Online vom 26. November 2009

Pdf-Dateien zum Herunterladen:

Bericht über das Sachsentreffen und die Ausführungen Dr. Scheerers, Beilage "Kirche und Heimat", herausgegeben vom Hilfskomitee, 15. Oktober 2010, Seite 15

Fortsetzung des Berichtes, Beilage "Kirche und Heimat", 15. Oktober 2010, Seite 16

Schlagwörter: Sachsentreffen, Identität, Österreich

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